Donnerstag, 10. Januar 2013

Geheilt durch den Tod

Zwei Missionare sollen einst für die Genesung eines Jungen im Dorf gebetet haben. Der Junge war schwerkrank und kämpfte gegen den Tod. Die Missionare beteten, flehten Gott an, er möge den Jungen gesund machen. Der Junge stirbt.

Nach einiger Zeit treffen sich die Missionare wieder und sprechen über diesen Vorfall. Der eine meint: "Wir müssen lernen, nach Gottes Willen zu beten, dann werden unsere Gebete erhört. Wie schaffen wir es, nach seinem Willen zu beten?"

Der andere Missionar antwortet: "Gott hat unsere Gebete erhört. Der Junge ist nicht mehr krank. Da, wo er jetzt ist, kann er auch nie mehr krank werden."

Diese Geschichte habe ich letzte Woche in einem Gottesdienst gehört. Und wenn sich so was höre, kann ich nur den Kopf schütteln.


Wie kann man so blind sein und seinen Selbstbetrug nicht bemerken, wenn man sich die Geschehnisse auf diese Art schönredet? Nehmen wir mal an, der Junge ist gestorben, weil es Gottes Wille war (was der eine Missionar ja suggeriert). Dann darf die Frage erlaubt sein, weshalb man dann überhaupt beten soll. Wenn doch ohnehin sein Wille geschieht, kann ich mir die Gebete sparen.

Natürlich, man kann einfach mal nach Gutdünken drauf los beten. Die Chancen stehen - je nach Situation - im besten Fall 50:50 dass man den Willen Gottes "erwischt" hat. In dem Fall gilt das dann als Gebetserhörung. Andernfalls kommt die Entschuldigung zum Zuge, dass man eben nicht nach Gottes Wille gebetet hat, er andere Pläne hat, etc. Es bleibt die Frage, wozu dann überhaupt beten.

Gehen wir davon aus, dass die Dinge einfach geschehen. Mal hat ein Junge (um beim Beispiel zu bleiben) Glück und überlebt, mal eben nicht. Zufall. Dann leuchtet auch ein, warum einmal Gebete erhört werden, ein andermal nicht.

Aber klar, man kann sich seine Erhörung natürlich auch zusammen basteln. Schliesslich stimmt es, der Junge im Beispiel wird nie mehr krank sein. Schöne Gebetserhörung.

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