Montag, 25. Februar 2013

Verwirrende Sprachverwirrung, Teil 1

Die Erzählung rund um den Turmbau zu Babel ist wohl eine der bekanntesten biblischen Geschichten. Geschichte ist dabei schon übertrieben, sind es doch gerade mal neun Verse. Und alle bergen sie für den kritischen Leser Fragezeichen, während sie eigentlich nichts aussagen. Doch schauen wir sie der Reihe nach an.

1Damals sprachen die Menschen noch eine einzige Sprache, die allen gemeinsam war.
-- 1. Mose 11, 1


Nun, man darf davon ausgehen, dass die Geschichte vom Turmbau nach Noah und der Sintflut stattfand. Hätte sie vorher statt gefunden (was rein von der biblischen Einordnung nicht logisch wäre), wäre die Sprachverwirrung ja durch die Vernichtung aller ausser Noahs Familie hinfällig geworden. Also, der babylonische Turm war nach Noah. 

Blättern wir nur eine hauchdünne Seite in der Bibel zurück, lesen wie davon, dass sich die drei Noah-Söhne Sem, Ham und Japhet mit ihrem Nachwuchs zu Völker entwickelten. Und - Achtung - ein jedes seine Sprache hatte. 

Diese alle sind Sems Nachkommen. Sie wuchsen zu Völkern heran, die in Sippen zusammenlebten. Jedes Volk hatte sein eigenes Gebiet und eine eigene Sprache.
-- 1. Mose 10, 31


Was denn nun, sprachen sie alle eine gemeinsame Sprache oder hatten sie schon vorher unterschiedliche?

Im 2. Vers ist die Rede davon, dass "sie" von Osten weiterzogen und die Talebene im Land Schinar fanden, wo sie sich niederliessen. Ja, wer denn? Im Kapitel zuvor ist die Rede davon, dass sich die Nachkommen von Noah Söhne in jeweils eigene Richtungen bewegten. Ein Kapitel später wird von der Menschheit gesprochen, also wäre sie an einem hübschen Ort als Kollektiv versammelt. Seltsam.

Bindet uns der Erzähler der Turmgeschichte keinen Bären auf, müssen wir davon ausgehen, dass zu jener Zeit der wesentliche Teil der Menschheit vor Ort befand und eben eine Sprache sprach. Unter diesen Gesichtspunkten ist umso unverständlicher, was Vers 4 bedeuten soll:

»Auf! Jetzt bauen wir uns eine Stadt mit einem Turm, dessen Spitze bis zum Himmel reicht!«, schrien sie. »Dadurch werden wir überall berühmt. Wir werden nicht über die ganze Erde zerstreut, weil der Turm unser Mittelpunkt ist und uns zusammenhält!«
-- 1. Mose 11, 4


Berühmt sein bringt nur etwas, wenn da auch jemand ist, dem gegenüber man sich damit rühmen kann. Es müssen also andere Gesellschaften vorhanden gewesen sein, sonst macht "Berühmt sein" keinen Sinn bzw. ist gar nicht möglich. Dem steht aber wiederum der erste Vers gegenüber, der behauptet, dass die Menschheit sozusagen Eins war.

Leider im Unklaren lässt uns der Autor darüber, weshalb die Menschen damals Angst davor hatten, über die ganze Erde zerstreut zu werden. Litten sie womöglich darunter, dass die Jungen die weite Welt entdecken wollten und oftmals nicht zurück kamen? Warum soll man gerade deswegen zusammen halten, weil man einen Turm in seiner Stadt hat? Hat ein Turm magische Kräfte, die eine Gesellschaft zusammen hält?

Weiter geht's morgen. :-)

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