Freitag, 30. Mai 2014

Zaubertrank aus Gottes Küche

Man nehme eine Kuh. Rotbraun muss sie sein, und jung. Und natürlich gesund. Diese schlachte man und verbrenne sie komplett, also mit Fell, Fleisch, Fett und Knochen. Ins Feuer werfe man noch rote Wolle, Ysop und Zedernholz. Bis von allem nur noch die Asche übrig ist.

Diese Asche wird aufbewahrt. Denn damit lässt sich Reinigungswasser herstellen, das unreine Menschen rein machen kann. Indem man die Asche mit Wasser vermischt, einen Bündel Ysop eintaucht und den Unreinen damit besprüht. Einmal am dritten und einmal am siebten Tag nach der Verunreinigung.

So steht's in 4. Mose 19. Klingt wie ein Rezept für einen Hexentrank. Geradezu lächerlich, dass die Hexenverfolgung auf das Konto der Kirche geht.

Ach übrigens: Wer sich dem obigen Ritual nicht unterziehen wollte, wurde bestraft. So wollte es Gott. Und wenn sie von Gott kommt, kann es eigentlich nur eine Strafe sein. Richtig, der Tod.


Sonntag, 25. Mai 2014

Weihrauch-Junkie

Heute geht's mal wieder um eine Standard-Situation (4. Mose 17): Volk Israel murrt, Gott wütend, Moses beschwichtigt, Gott will töten, Mose fleht, Gott vergibt. So weit, so gut. Im Detail erstaunen mich aber zwei Punkte.
  1. Klar, das Volk lehnt sich zum wiederholten Male gegen Moses (und damit Gott) auf, so was würde mich auch nerven. Aber wenn es um Loyalität geht, scheint Gott digital zu denken: 0 oder 1, Auflehnung oder Treue, Tod oder Leben.

    Geht weg von diesen Leuten! Ich werde sie auf einen Schlag vernichten!«
    4. Mose 17, 10


    Mal im Ernst, darf man so einen Gott als liebend, gnädig, geduldig und gütig bezeichnen? Ist das nicht eher ein rachsüchtiger, mordlüsterner und blutrünstiger Terminator-Typ?
  2. Gott hat schon mit der Eliminierung der Leute begonnen, als Aaron auf Geheiss von Moses mit einem Weihrachpfännchen in die Menge stürmt und damit, so sagen es die Verse 12 und 13, das Verderben aufhält und die Menge wieder mit Gott versöhnt. Zu diesem Zeitpunkt hat, so die biblische Überlieferung, der Allmächtige bereits 14'700 Menschen umgebracht. Das geht zügig.

    Aaron verbrannte den Weihrauch und versöhnte durch dieses Opfer das Volk mit Gott. 13So konnte er das Verderben aufhalten.
    4. Mose 17, 12b+13a


    Mal im Ernst (mir fällt grad keine andere Formulierung ein, man entschuldige meine bescheidene Vielfalt bei der Wortwahl), ist sowas glaubwürdig? Der allmächtige Gott hat beschlossen, wegen fehlender Loyalität Israeliten umzubringen. Und er hat bereits damit begonnen. Und dann lässt er sich von einem nach Weihrauch duftenden Pfännchen in den Händen eines alten Mannes aufhalten? Ist es das wirklich? 
Hier genügt ein bisschen Glut vom Altar und Weihrauch, und schon ist die Meute gerettet. Aber der arme Kerl, der am Sabbat Holz suchte...

Dienstag, 20. Mai 2014

Fehler. Strafe? Tod!

Würde ein Gott, wie ihn die Bibel beschreibt, existieren, ist es einigermassen verständlich, wenn er Regeln erlassen würde, wie die Menschen zusammen leben sollen. Es würde zwar überraschen, aber es ist auch noch irgendwie vorstellbar, dass er sich sehr darüber ärgert, wenn eben diese Vorschriften nicht eingehalten würden. Wenn er dafür Zeit hat, bitte schön.

Damit wäre einigermassen einleuchtend, dass er sich für das Verstossen gegen seine Gesetze auch Strafen ausdenkt, meinetwegen auch sehr harte Strafen wie den Tod. Und so ist es denn auch gewesen, zumindest wenn man 4. Mose 15 als Tatsachenbericht akzeptiert.

Wirklich überraschend (um es mal beschönigend zu sagen) ist allerdings, dass Gott nicht etwa gross unterscheidet, ob jetzt einer jemanden umgebracht hat oder irgend etwas harmloseres Verbotenes, sagen wir mal am Sabbat Holz sammeln, getan hat. Verstoss ist Verstoss. Und wer verstosst gegen die Gebote des Herrn ist des Todes.

32Während des Zuges durch die Wüste wurde einmal ein Israelit dabei gesehen, wie er am Sabbat Holz sammelte. 33-34Man brachte ihn zu Mose und Aaron, und vor dem ganzen Volk wurde beraten, was mit ihm geschehen sollte. Da niemand genau wusste, welche Strafe er verdiente, wurde er zunächst eingesperrt. 35Dann sprach der Herr zu Mose: »Dieser Mann muss sterben! Das ganze Volk soll ihn draußen vor dem Lager steinigen.« 36Da führten die Israeliten ihn aus dem Lager und steinigten ihn, wie der Herr es durch Mose angeordnet hatte.
4. Mose 15, 32ff


Und was fällt dem aufmerksamen (und auch dem weniger aufmerksamen) Leser auf? Die Strafe wird Mose von Gott übermittelt (hüstel hüstel), zum Ausführen ist sich Gott dann aber entweder zu schade oder es mangelt ihm an, sagen wir mal der nötigen Fähigkeit, seine fiktive Aura abzulegen und das Leben des schwerstkriminellen Holzsammlers selbst auszuknipsen.

Samstag, 17. Mai 2014

Memo an mich: Nicht in die Emirate reisen!

In ein Land, bei dem in Verruf gerate, wenn ich Einheimischen freundlich die Hand entgegenstrecke oder im Gefängnis landen kann, wenn ich versehentlich ein anderes Buch auf einen Koran lege, habe ich nichts verloren. Ich trage zwar keine Kreuze oder andere religiöse Zeichen als Schmuck, aber wer weiss schon, ob die Religionspolizei der VAE in meinem dreifarbigen T-Shirt nicht einen verdeckten Hinweis auf die christliche Dreieinigkeit sieht und mich trotzdem der Ketzerei verdächtigt?

Ich bin auch nicht homosexuell und erfülle damit wenigstens einen Straftatbestand der Emirate nicht. Aber ich bin Atheist und denen wird, wenn man sich dazu bekennt, unter Umständen sowieso die Einreise verweigert.

Kurz gesagt: Ein Land, das der Religion nicht nur sehr viel Spielraum, sondern vor allem so viel Macht eingesteht, möchte ich lieber nicht bereisen. Klar, im deutschsprachigen Raum war das im Mittelalter nicht viel anders. Von daher besteht ja noch Hoffnung. Kommt Zeit, kommt Rat Aufklärung.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Seltsames Kapitel...

Es ist kein Geheimnis, dass ich die Bibel von vorne bis hinten, von Genesis bis Offenbarung, durchlese. Und es ist ebenso klar, dass ich hier in diesem Blog mehr oder weniger Kapitel für Kapitel behandle. Heute bin ich an einem angelangt, das man sich besser geschenkt hätte: 4. Mose 10

Da befiehlt angeblich Gott Moses zwei Trompeten zu bauen mit denen je nach Tonlänge und -folge verschiedene Befehle an das Volk Israel gegeben werden konnte: Aufbruch, Versammlung, etc. Sowas machte in der Situation, in der Moses mit der Million Leute mitten in der Wüste war, sicherlich Sinn. Nur: Warum kommt er nicht selbst auf diese Idee? Warum kümmert sich Gott um solche Banalitäten?

9Das kurze Signal sollt ihr auch dann geben, wenn ihr gegen Feinde in den Kampf zieht, die euer Land angreifen. Ich, der Herr, euer Gott, werde es hören und euch vor ihnen retten. 

Heute hört Gott jederzeit alle Gebete, egal wo sie gesprochen werden. Damals, in den Anfängen, war das noch etwas komplizierter. Da musste offenbar erst mittels Trompetenstössen die Aufmerksamkeit Gottes erlangt werden. Naja, er könnte ja grad ein Nickerchen machen während sein auserwähltes Volk in eine entscheidende Schlacht zieht.

Im Kapitel wird dann weiter beschrieben, wie die Israeliten erstmals in der gottgegebenen Reihenfolge aufbrechen und weiter ziehen. Eher langweilig, wenn man nicht gerade AT-Fanatiker oder eine Doktorarbeit über die Rollen der israelitischen Stämme schreibt.

Ab Vers 29 lesen wir dann von Moses Schwiegervater, der nicht mit ihm ziehen und stattdessen wieder in seine Heimat will. Moses versucht ihn jedoch zu überreden und flehnt ihn richtiggehend an (Vers 31):

Da bat ihn Mose: »Lass uns bitte nicht im Stich! Du weißt, wo man in der Wüste lagern kann. Wir brauchen dich, um uns zurechtzufinden!

So ganz wollte sich offenbar auch Moses nicht auf die Wolke oder Feuersäule bzw. auf Gott verlassen. Irgendwie wäre ihm doch wohler, wenn noch einer dabei ist, der sich wirklich auskennt. Weil Moses (vielleicht als einziger) wusste, dass sein Gott nur eine Idee ist, braucht er natürlich durchaus irdische Unterstützung für sein Unterfangen. Von daher verständlich.





Samstag, 10. Mai 2014

Ziemlich bester Schurke (Josef Müller)

Das Buch trägt den Titel "Ziemlich bester Schurke. Wie ich immer reicher wurde" und stammt von einem ehemaligen Betrüger, der seine Kunden um Millionen geprellt hat. Dafür sass Josef Müller fünf Jahre in Haft. In dieser Zeit hat er, so schreibt er in seinem Buch, durch das Lesen der Bibel zu Gott gefunden.

Natürlich eine wundersame Geschichte für jeden christlichen Verlag. Böser Kerl, der zu Münchens Schickeria gehört und jeden erdenklichen Luxus hat, findet zu Gott und steht nun als Promi-Christ für Bücher und Vorträge zur Verfügung. Da lässt sich ein Verlag wie der christliche Brunnen-Verlag nicht zweimal bitten.

Im Buch wird schnell klar, worüber Josef Müller am liebsten schreibt: Die Zeit, als er in Saus und Braus lebte, ihm sozusagen alles gelang und er sich schnelle Autos, heisse Mädchen und schönste Häuser leisten konnte. Zahlreiche Fotos unterstreichen sein Luxus-Leben und man meint, den Stolz des Autors geradezu zu spüren, wenn man die Fotos betrachtet, auf denen er sich mit verschiedenen weiblichen Schönheiten zeigt oder seine ehemalige Fahrzeugflotte präsentiert.

Dienstag, 6. Mai 2014

Kirchenaustrittsschreiben

Als ich vor unzähligen Jahren aus der reformierten Kirche austrat (ich tat das damals, weil ich in eine Freikirche ging), reichte ein einfaches Schreiben. Manchmal hört man Schauergeschichten, dass man später trotzdem wieder Steuern zahlen sollte und erst beweisen müsse, dass der Austritt korrekt und gültig war. So was habe ich nicht erlebt.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, lässt sich sein Kirchenaustrittsschreiben durch den entsprechenden Generator auf atheismus.ch erstellen. Das gilt natürlich nur für Schweizer, die dem christlichen Glauben den Rücken kehren oder zumindest aus den Staatskirchen austreten wollen.

Der Betreiber von atheismus.ch möchte für das Schreiben gerne eine Spende von 20 Franken. Er verspricht, dass sich daran niemand eine goldene Nase verdient sondern das Geld in die Weiterführung von atheismus.ch fliesst.

>> Kirchenaustrittssbriefgenerator

PS: Wäre schön, wenn er (oder sie?) sich mit der Kohle mal ein ordentliches Design der Webseite leisten könnte. ;-)

Freitag, 2. Mai 2014

Wehe dir, wenn du nicht feierst!

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Irrtum! Man hat sie gefälligst so zu feiern, wie sie von Moses Gott angeordnet werden. So steht es geschrieben. Und nicht nur dass Gott da ziemlich klare Vorstellungen darüber hat, wann welches Fest auf welche Weise gefeiert werden soll. Er beseitigt auch gleich alle Unklarheiten darüber, wie wichtig ihm die irdischen Feste sind.

13Aber wenn jemand das Fest im 1. Monat nicht feiert, obwohl er rein ist und sich auch nicht auf Reisen befindet, soll er getötet werden. Er hat mir, dem Herrn, sein Opfer nicht zur festgelegten Zeit dargebracht und muss die Folgen dieser Sünde tragen.
4. Mose 9, 13


Wenn ich davon ausgehe, dass Moses sozusagen der Gründer einer neuen (monotheistischen) Religion war und  dafür sorgen musste, dass um jeden Preis eine verschworene Gemeinschaft entstand, die durch den Glauben an den eigenen Gott so was wie ein "Wir sind unbesiegbar"-Gefühl entwickeln musste, dann machen solche Anordnungen meiner Meinung nach Sinn.

Sonst nicht. Niemals.

Wenn ich mir eine Figur vorstellen muss, die sich dermassen darüber aufregt, dass jemand ein Fest nicht feiert, dass derselbe gleich sterben muss, bleibt mir nur ein Adjektiv: lächerlich.

Ausserdem deutet die Formulierung "soll er getötet werden" darauf hin, dass die Aufgabe des Tötens den Israeliten übergeben wird. Ich finde, wenn Gott jemanden sterben lassen will, dann soll er das gefälligst selbst erledigen. Kann ja nicht so schwer sein für ihn, oder etwa doch?