Samstag, 10. Mai 2014

Ziemlich bester Schurke (Josef Müller)

Das Buch trägt den Titel "Ziemlich bester Schurke. Wie ich immer reicher wurde" und stammt von einem ehemaligen Betrüger, der seine Kunden um Millionen geprellt hat. Dafür sass Josef Müller fünf Jahre in Haft. In dieser Zeit hat er, so schreibt er in seinem Buch, durch das Lesen der Bibel zu Gott gefunden.

Natürlich eine wundersame Geschichte für jeden christlichen Verlag. Böser Kerl, der zu Münchens Schickeria gehört und jeden erdenklichen Luxus hat, findet zu Gott und steht nun als Promi-Christ für Bücher und Vorträge zur Verfügung. Da lässt sich ein Verlag wie der christliche Brunnen-Verlag nicht zweimal bitten.

Im Buch wird schnell klar, worüber Josef Müller am liebsten schreibt: Die Zeit, als er in Saus und Braus lebte, ihm sozusagen alles gelang und er sich schnelle Autos, heisse Mädchen und schönste Häuser leisten konnte. Zahlreiche Fotos unterstreichen sein Luxus-Leben und man meint, den Stolz des Autors geradezu zu spüren, wenn man die Fotos betrachtet, auf denen er sich mit verschiedenen weiblichen Schönheiten zeigt oder seine ehemalige Fahrzeugflotte präsentiert.

Herr Müller unterstreicht zwar im letzten Teil des Buches, in dem er seine wundersame Wandlung vom drogensüchtigen Partylöwen und Kriminellen zum gutmütigen und glücklichen Christen beschreibt, dass er seiner alten Zeit nicht nachtrauert. So richtig glauben will man ihm das aber nicht. Nicht zuletzt weil der Autor 250 Seiten lang von seinen erfolgreichen Geschäften, prominenten Kontakten und ausschweifenden Parties erzählt, um dann auf bescheidenen 50 Seiten seine Wandlung zum Frommen zu schildern.

Aus wirtschaftlicher Sicht - insbesondere auch des Verlages - ist das natürlich verständlich. Das krimiähnliche Leben ist für den Leser selbstverständlich spannender als die gefängnisinterne Bekehrung zum Christusnachfolger. Gott sei Dank war der Müller so ein Schlimmer, sonst könnte man mit seiner Biographie ja kein Geld verdienen. Und das will der Herr Müller, offenbar um seinen Gläubigern wenigstens teilweise das veruntreute Geld zurück zu erstatten.

Wer sich für Räubergeschichten eines vormals einfachen Münchner Steuerberaters interessiert, bitte sehr. Dieser Teil des Buches ist, das gebe ich zu, mitunter äusserst unterhaltsam. Seine Wandlung zum Christen hingegen überzeugt überhaupt nicht. Denn wenn man derart am Abgrund steht wie der Herr Müller, ist es nicht sonderlich erstaunlich, dass man sich religiösen Ideen öffnet. Insbesondere, wenn man in einer katholischen Familie aufgewachsen ist und stets starke Gefühle hatte in Gotteshäusern.

Und ob es nun positiv zu werten ist, wenn ein ehemaliger Steuerberater, Hochstapler und Betrüger neuerdings als religiöser Botschafter fungiert, wage ich mal zu bezweifeln. Sind früher die Reichen seinen Ideen aufgesessen, ist Müller jetzt sozusagen selber zum Opfer geworden und eilt einem imaginären himmlischen Wesen nach.

Wer will, kann sich das Buch hier bestellen: Amazon | Thalia | E-Book

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