Sonntag, 5. Januar 2014

Der wahre Charakter Gottes

Archäologische Funde, die aus der Zeit von Mose (ob es den nun gab oder nicht) stammen könnten, deuten darauf hin, dass damals in dieser Region vor allem polytheistische Überzeugungen herrschten und es üblich war, dass man ein "Bild" seines Gottes hat. Das waren meist kleine, handliche Figuren, konnten aber auch grosse Statuen oder... goldene Kälber sein.

Dass die Israeliten um Aaron schon nach kurzer Abwesenheit Moses (der war grad bei Gott auf dem Berg) zu ihrem Figurendenken zurück kehren und ein goldenes Kalb bauten, deutet darauf hin, dass das Verbot, sich ein Bildnis zu machen, relativ neu und bis dato unüblich war. In Zeiten der Zweifel, der Not oder der Ungewissheit fällt man gerne in altbekannte Denkmuster zurück.

Die Frage sei erlaubt, wie das Gott denn vor Moses so hatte mit den Menschen. Waren da Bilder von ihm erlaubt? Beteten die gottesfürchtigen Menschen vor Moses, zum Beispiel Noah, noch zu Goldfiguren oder aus Stein gehauenen Statuen? Die 10 Gebote kannten diese Menschen so ja noch nicht. Galten die dann auch nicht? Woran soll Noah gemessen worden sein, wenn das Einhalten der Gebote kein Massstab gewesen sein konnte? Fragen über Fragen.

Doch dieser Abschnitt sagt uns etwas viel spannenderes aus. Etwas über Gott. Und da muss ich die allenfalls hier mitlesenden Christen sicherheitshalber fragen: Wir sprechen beim Gott von Moses vom gleichen Gott, wie er auch heute ist. Wie's so schön heisst, der gleiche gestern, heute und in Ewigkeit. Oder so. Der gütige, geduldige, hilfsbereite und liebende Vater im Himmel. Der, der alle Menschen gerettet sehen will und so, ja?

Ich musste das fragen, bevor ich diesen Vers nochmals lese. Es ist dies die Reaktion Gottes darauf, dass er vernimmt, wie sich Aaron und das Volk Israel während Moses Abwesenheit das berühmte goldene Kalb herstellten und anbeteten.

10Versuch mich jetzt nicht aufzuhalten, denn ich will meinem Zorn freien Lauf lassen und sie vernichten! An ihrer Stelle werde ich deine Nachkommen zu einem großen Volk machen.«
2. Mose 32, 10

Entschuldigt meine zynische Schreibweise. Aber erst das Volk mit riesigem Tam-Tam und einem halben Dutzend Plagen aus Ägypten holen, um es dann, wie Mose richtig argumentiert, bei erstbester Gelegenheit aus Trotz doch noch zu eliminieren. Hach, wie liebenswürdig.

Ich weiss nicht, wie's euch geht und was für Abwehrmechanismen ihr für solche zweifelsweckende Verse entwickelt habt. Aber mich erinnert das hier mehr an den Gottescharakter, der bei der Sintflut durchschimmerte als der eines liebenden Hirten, der das Beste für seine Schäfchen will. Ein Gott, der komplett frei von Allwissenheit ist, surreal eifersüchtig ist und in seinem Jähzorn schon mal blutrünstig werden kann.

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