Mittwoch, 9. April 2014

Vetternwirtschaft

Irgendwie beruhigend, dass das Volk schon zu Zeiten des Alten Testaments über den Tisch gezogen und Opfer von politischen oder religiösen Seilschaften wurde. Der Mose war darin ziemlich gut. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass er es relativ einfach hatte, solange er mit seinem Bruder Aaron die einzigen waren, die Gott sehen und mit ihm reden durften. Die konnten natürlich viel erzählen, das Volk musste es ja einfach glauben. Aber vermutlich wollten die auch gar nicht anders.

Jedenfalls sorgt Moses im 3. Kapitel des Buches Numeri (4. Mose) kurzerhand dafür, dass der gesamte Stamm Levi mit immerhin 22'000 Leuten ab sofort voll zur Verfügung von Aaron steht. Aaron wird also de facto mal eben Chef über die Bevölkerung einer kleineren Stadt. Einfach so. "Weil du mein Bruder bist" hat Moses seinen Entscheid vielleicht familienintern begründet.

Jede Sippe aus dem Stamm Levi bekam ganz klar definierte Aufgaben rund ums Heiligtum, durfte selber aber keinen Priester stellen, das blieb Aarons Familie vorbehalten. Naja, Insiderwissen sollte besser in der Familie bleiben. Und die klaren Strukturen und Aufgabenverteilungen sollen wohl den Gemeinschaftsgeist fördern. Jeder hat seinen Platz, seine Aufgabe und trägt zum gesamten Gelingen bei. Ein wichtiger Aspekt, besonders in diesen Anfangsstunden der monotheistischen Religion, aus der später das Judentum werden soll. Und noch später irgendwie das Christentum.

Laut Moses sieht Gott in den Leviten sozusagen einen Ersatz für das bisher geltende Gesetz, wonach jeder Erstgeborene (Mensch und Tier) Gott gehörte. Weil aber aktuell grad mehr Erstgeborene denn Leviten im Volk Israel waren, musste die Differenz natürlich freigekauft werden. Gott braucht schliesslich die Kohle. Gott? Nein, der Erlös (immerhin 16 Kilogramm Silber) war... für Aaron bestimmt. "Weil du mein Bruder bist."

Ja, der Moses schaute schon für seinen Bruder, da kann man ihm keinen Vorwurf machen.

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