Sonntag, 10. November 2013

Rock im Rückwärtsgang

Es ist 25 Jahre her. Eine lange Zeit. Deshalb kann ich das auch nicht mehr ganz sicher sagen. Aber ich glaube, dass das Buch "Rock im Rückwärtsgang" von Michael Buschmann so was wie der Anfang meiner Skeptiker-Karriere markierte.

Das in einem christlichen Verlang erschienene Buch vermittelt dem Leser, wie gefährlich versteckte Rückwärtsbotschaften in der Musik sind. Sie beeinflussen unbewusst und das fast ausschliesslich im negativen Sinne. Der Autor verpackt die vermeintlichen Fakten in einen Roman, was die Sache für mich als damals Halbwüchsigen spannender machte.

Um es kurz zu machen: Bis auf die wenigen von Buschmann genannten Beispiele, die offensichtlich willentlich in die Musik gemischt wurden, ist wohl kein einziges aufgeführtes Beispiel wahr. Alles erfunden. Erst recht die Behauptung, dass wir dadurch in irgendeiner Form beeinflusst werden können. Schon gar nicht unbewusst.

Doch das wusste ich damals natürlich nicht. Das wäre mir auch gar nie in den Sinn gekommen. Schliesslich ist es ein christlicher Autor, der ein christliches Buch schreibt, das in einem christlichen Verlag erscheint und im christlichen Buchhandel erhältlich ist. Dass das Lug und Trug verbreitet würde, war für mich damals gar keine Option.

Doch dann wurde ich eben skeptisch. Weil ich einige der im Buch erwähnten Liedausschnitte auf Kassette kopierte (sowas gab's damals halt noch) und auf meinem Mixer-Deck rückwärts laufen lies. Nicht eine einzige Stelle konnte ich so nachvollziehen. Ich hatte zwar nicht alle Songs überprüfen können, denn einige stammten von den ganz "bösen Bands", deren Kauf konnte mein Gewissen nicht verantworten. Aber der Eindruck genügte wohl. Irgendwas ist da faul.

Möglicherweise verdanke ich also diesem bescheuerten Buch und dem Schwindler Michael Buschmann die Tatsache, dass ich zum Skeptiker und schliesslich "Ungläubigen" wurde. So stellt sich 25 Jahre nach einem Flop heraus, dass er eigentlich gar nicht so schlecht war. Die Wege des Herrn sind halt unergründlich.

Oder so. Ha ha.

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