Freitag, 25. Oktober 2013

Glauben an einen Gott, den es nicht gibt (Klaas Hendrikse)

Im April habe ich von 'Glauben an einen Gott, den es nicht gibt' erstmals gehört. Mittlerweile habe ich das Buch gekauft und gelesen. Und ich bin etwas gespaltener Meinung, was das Urteil angeht. Allerdings - das ist das Schöne - muss ich ja nicht unbedingt urteilen.

Obschon die Kritiker das anders sehen, finde ich, Hendrikse spricht sowohl Atheisten als auch Christen an. Allerdings natürlich nur die Atheisten, die Lust haben, eine Art Verständnis für die Kirche und die Christen zu entwickeln. Nicht, dass Klaas Hendrikse versuchen würde, sie zu bekehren (er glaubt ja selber nicht, dass es Gott gibt, ist also Atheist), das Buch liefert eher Hintergrund-Infos zur Entstehung des christlichen Glaubens. Ein Stück weit darf man das ja ruhig auch als Allgemeinbildung ansehen, zumal Religion stellenweise auch mit anderen Bereich wie Kultur, Architektur und Geschichte verläuft.

Gleichzeitig versucht der Autor den (mehr oder weniger) Gläubigen sein Verständnis des Christentums zu erklären. Wie kam es dazu, dass von einem allmächtigen, allwissenden Gott die Rede ist? Er geht dabei auch der Frage auf den Grund, ob dem ganzen nicht schlicht ein Missverständnis zu Grund liegt.

Hendrikse verwirft aber nicht nur die von der Kirche vermittelten Gottesbilder, er erläutert auch, was er unter 'Gott' versteht. Denn: Hendrikse glaubt nicht, dass es Gott gibt. An Gott glaubt er hingegen sehr wohl. Dieser paradox klingende Satz macht dann Sinn (naja), wenn man die Definition von 'Gott' umkrempelt.

Gott ist für den pensionierten reformierten Pfarrer keine Persönlichkeit. Gott ist das, was zwischenmenschlich geschehen kann (oder auch nicht). Das, was man erlebt und an Erfahrung gewinnt. Das wirkt stellenweise etwas abstrakt, nicht zuletzt, weil halt für das Unbeschreibliche schlicht die Worte fehlen, es zu beschreiben.

In grossen Teilen gehe ich mit Hendrikse einig. Es gibt keinen Gott als Wesen, trotzdem kann man ihn vermeintlich erfahren. Nur ist das, was man erfährt, dann nicht der kirchliche Gott, sondern man nennt es einfach Gott.

Hendrikse verzichtet darauf, auf naturwissenschaftliche Art an die Thematik heran zu gehen. Die Erkenntnis, dass es keinen Gott gibt, ist für ihn dann auch kein Grund, deswegen die Kirche zu schliessen, nicht mehr zu beten (auch wenn er das anders nennen würde). Und das ist es, was etwas seltsam anmutet; die Kirche als Wohlfühl-Oase mit der Möglichkeit für spirituell-religiös-kulturellem Austausch? Ist das nicht etwas viel Aufwand? Braucht's dafür eine Institution wie die Kirche?

Keine Ahnung, da müsste man den Faden von Hendrikse vielleicht weiter spinnen.

Antworten liefert das Buch kaum. Wenn es nach Ex-Pfarrer Hendrikse geht, dann ist die Kirche auch eher Fragestellerin als Antwortgeberin, aber anregend ist der Inhalt durchaus. Wenn auch etwas theoretisch und stellenweise philosophisch.

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