Sonntag, 25. Mai 2014

Weihrauch-Junkie

Heute geht's mal wieder um eine Standard-Situation (4. Mose 17): Volk Israel murrt, Gott wütend, Moses beschwichtigt, Gott will töten, Mose fleht, Gott vergibt. So weit, so gut. Im Detail erstaunen mich aber zwei Punkte.
  1. Klar, das Volk lehnt sich zum wiederholten Male gegen Moses (und damit Gott) auf, so was würde mich auch nerven. Aber wenn es um Loyalität geht, scheint Gott digital zu denken: 0 oder 1, Auflehnung oder Treue, Tod oder Leben.

    Geht weg von diesen Leuten! Ich werde sie auf einen Schlag vernichten!«
    4. Mose 17, 10


    Mal im Ernst, darf man so einen Gott als liebend, gnädig, geduldig und gütig bezeichnen? Ist das nicht eher ein rachsüchtiger, mordlüsterner und blutrünstiger Terminator-Typ?
  2. Gott hat schon mit der Eliminierung der Leute begonnen, als Aaron auf Geheiss von Moses mit einem Weihrachpfännchen in die Menge stürmt und damit, so sagen es die Verse 12 und 13, das Verderben aufhält und die Menge wieder mit Gott versöhnt. Zu diesem Zeitpunkt hat, so die biblische Überlieferung, der Allmächtige bereits 14'700 Menschen umgebracht. Das geht zügig.

    Aaron verbrannte den Weihrauch und versöhnte durch dieses Opfer das Volk mit Gott. 13So konnte er das Verderben aufhalten.
    4. Mose 17, 12b+13a


    Mal im Ernst (mir fällt grad keine andere Formulierung ein, man entschuldige meine bescheidene Vielfalt bei der Wortwahl), ist sowas glaubwürdig? Der allmächtige Gott hat beschlossen, wegen fehlender Loyalität Israeliten umzubringen. Und er hat bereits damit begonnen. Und dann lässt er sich von einem nach Weihrauch duftenden Pfännchen in den Händen eines alten Mannes aufhalten? Ist es das wirklich? 
Hier genügt ein bisschen Glut vom Altar und Weihrauch, und schon ist die Meute gerettet. Aber der arme Kerl, der am Sabbat Holz suchte...

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