Sonntag, 15. September 2013

Ich bin.. äh... also, hm... Atheist (Teil 2)

Im ersten dieses zweiteiligen Beitrags habe ich meinen Weg vom Christen über den Agnostiker zum Atheisten in Kurzform erzählt. Dabei habe ich die Bedenken (ich habe auch das Wort Angst erwähnt), mich offenkundig zu distanzieren. Das hat ausschliesslich soziale Gründe; Kontakte, die ich an sich mag, könnten abbrechen.

Doch da gibt's noch etwas anderes, was man als Angst oder Unsicherheit bezeichnen könnte. Obschon ich tief in mir drin überzeugt bin, ein Atheist zu sein, fällt es mir schwer, mich öffentlich als einen solchen zu bezeichnen. Jedes Mal, wenn ich sage oder denke: Ich bin Atheist, habe ich ein ganz seltsames Gefühl.

Es fühlt sich an, als würde ich selber erschrecken ob dieser Aussage. Jeder überzeugte Christ würde natürlich sagen, dass das eben das Gewissen ist, weil man tief drin weiss, dass Atheismus schlecht ist. Schlecht, genau. So wurden wir als junge Menschen jahrelang geprägt. Es ist traurig, dass es Menschen gibt, die sich Atheist nennen obschon die ganze Welt mit ihrer Natur und Schönheit ständig davon zeugt, dass es einen Gott gibt.

Ich weiss natürlich, dass das sogenannte schlechte Gewissen etwas ist, das man nicht einfach hat. Es ist etwas, das man indirekt eingeimpft bekommt von den Menschen, die einen in der Kindheit prägen. Das sind meistens die Eltern, können aber auch Lehrer, Kindergruppenleiter oder Jugendprediger sein. Wenn alle in etwa die gleichen Werte, Ansichten und den gleichen Glauben übermitteln, hat es das Kind später schwer. Die Aussage, dass Gott uns geschaffen hat, nimmt ein Kind genau gleich als Wahrheit auf wie die, dass man den Herd nicht anfassen dürfe, weil er heiss ist.

Atheisten waren aus der Sicht, mit der ich aufgewachsen bin, bemitleidenswerte Menschen. Vom Satan verführt. In der Ewigkeit verloren. Gott leugnende Wesen. Etwas, das für mich und mein Umfeld unvorstellbar war. Heute bin ich selber einer. Kein Wunder, habe ich Mühe, eine mehr als zwanzig Jahre alte "Erziehung" abzustreifen.

Ich bin Atheist. Ich bin Atheist. Ich bin Atheist. Irgendwann wird es mir leicht fallen, das zu sagen. So leicht, dass im Hinterkopf keine jahrzehntelang eingeprägte Phrasen mehr auftauchen und sich dagegen zur Wehr zu setzen versuchen. Ich bin Atheist, verdammt nochmal.

Kommentare:

  1. … und irgendwann beginnt man zu vergessen, dass man einer ist — dann ist man’s einfach und denkt nicht weiter drüber nach.

    Dieser Zustand ist allerdings im "apatheistischen" Norden Deutschlands einfacher zu erlangen; hier in Hamburg (der am wenigsten religiösen Stadt Westdeutschlands) bemerkte eine gläubige Freundin einmal, dass es ihr peinlich sei, zuzugeben, dass sie Christin sei, "… da stempelt man sich sofort als Aussenseiter ab."
    (zum "Apatheismus" siehe Wikipedia —> http://de.wikipedia.org/wiki/Agnostizismus#Varianten_des_Agnostizismus)

    Ich lese übrigens mit Vergnügen Deine Blogposts mit den Tags "Gaga-Verse", Pat.
    Eine großartige Ergänzung zu den "Biblical Absurdities" (—> http://rosarubicondior.blogspot.in/p/biblical-absurdities.html) der sehr belesenen Rosa Rubicondior (ein insgesamt SEHR empfehlenswerter Blog).

    mit flottem Gruß
    Rootrudee

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  2. Danke für die Blumen. Und für den Link-Tipp.

    Ich bin mir nicht so sicher, dass ich irgendwann einfach Atheist "bin". Dafür hab' ich mich zu lange verschaukeln lassen.

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