Dienstag, 15. Oktober 2013

Gott befürwortet Sklavenhaltung. Oder?

Seit einigen Tagen komme ich mal wieder nicht voran mit meinem Projekt, die Bibel noch einmal von vorne bis hinten durch zu lesen. Nicht nur, weil ich das nicht als Vollbeschäftigung mache und somit die Zeit beschränkt ist. Viel mehr, weil mich ein Kapitel im Buch Exodus aufhält: Exodus 21.

In besagtem Kapitel ist die Rede vom Umgang mit Sklaven, Schadenersatz und schweren Verbrechen. Insbesondere der erste Teil, der sich doch etwas detailierter als biblisch üblich mit der Sklavenhaltung beschäftigt, wirft ein paar Fragen auf, die ich hier in Worte zu fassen versuche.

Die Rolle der Kirche
Wenn wir in "Gottes Wort" in einer solchen Selbstverständlichkeit von Sklaverei reden, dann erklärt das möglicherweise, warum ausgerechnet die Kirche, die Nächstenliebe und so predigt, zu den letzten Institutionen gehörte, die der Sklavenhaltung abschwor. Immerhin scheint es gottgegeben, dass eine Herrscherklasse minderwertige Völker und Rassen versklavt und zur eigenen Komfortsteigerung verwendet.

Heute würde kein zivilisierter und aufgeklärter Mensch mehr dafür stimmen, die Sklaverei wieder einzuführen. Es würde allgemein als riesiger Rückschritt betrachtet werden. Traurig genug, dass ausgerechnet die Kirche diesbezüglich Nachzügler ist. Wäre die Kirche als Siegerin aus der Zeit der Aufklärung gegangen, würden heute Sklaven für uns arbeiten. Oder wir als Sklaven für die Herrscher.

Die Rolle der Frau
Die Frau wird in diesem Text erwähnt als ein Etwas, das vom Herr dem Sklaven sozusagen als Leihgabe gegeben werden kann (Vers 4), aber trotzdem im Eigentum des Herrn bleibt und bei einer Freilassung des Sklaven auch zurück behalten werden kann. Ich stelle mir gerade vor, wie der Sklavenherrn zu einer Frau - ob das eine Sklavin sein soll oder auch eine Tochter sein kann? - sagt: "Geh mal zum Sklaven Ferdinand, der hat sich eine Belohnung verdient. Mach, was er von dir wünscht. Los jetzt!"

Vielleicht ist das nicht gerade unbedingt ein Beweis dafür, dass Frauen weniger Wert sind. Aber ein Indiz dafür meine ich darin schon zu erkennen.

Was soll das eigentlich, dieses Kapitel?
Das Kapitel geht noch weiter, über die Regeln zum Umgang mit Sklaven hinaus. Da gehe ich jetzt mal nicht weiter drauf ein. Was ich sagen möchte, lässt sich auch schon mit dem Abschnitt über Sklaven vermitteln.

Es würde mich sehr erstaunen, wenn jemand widersprechen würde, dass dieser Text eine Art Leitlinie für das Volk Israel in der damaligen Zeit war. Dieser Text kann nicht auf heute angewandt werden, allein schon deshalb weil wir in den meisten Ländern keine Sklaverei mehr haben. Und weil wir da auch nicht mehr zurück wollen.

Warum aber, um Himmels Willen, sollte Gott dann in seiner allwissenden Grösse, Güte und Liebe ein Kapitel in sein Wort (sprich die Bibel) packen, das
  1. nur in einem begrenzten Zeitfenster der Weltgeschichte Relevanz hat?
  2. die Unterdrückung von menschlichen Geschöpfen gut heisst?
Und wenn beschissene Texte wie dieser heute nicht mehr gelten und meinetwegen symbolisch zu sehen sind, warum gilt dies dann nicht einfach für jedes Buch, jedes Kapitel, jeden Vers, jedes Wort dieser mythischen Geschichtensammlung, genannt Bibel? Warum?





Kommentare:

  1. Und wenn beschissene Texte wie dieser heute nicht mehr gelten und meinetwegen symbolisch zu sehen sind, warum gilt dies dann nicht einfach für jedes Buch, jedes Kapitel, jeden Vers, jedes Wort dieser mythischen Geschichtensammlung, genannt Bibel? Warum?
    das gilt schon für alle bücher, kapitel und verse, doch. es ist nur eine gruppierung von individuen (sprich christen), die das anders sehen.

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  2. @jerri: Nur? Das ist doch eine ziemlich grosse Gruppierung von Individuen, würd' ich sagen. Leider.

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