Samstag, 30. November 2013

Sektenführer Carl Snider

Carl Snider war seit Kindheit eigentlich ein Einzelgänger. Und ein Wichtigtuer. Und er hatte einen zwanghaften Drang nach Gerechtigkeit. In seinen Jugendjahren schlug er einen Polizisten krankenhausreif, weil dieser auf einen Schwarzen einprügelte. Jahrelang war er deswegen auf der Flucht.

Später wurde er ruhiger. Und charismatischer. Die Sache mit dem verprügelten Polizisten war längst verjährt, als Snider wieder auf der Bildfläche erschien. Um ihn scharte sich eine kleine Gruppe Freunde und Anhänger. Carl Snider wurde immer religiöser und fanatischer.

Man erzählt, dass er manchmal tagelang im Wald oder im Gebirge verschwand und mit irgendwelchen Ideen zurück kam, die ihm Gott mitgeteilt haben soll. Von der Gruppe seiner Anhänger mit Begeisterung aufgenommen, haben Kritiker das Treiben eher skeptisch betrachtet.

Der Ablauf war stets ähnlich. Snider verschwand für mehrere Tage, manchmal auch länger, und kehrte danach mit Aussagen zurück, die er von Gott erhalten haben will. Er erzählte dann seinen Anhängern, was er "von Gott" vernommen hat und liess alles fein säuberlich aufschreiben.

Dann kam das Reinigungsritual. Hierfür liess Snider jeweils ein paar Hühner köpfen und das Blut in eine Schale tropfen. Damit besprengte er dann seine Anhänger und schwafelte etwas von Bund mit Gott und dass dieses Blut das Siegel dafür wäre.
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Langer Rede kurzer Sinn: Heute würde man so einen natürlich als Irren abtun und nach Möglichkeit wegsperren. Und wenn's nur wegen Tierquälerei oder -schändung wäre. Ersetzt man "Carl Snider" jedoch durch "Moses", ist das natürlich was ganz anderes.

Frei nach 2. Mose 24



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