Mittwoch, 30. Oktober 2013

Warum hat Gott nicht einfach an alles gedacht?

Über einige Fragen der heutigen Zeit sagt die Bibel nichts oder zu wenig, um ein ethisch begründetes Urteil zu fällen. Als Themen, über die die Bibel schweigt, werden atomares Endlager oder embryonale Auslese erwähnt. Zu Fragen betreffend Homosexualität, Ehescheidung oder anderes würde man sich als bibeltreuer Mensch mehr Auskunft wünschen.

Ein Bischof namens Ralf Meister vertritt deshalb die Meinung, dass man die biblischen Gebote und die Aussagen der Bergpredigt sozusagen in die heutige Zeit adaptieren müsste.

"Es geht nicht um eine Kopie biblischer Gebote, sondern um eine kritische Aufnahme und Übertragung auf die Situationen unserer Zeit."

Wenn Gott als allmächtiges Wesen tatsächlich der Meinung war, mit der Bibel ein Werk zu erstellen lassen, das Generation um Generation überdauert und seine Gültigkeit auch ein paar tausend Jahre später noch nicht verliert, dann erlaubt mir eine Frage: Warum, verdammt noch mal, hat er dann nicht seinen Job richtig gemacht und an alles gedacht?

Freitag, 25. Oktober 2013

Glauben an einen Gott, den es nicht gibt (Klaas Hendrikse)

Im April habe ich von 'Glauben an einen Gott, den es nicht gibt' erstmals gehört. Mittlerweile habe ich das Buch gekauft und gelesen. Und ich bin etwas gespaltener Meinung, was das Urteil angeht. Allerdings - das ist das Schöne - muss ich ja nicht unbedingt urteilen.

Obschon die Kritiker das anders sehen, finde ich, Hendrikse spricht sowohl Atheisten als auch Christen an. Allerdings natürlich nur die Atheisten, die Lust haben, eine Art Verständnis für die Kirche und die Christen zu entwickeln. Nicht, dass Klaas Hendrikse versuchen würde, sie zu bekehren (er glaubt ja selber nicht, dass es Gott gibt, ist also Atheist), das Buch liefert eher Hintergrund-Infos zur Entstehung des christlichen Glaubens. Ein Stück weit darf man das ja ruhig auch als Allgemeinbildung ansehen, zumal Religion stellenweise auch mit anderen Bereich wie Kultur, Architektur und Geschichte verläuft.

Gleichzeitig versucht der Autor den (mehr oder weniger) Gläubigen sein Verständnis des Christentums zu erklären. Wie kam es dazu, dass von einem allmächtigen, allwissenden Gott die Rede ist? Er geht dabei auch der Frage auf den Grund, ob dem ganzen nicht schlicht ein Missverständnis zu Grund liegt.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Bitte Verstand am Eingang abgeben

In meinen Augen eine extrem gut gelungene Grafik. Simpel und doch tief gehend. Verstand und Religion haben es schwer nebeneinander. Umso verblüffter bin ich, dass es doch verhältnismässig viele Studierte in Freikirchen gibt. 
Zwar bin ich seit jeher ein eher skeptischer Mensch und habe oftmals nicht vorbehaltlos alles als Tatsachen aufgenommen. Aber insbesondere in jungen Jahren glaub' ich schon auch, dass ich am Eingang der Kirche den Verstand deponierte und ihn nach dem Anlass wieder mitnahm. 



Dienstag, 15. Oktober 2013

Gott befürwortet Sklavenhaltung. Oder?

Seit einigen Tagen komme ich mal wieder nicht voran mit meinem Projekt, die Bibel noch einmal von vorne bis hinten durch zu lesen. Nicht nur, weil ich das nicht als Vollbeschäftigung mache und somit die Zeit beschränkt ist. Viel mehr, weil mich ein Kapitel im Buch Exodus aufhält: Exodus 21.

In besagtem Kapitel ist die Rede vom Umgang mit Sklaven, Schadenersatz und schweren Verbrechen. Insbesondere der erste Teil, der sich doch etwas detailierter als biblisch üblich mit der Sklavenhaltung beschäftigt, wirft ein paar Fragen auf, die ich hier in Worte zu fassen versuche.

Die Rolle der Kirche
Wenn wir in "Gottes Wort" in einer solchen Selbstverständlichkeit von Sklaverei reden, dann erklärt das möglicherweise, warum ausgerechnet die Kirche, die Nächstenliebe und so predigt, zu den letzten Institutionen gehörte, die der Sklavenhaltung abschwor. Immerhin scheint es gottgegeben, dass eine Herrscherklasse minderwertige Völker und Rassen versklavt und zur eigenen Komfortsteigerung verwendet.

Heute würde kein zivilisierter und aufgeklärter Mensch mehr dafür stimmen, die Sklaverei wieder einzuführen. Es würde allgemein als riesiger Rückschritt betrachtet werden. Traurig genug, dass ausgerechnet die Kirche diesbezüglich Nachzügler ist. Wäre die Kirche als Siegerin aus der Zeit der Aufklärung gegangen, würden heute Sklaven für uns arbeiten. Oder wir als Sklaven für die Herrscher.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Noch ein Mal...

Aller guter Dinge sind drei. Auch wenn sie hier nicht wirklich gut sind, aber wir kommen ein drittes (und letztes Mal) auf das erwähnte Programmheft der Kinderwoche zurück. Für den Mittwoch haben sich die Macher der Kinderwoche folgendes ausgedacht:

Titel: Gott ist mein Versorger

Text: 8Da sagte Boas zu Ruth: »Ich mache dir einen Vorschlag: Du brauchst nicht auf ein anderes Feld zum Ährenlesen zu gehen; bleib hier bei meinen Mägden, 9die die Garben binden! Sammle immer dort, wo die Arbeiter gerade das Korn abmähen. Ich habe ihnen verboten, dich zu belästigen. Wenn du Durst hast, dann geh ruhig zu den Krügen dort, und trink von dem Wasser, das meine Männer geschöpft haben!« (Rut 2, 8-9)

Dienstag, 8. Oktober 2013

Neue Manipulations-Ideen von Willow Creek

Die amerikanische Willow Creek-Gemeinde ist eine der grössten Freikirchen weltweit mit Dimensionen, die wir uns kaum vorstellen können: Allein um 20'000 Menschen besuchen wöchentlich den Gottesdienst. Willow ist auch bekannt für zahlreiche veröffentlichte Bücher. Die Themen sind vielfältig: Jüngerschaft, Leiterschaft, Kinderarbeit und viele weitere theologische Themen. Willow ist die am schnellsten wachsende christliche Gemeinde. Kein Wunder, fahren viele europäische Christen voll auf Willow ab.

Nun kommt von da ein neues Signal. Die Kinderarbeit, sie muss überdacht werden. Man hat festgestellt, dass anscheinend ach von zehn Jugendlichen wieder vom Glauben weg kommen. Die Schlussfolgerung: Das Indoktrinationsprogramm ist nicht gut genug. So wird das zwar nicht ausgesprochen, für den wachen Aussenstehenden ist der Fall aber klar.

Dabei wäre die hohe Zahl der Absprünge ein klares Zeichen dafür, dass der christliche Glaube in Kombination mit den biblischen Geschichten zwar Kinder nach jahrelanger Indoktrination zu überzeugen vermag. Sobald die jungen Erwachsenen zu denken beginnen, und dazu werden sie im Laufe der schulischen Ausbildung angehalten, bröckelt das Konstrukt "Gott der Bibel" stetig, bis am Ende noch ein Haufen Steine übrig bleiben, die allerhand bedeuten können.

Religion im allgemeinen und das Christentum im Speziellen vermag nur Kinder zu überzeugen und Erwachsene, die es ihrem Verstand verbieten, zu viele Fragen zu stellen. Das Eine hat mit Naivität zu tun und ist unbewusst, die Kinder können nicht anders. Das Andere hat mit Dummheit zu tun und ist deshalb lächerlich. De facto lassen sich Dumme Dinge einfallen, mit denen sie Naive besser manipulieren können. Das ist schlicht nicht gutzuheissen.

Quelle: idea

Samstag, 5. Oktober 2013

Ironie im Kinderheft?!

Aus dem gleichen Heft wie im vorherigen Post stammt das Beispiel für den zweiten Tag der Kinderwoche. Beim Durchlesen stellt man sich unweigerlich die Frage, ob da Ironie im Spiel. Natürlich kaum. Sondern nur wieder eine Super-Fantasie, die irgendwie den Rank findet und das negative Beispiel zu einem positiven werden lässt.

Rein objektiv betrachtet klingt diese Seite schon sehr zynisch:

Unter dem Titel "Gott lässt mich nicht im Stich" steht folgender Text:

20»Nennt mich nicht länger Noomi «, erwiderte sie, »nennt mich Mara, denn Gott, der Allmächtige, hat mir ein schweres Schicksal auferlegt: 21Als ich von hier fortzog, hatte ich alles, was man sich nur wünschen kann. Jetzt lässt mich der Herr mit leeren Händen zurückkehren. Warum nennt ihr mich also noch Noomi? Der Herr hat sein Urteil gegen mich gesprochen; er, der Allmächtige, hat mir bitteres Leid zugefügt.« 22Als Noomi mit ihrer moabitischen Schwiegertochter Ruth nach Bethlehem kam, begann gerade die Gerstenernte. 
Rut 1, 20-22

Dienstag, 1. Oktober 2013

Bekloppte Zusammenhänge

Gerade ist mir ein Heft von einer Kinderwoche in die Hände gekommen. Eine Freikirche im benachbarten Ort hat während den Sommerferien für eine Woche ein Kinderprogramm auf die Beine gestellt. Der Bibeltext, der die Kinder durch die Woche begleitete und offenbar in einer Art Predigt vertieft wurden, stammt aus dem Buch Rut. Folgendes findet sich auf der Seite für den ersten Tag.

16Aber Rut antwortete: "Dränge mich nicht, dich zu verlassen. Ich kehre nicht um, ich lasse dich nicht allein. Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. 17Wo du stirbst, da will auch ich sterben; dort will ich begraben werden. Der Zorn des Herrn soll mich treffen, wenn ich nicht Wort halte: Nur der Tod kann mich von dir trennen!"
Rut 1, 16-17

Darunter steht die Frage an das Kind: "Was bedeutet das für mich?"