Mittwoch, 19. März 2014

Wer ist eigentlich wie viel Wert?

Vor lauter Übersetzungsdurcheinander habe ich das, was ich eigentlich notieren wollte, vergessen: Es ging gestern also ums Auskaufen aus dem geweihten Zustand. Darüber, dass es seltsam ist, dass Drittpersonen jemanden weihen und wieder zurückkaufen können, will ich nicht weiter nachdenken. Es steht so da, also ist es so. Oder auch nicht.

Obschon man gerade bei Gott eigentlich vermuten könnte, dass ihm materielle Werte nicht so wichtig sind, geht es primär um Geld. Gott braucht aber kein Geld. Somit gehen auf diese Weise erwirtschaftete Finanzen in den Säckel des Priesters. Die müssen ja schliesslich auch leben. Ein Schelm, wer dem Schreiber des 3. Buch Moses unterstellt, dass er sich diese Sache ausdachte, um zusätzliche Einkommensquellen zu erschliessen.

Wenn man sich dann die Werte anschaut, die Gott hier Moses angegeben haben soll, breitet sich Enttäuschung aus. Enttäuschung darüber, dass vor Gott nicht jeder gleich viel Wert ist. Die Frau ist 40% weniger Wert. Und das nicht in irgendeinem übertragenen-symbolischen Sinne, sondern in harter Währung. Der Auskauf eines Mannes kostet 50, der einer Frau 30 Silberlinge. Je nach Alter gibt es noch Abweichungen, aber im Wesentlichen entspricht das den Angaben aus 3. Mose 27.

Noch günstiger wird es, geweihte Kinder wieder auszukaufen. Geweihte Kinder? Wie muss ich mir das vorstellen, wenn ein Vater sein Kind Gott weiht? Wenn Weihe in dem Sinne, wie auf Wikipedia erklärt, zu verstehen ist, dann würde das heissen, dass ein Vater sein Kind Gott bzw. dem Priester "zur Verfügung" stellte. Und da 3. Mose 27 den Wert für Kinder von einem Monat bis fünf Jahren erwähnt, muss davon ausgegangen werden, dass es auch geweihte Kinder dieses Alters gab.

Ein Kleinkind zwischen einem Monat und 5 Jahren kann mit 5 Silberstücken losgekauft werden, wenn es ein Junge ist; für ein kleines Mädchen sind 3 Silberstücke zu bezahlen.
3. Mose 27, 6


Ich bin mir nicht sicher, wie die Öffentlichkeit heute darauf reagieren würde, wenn jemand erklärte, er hätte sein Kleinkind soeben Gott geweiht und könne es nur gegen Bares wieder auskaufen. Vermutlich würde sich die Justiz einschalten.

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