Dienstag, 26. Februar 2013

Verwirrende Sprachverwirrung, Teil 2

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Im fünften Vers der Babel-Geschichte wird in meinen Augen der klare Hinweis erbracht, dass es sich bei der Geschichte um eine antike Kindergeschichte handelt, die erklären sollte, warum die Menschen verschiedene Sprachen reden.

Da kam der Herr vom Himmel herab, um sich die Stadt und das Bauwerk anzusehen, das sich die Menschen errichteten.
-- 1. Mose 11, 5

Es mutet schon fast lächerlich an, wenn man sich das vorstellt: Der allwissende Gott über allem klettert die Strickleiter vom Himmel runter um sich vor Ort mal ein Bild von den Geschehnissen zu machen. So jedenfalls stell' ich mir das vor, wenn ich diesen Vers lese.

In den nächsten beiden Versen ist die Rede davon, dass Gott irgendwie "Schiss" zu haben schien.

6Er sagte: »Sie sind ein einziges Volk mit einer gemeinsamen Sprache. Was sie gerade tun, ist erst der Anfang, denn durch ihren vereinten Willen wird ihnen von jetzt an jedes Vorhaben gelingen! 
-- 1. Mose 11, 6

"Was sie tun, ist erst der Anfang." Da liest man ernsthafte Bedenken heraus. Was hätte das Nächste nach dem mächtigen Turm sein können? Geht für Gott eine Bedrohung von einem solchen Turm aus? Vielleicht ja, aber nur nach dem Verständnis der damaligen Zeit. Denn man sollte bedenken, dass man sich damals klar war, dass die Erde eine Scheibe sei und der Himmel in einer bestimmten Distanz zu ihr sein muss. Nach diesem Verständnis wäre es natürlich zumindest in der Theorie denkbar, dass die Turmspitze zu Gott hoch reicht.

Nun wissen wir heute aber, dass das Humbug ist. Denn so hoch wie die aktuellsten Rekordhäuser war der Turm von Babylon mit ziemlicher Sicherheit nicht. Und schon ganz sicher nicht so hoch wie Flugzeuge fliegen oder gar Space Shuttles hingleiten. Wäre ein von Menschenhand gebauter Turm eine ernsthafte Bedrohung für Gott, dann hätten wir ihn mittlerweile wohl antreffen müssen auf einer der vielen Mond-, Weltall- oder Marsmissionen.

Das ist aber nicht der Fall. Also konnte auch der Turm keine Gefahr sein. Also kann die Geschichte eigentlich nur der Fantasie eines damaligen Geschichtenschreibers entsprungen sein, dem das Wissen, das heute als selbstverständlich gilt, eben noch nicht haben konnte.  Denn heute gelingen uns Vorhaben, von denen die Menschen von damals noch nicht einmal zu träumen wussten.

Wie uns die Geschichte erzählt, ist daraufhin Gott mit noch jemandem, der nicht weiter beschrieben ist, hinuntergestiegen und hat ihre Sprachen verwirrt. Auch hier könnte man sich natürlich wiederum fragen, weshalb ein allmächtiger Gott hierfür runtersteigen muss, während er die Welt mit seinem blossen Wort geschaffen hat. Aber vermutlich klingt es einfach besser.

Oder das Kind, dem diese Gutenacht-Geschichte erzählt wurde, konnte es besser verstehen.

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