Dienstag, 18. März 2014

Ich gelobe nach jemandes Schätzung Seelen. Hä?

In meinen kirchlich aktiven Jugendjahren gab es manchmal Diskussionen (aus denen ich mich stets raushielt), welche deutsche Bibelübersetzung denn besser oder schlechter wäre. Im Gegensatz zu mir waren die Hardcore-Christen stets der Meinung, derjenige Text sei am besten, der am nächsten am Urtext sei. Ich hingegen fand schon immer, dass der Text am besten ist, den man am einfachsten versteht. Denn warum soll Gottes Wort so kompliziert sein, dass man selbst beim Lesen des deutschen Satzes minutenlang überlegen muss, was das jetzt genau heisst. Deshalb war ich auch, im Gegensatz zu vielen Kollegen, begeistert, dass mit der 'Hoffnung für Alle' ein lesbarer Text verfügbar wurde. Aber wie gesagt, ich hielt mich aus den Streitgesprächen raus.

Doch heute kommen mir die damaligen Diskussionen wieder in den Sinn, während ich mir Gedanken mache, über einen Vers, dessen Sinn bzw. Bedeutung ich nicht verstehe. Vielleicht kann mir da jemand helfen? Ich mein' das jetzt ernst.

Im 3. Mose 27 heisst es in Vers 2:

Wenn jemand mir einen anderen Menschen mit einem Gelübde geweiht hat, kann er ihn mit einer bestimmten Summe wieder loskaufen.

(Hoffnung für Alle HFA)

Ich meine zu wissen (ungefähr), was Weihe bedeutet; ein Priester, der geweiht wird, soll danach nur noch Gott zur Verfügung stehen. So ungefähr sagt es auch Wikipedia: 

Jemand oder etwas wird dem weltlichen „Gebrauch“ entzogen und in den alleinigen Dienst Gottes gestellt. 

Ich gehe davon aus, dass sowas freiwillig bzw. nach dem Willen es Geweihten, nicht desjenigen, der weiht, geschieht. Warum aber soll derjenige, der jemanden geweiht hat, selbigen später wieder zurück kaufen wollen? Das klingt ja, als ob ich über jemanden verfügen könnte; erst weihe ich ihn, dann kaufe ich ihn wieder zurück. Seltsam, nicht?

Vielleicht hilft eine andere, dem Urtext nähere Übersetzung, denke ich mir in Erinnerung an eingangs erwähnte Erlebnisse. Also lese ich gleiche Stelle in der Luther-Übersetzung, der Schlachterbibel und der Version von Elberfelder. 

Wenn jemand ein besonderes Gelübde tut, also daß du seinen Leib schätzen mußt, (danach folgt die Angabe der Kosten)
Luther 1912 


Wenn jemand dem HERRN ein besonderes Gelübde tut, wenn er nach deiner Schätzung Seelen gelobt, (danach folgt die Angabe der Kosten)
Schlachter 1951


Wenn jemand ein Gelübde erfüllt, so sollen die Seelen nach deiner Schätzung für Jehova sein.
Elberfelder 1905


Die Verwirrung wird grösser und grösser. Die Schlachter-Version verstehe ich beim besten Willen nicht. Was tue ich, wenn ich nach jemandes Schätzung Seelen gelobe? Möglich, dass man in der deutschen Sprache mal so geredet hat, aber sicher nicht 1951. Wird wohl ein Zahlendreher sein und eigentlich 1591 heissen. 

Aber auch die Elberfelder- und Luther-Versionen helfen mir beim Verständnis nicht weiter. Und vor allem frage ich mich ernsthaft, wie die Autoren der Hoffnung für Alle auf ihre Version gekommen sind. Ich kann das da beim besten Willen bei keinem der dreien rauslesen, ihr schon?

Glücklicherweise steht da einleitend "Rede zu den Kindern Israel und sprich zu ihnen:", also ist das an das auserwählte Volk gerichtet und braucht uns nicht zu interessieren. Wie so vieles im Alten Testament und insbesondere in den ersten fünf Büchern. 

Kommentare:

  1. hahah,dat is ja ma ein brüller. in der tat gaga. null idee,wat die meinen.

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  2. Die HFA-Version verstehe ich so: Man ist ein Vater und hat 20 Kinder, und gelobt, dass man 4 davon zu Priestern macht.

    Jetzt wachsen sie auf, und es zeigt sich, dass nur 2 zu Priestern werden. Dann muss der Fromme, weil seine bornierte Weihe nicht verfing, die 2 Versager auslösen, etwa durch Auf-Knien-nach-Altötting-pilgern" und 2 Kerzen der Jnngfrau widmen.

    Zu den anderen Versen passt das aber so schlecht, dass große Zweifel bleiben.

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  3. @Stefan W.
    Danke für deinen Kommentar. Ja, die Version aus der HfA wird wohl so zu verstehen sein. Offenbar war es üblich, dass Väter über ihre Kinder verfügten. Später hat man dann wohl festgestellt, dass die Kinder doch auch ein bisschen selber bestimmen können sollten und deshalb die Ausstiegs-Option aus dem Gelübde geschaffen.

    Betreffend der anderen Verse: Es scheint fast so, als hätten die HFA-Autoren das auch nicht so recht verstanden und sich überlegt, was es vielleicht am ehesten bedeuten könnte. :-)

    Naja, warten wir ab, vielleicht kommt hier mal eine oder einer vorbei, die/der das wirklich erklären kann.

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