Mittwoch, 21. August 2013

Ich bin.. äh... also, hm... Atheist (Teil 1)

Kürzlich habe ich den Text im Header dieses Blogs angepasst. Da stand, dass ich zur Zeit skeptischer Betrachter sei. Das stimmt so einfach nicht mehr. Ich bin ein Schritt weiter, vielleicht sogar zwei Schritte, wenn man die Zwischenstufe Agnostiker dazu nimmt.

Zum Agnostiker wurde ich eigentlich viel früher, als ich mir das eingestehen wollte. Der Agnostiker vertritt die Ansicht, dass vielleicht ein Gott da ist, vielleicht auch nicht. Sozusagen eine 50:50-Chance. Dieses Stadium erreicht ein zweifelnder Christ meiner Meinung nach sehr schnell. Denn ist erst Mal die Erkenntnis da, dass am christlichen Kirchengebilde irgendwas nicht stimmen kann, geht's rasch. Jedenfalls dann, wenn man ernsthaft darüber nachdenkt und sich nicht einfach mit indoktrinierten Phrasen selbst beschwichtigt. Ich glaube mittlerweile sogar, dass jeder Zweifler, der dann doch zum Schluss kommt, dass es Gott gibt, lediglich irgendwann entschieden hat, das jetzt einfach so zu glauben und alle Gegenargumente schlicht zu verdrängen. Doch zurück zu meiner Entwicklung.

Agnostiker war ich eigentlich in der Zeit, in der ich erkannte, dass "das mit der Bibel und so" einfach nicht stimmen konnte, weil viel zu viele Widersprüche damit auftauchen. Das war eine Zeit, in der ich einerseits der mir bisher bekannten Form von Religion den Rücken drehte, andererseits aber auch nicht viel Zeit damit verbrachte, darüber nach zu denken, ob's denn vielleicht eine andere Form von Gott geben kann. Zeitmangel, Desinteresse - das dürften die Gründe hierfür gewesen sein.

Gerade Desinteresse wird vielfach angeführt, wenn Agnostiker kritisiert werden. Wer sich als agnostisch bezeichnet, dem fehle einfach das Interesse, nach Antworten zu suchen. Oder der Mut, sich für etwas zu entscheiden.

Vermutlich sind die heutigen Kirchen voller Menschen, die sich selbst als Christen bezeichnen, tatsächlich aber Agnostiker sind. Ein Agnostiker, der sich nicht ausdrücklich dazu bekennt, ein solcher zu sein, kann problemlos jahrelang in Kirchen - auch in weniger anonymen Freikirchen - als Mitläufer unterwegs sein, ohne dass jemals jemand auf die Idee kommt, dass mit dem vielleicht etwas nicht "stimmt". Tatsächlich kommt diese Schilderung meiner eigenen Geschichte wohl ziemlich nahe. Was bin ich doch jahrelang in die Gemeinde (so hiess das in unserer Terminologie) gegangen, ohne das geringste Interesse an dem, was von der Bühne (eine Kanzel hatten wir nicht) gepredigt wurde. Selbst das Abendmahl habe ich genommen, obwohl ich die Geschichte drumherum für Mumpitz hielt.

Leider muss ich gestehen, dass ich das Abendmahl wohl letztlich mangels Mut nicht einfach an mir vorüber gehen liess. Die Tatsache, dass ich damit aufgefallen wäre, hätte mich nicht gestört. Ich hatte viel mehr Angst (eigentlich ist Angst hier das falsche Wort, aber egal) vor den möglicherweise früher oder später daraus folgenden Gesprächen. Und eigentlich hatte ich auch davor nicht wirklich Angst. Aber mit diesen Gesprächen wäre zum Vorschein gekommen, dass mich das Thema Glauben eigentlich nicht mehr juckt und ich nur der Familie wegen in die Kirche komme. Vielleicht habe ich Bedenken, dass dadurch mittelfristig Kontakte abbrechen, die für mich bisher (Religion hin oder her) eine Bereicherung waren.

Das ist es. Das ist letztlich der Hemmblock, weshalb ich meine mittlerweile vorhandene Distanz zum Glauben nicht an die grosse Glocke hänge. Obschon ich natürlich weiss, dass ich irgendwann über meinen Schatten springen und den Verlust von Kontakten auch hinnehmen muss. Zu meiner Entlastung muss ich auch sagen, dass ich meinen Wegfall (wie die anderen es nennen) bzw. meine Befreiung (wie ich es nenne) vom Glauben nicht leugnen würde. Hätte mich in letzter Zeit jemand darauf angesprochen, hätte ich keine Sekunde gezögert, zu meiner Meinung zu stehen. Aber aktiv informieren? Dafür fand' ich bislang einfach keinen wirklichen Grund.


Kommentare:

  1. Willkommen. Und keine Sorge: Du wirst feststellen, dass die Welt mit einem offenen Geist schöner, bunter, spannender und mitreissender ist.

    AntwortenLöschen
  2. Ich fürchte, hier liegt ein Kategorienfehler vor, Pat:

    Der Atheismus bezieht sich auf ein GLAUBENSSYSTEM, der Agnostizismus hingegen ist eine ERKENNTNISTHEORETISCHE Position:
    ein Agnostiker vertritt die Haltung, dass weder für die eine (es gibt einen Gott) noch für die andere Annahme (es gibt keinen) genügend Beweise vorliegen. Diese Haltung kann der Agnostiker durchaus als "Theist" oder als "Atheist" innehaben.

    In der "schwankenden Übergangsphase" hast Du, Pat, also –vermutlich– lediglich die Wandlung vom "agnostischen Theisten" zum "agnostischen Atheisten" vollzogen.

    Es grüßt
    Rootrudee.

    AntwortenLöschen
  3. Zu fürchten brauchst du gar nix, Rootrudee. :-)

    Ich danke für deine Ergänzungen. Das wird mir schon wieder zu theoretisch. Vermutlich hast du recht, auch wenn ich es anders empfand.

    Der agnostische Teil in mir, der zu einem ganz kleinen Prozentsatz noch zulässt, dass vielleicht doch irgendwie und irgendwo etwas wie Gott sein könnte, kommen wohl von meinem Unwissen.

    Man muss bzw. müsste schon sehr naturwissenschaftlich bewandert sein, um alle Argumente und cleveren Fangfragen der Religiösen einwandfrei zu entlarven. Das bin ich nicht. So lange ich z.B. die Evolution nicht verstehe (oder gar studiere), solange kann ich auch nicht endgültig argumentieren.

    Und dieses Manko aus fehlendem naturwissenschaftlichem Wissen machen wohl die 10 oder 20 Prozent aus, die ich noch nicht Atheist bin/sein kann.

    Wenn das für dich ein agnostischer Atheist ist, ok. Da kann ich mit leben. Eigentlich egal. Mir ist wichtig, dass ich aus dem frommen Kuchen raus bin bzw. noch rauskomme.

    AntwortenLöschen