Montag, 18. November 2013

Bastelanleitung

22Der Herr sprach zu Mose: »Sag den Israeliten: Ihr habt selbst gesehen, wie ich vom Himmel her zu euch geredet habe. 23Macht euch keine Götterfiguren aus Silber oder Gold, die ihr außer mir noch anbetet! 24Errichtet für mich einen Altar aus Erde, und bringt auf ihm Schafe, Ziegen oder Rinder als Brand- und Dankopfer dar! Ich werde euch zeigen, wo ihr mir zu Ehren opfern sollt. Dann will ich zu euch kommen und euch segnen. 25Wenn ihr mir einen Altar aus Steinen errichtet, so verwendet dazu nur unbehauene Feldsteine. Denn ihr würdet den Altar entweihen, sobald ihr ihn mit dem Meißel bearbeitet. 26Baut den Altar ohne Stufen, damit man euch nicht unter das Gewand sehen kann, wenn ihr hinaufsteigt!«
2. Mose 20, 22-26


Hat Gott eine Neurose? Sehen wir in der Figur, die allmächtig ist und die Welt erschaffen hat und derjenigen, die Bastelanleitungen für Altare rausgibt und darauf Tiere (aus seiner Schöpfung) verbrannt haben will, tatsächlich die gleichen Personen? Ist so ein über allem stehendes Wesen? Passt das?

Süss der heisse Tipp, dass man besser keine Stufen bauen soll. Offenbar waren die Israeliten ähnlich wie die Schotten ohne Unterhosen unterwegs.

Ich persönlich glaube, dass es in der Zeit Moses üblich  und weit verbreitet war, dass man seinen Göttern Opfer brachte. So ist das ja auch aus verschiedenen Religionen und Kulten übermittelt. Wenn der Opfergedanke tief in der Kultur verankert ist, wird es natürlich für eine neu gegründete Religion schwierig, vollkommen davon weg zu kommen. Das war damals vermutlich so selbstverständlich, dass Moses noch nicht einmal auf die Idee gekommen ist, dass sein neuer monotheistischer Gott möglicherweise auch ohne Opfer auskommen könnte.

Ich wüsste gerne, wie viele Tiere (sind ja laut Bibel auch Geschöpfe Gottes) völlig sinnlos sterben mussten, weil Gott Dank- und Sünd- und Buss- und Versöhnungs- und weiss-ich-was-für-Opfer haben wollte. Ist ja nicht so, dass dann einfach das ganze Volk einmal jährlich ein Schaf killte und verbrannte. Das geschah ja wegen jedem Scheiss, den die Israeliten verbockt hatten und sühnen mussten. Da muss das Blut in Strömen geflossen sein.

Auch die ganzen Instruktionen (z.T. bis in die Details), wie ein Altar auszusehen hatte oder ein Opfer zubereitet werden musste, find' ich äusserst wenig göttlich, sondern viel mehr menschlich. Immer gleiches Vorgehen ist wichtig, es muss sowas wie ein Ritual entstehen. Erst dann verankern sich Tätigkeiten und werden kultig. Und für ein Volk, das ohne Sitz in der Wüste umherzog, war es äusserst wichtig, Kulte zu haben. Das war sowas wie der gemeinsame Nenner, den man hatte, für den es sich zu kämpfen und notfalls zu sterben lohnte.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen