Montag, 30. Juni 2014

Zum Mörder wird man schnell

Ein weiterer Punkt, der zeigt, wie wenig durchdacht das damalige Rechtssystem, das Gott einsetzte, war. Wie einfach es ausgehebelt und unfair missbraucht werden konnte.

30Ein Mörder muss zum Tod verurteilt werden, wenn mindestens zwei Zeugen gegen ihn aussagen. Eine einzelne Zeugenaussage reicht dazu nicht aus.
4. Mose 35, 30


Im Zentrum steht natürlich mal die Tatsache, dass Gott laut Bibel in jedem Fall die Todesstrafe für Mörder fordert. Insofern müssten sich fundamentalistische Christen auch nicht daran stören, wenn die USA das nach wie vor so handhabt.

Dass lediglich zwei Zeugen reichen, um einen Mörder mit dem Tod zu bestrafen, find' ich hingegen definitiv äusserst bedenklich. Kein Wort davon, dass eine Schuld auch irgendwie wenigstens ansatzweise bewiesen werden musste oder allfällige Alibis miteinbezogen werden.

Was hier steht, heisst nichts anderes als: Wenn du mindestens einen findest, der deine Anschuldigung gegen jemanden bestätigt, reicht das, um ein Menschenleben auszuknipsen.

Ich bezweifle zwar, dass das damals dann auch wirklich so simpel angewandt wurde, aber da stehen tut es genau so. Ein störender Rivale könnte so mit wenig Aufwand aus dem Weg geräumt werden. Wenn's nur zwei Zeugen braucht, wird man schnell zum Mörder.

Immerhin: Eine einzelne Zeugenaussage reicht nicht aus. Wie beruhigend.


Mittwoch, 25. Juni 2014

Blutrache ist Befehl von oben

16-18Wer einen anderen aber vorsätzlich mit einem Gegenstand aus Metall, Stein oder Holz erschlägt, ist ein Mörder und muss sterben. 19Der nächste Verwandte des Ermordeten soll ihn töten, sobald er ihn findet.
4. Mose 25, 16 - 19


Klar, machen wir. Und entscheiden, ob's Vorsatz war und nicht ein Unfall oder gar Notwehr, tun wir auch gleich aus dem Bauch heraus. Ziemlich spontan. Kommt schon gut. Oder wir fragen das Los, wie Moses bzw. die Priester es mussten.

Mann, was bin ich froh, dass sich unsere Gesellschaft von den biblischen Regelungen entfernt hat und heute ein unendlich viel schlaueres Justizsystem hat als die Israeliten zu Moses Zeiten. Nicht, dass unseres unfehlbar wäre, aber summa summarum doch einiges fairer und einer weit entwickelten Spezies entsprechend.

Freitag, 20. Juni 2014

Schlachtbefehl: alle Männer, Frauen und Buben

Das 31. Kapitel im 4. Mose zeugt mal wieder (einmal mehr) von der blutrünstigen Seite Gottes. Aber nicht nur das. Es zeigt noch eine Seite, die nach gesundem Menschenverstand vollkommen unfair ist. Und eine weitere, die deutlich macht, wie viel weniger Wert die Frau ist.

Gottes auserwähltes Volk hat gerade gegen die Midianiter Krieg geführt und, so sagt es die Bibel, alle Männer, die fünf Könige sowie den Propheten Bileam getötet. Der Mord an letzterem ist übrigens ein deutliches Zeichen dafür, dass der nicht der war, wie ihn die Bibel ein paar Kapitel früher geschildert hat. Aber das lassen wir mal ausser acht.

Das Volk kommt mit der Beute und den gefangenen Frauen und Kindern zurück. Und worüber beschwert sich Moses? Dass man die Frauen am Leben gelassen hat. Das solle man sofort korrigieren und nicht nur das, auch alle männlichen Kinder soll man doch bitte eliminieren. Nur die unberührten Mädchen sollen die Israeliten für sich behalten.

Von den unberührten Mädchen hatte es laut Bibel 32'000. Man muss annehmen, dass die Frauen und männlichen Kinder insgesamt in mindestens ähnlicher Anzahl vorhanden waren. Die wurden dann also nieder gemetzelt. Auf ausdrücklichen Wunsch Moses, der ja Sprachrohr Gottes ist.

Die 32'000 Jungfrauen, die vermutlich gerade erleben mussten, wie ihre Väter und kurz darauf Mütter und Brüder geschlachtet wurden, wurden dann verteilt unter dem Volk und zu einem gewissen Prozentsatz an die Priester.

Während Gott anderswo noch ernsthaft darüber nachdenkt, ob er sein Volk nun hart bestrafen soll, weil es sich mit Frauen anderer Völker paarte, hat er offenbar nichts dagegen, wenn man sich eine erbeutete Jungfrau als Harem-Erweiterung hielt.

Sonntag, 15. Juni 2014

Gott ist Fleischfresser

»Achtet darauf, dass ihr mir meine Opfer zur richtigen Zeit darbringt. Sie sind meine Speise und erfreuen mich.
4. Mose 28, 2


Das Bringen von Opfer durch Verbrennung war in der damaligen Zeit weit verbreitet und taucht in fast allen alten Religionen auf. Ich vermute, dass das damals so verbreitet war, dass Mose gar nichts anderes übrig blieb, als diesen Brauch zu übernehmen.

Wenn man sich aber mal vor Augen führt, wie viel Nutztiere und letztlich auch Essen durch diese Opfer drauf ging, wird einem schwindelig.

Sonntag bis Freitag:
2 fehlerlose, einjährige Lämmer
3 kg Mehl
2 Liter bestes Olivenöl
2 Liter Wein

Samstags: 
4 fehlerlose, einjährige Lämmer
6 kg Mehl
4 Liter Wein

Anfangs Monat zusätzlich zum Tagesopfer: 
2 junge Stiere
1 Schafbock
7 fehlerlose, einjährige Lämmer
21 kg Mehl, mit Öl vermischt
12,5 Liter Wein
1 Ziegenbock (als Sündopfer)

Aufs Jahr gerechnet ergeben das beachtliche Menge an Lebensmittel, die für Gott verbrannt (!) werden.

916 Lämmer
24 Stiere
12 Schafböcke
12 Ziegenböcke
1,500 kg Mehl
628 Liter Olivenöl
986 Liter Wein

Und die Opfer anlässlich besonderer Feste wie dem Passa- oder Erntefest sind da noch nicht einmal eingerechnet.

Hauptsache, er hat seine Freude daran.

Dienstag, 10. Juni 2014

Soll ich oder soll ich nicht... mein Volk auslöschen?

Zum wiederholten Male: Das Volk fällt von Gott ab, Gott kriegt in seiner barmherzigen und gütigen Liebe seinem auserwählten Volk gegenüber einen Tobsuchtanfall und beschliesst, mal eben das ganze Volk auszurotten. Ist ja nicht das erste Mal. Ich bin ja inzwischen echt froh, dass diese ganzen Geschichte erfunden und nicht wahr sind. Einem Gott mit so wenig Selbstbeherrschung wäre man glattwegs geneigt, den Stinkefinger zu zeigen.

Das fanden ein paar Hundert Jahre später wohl auch die ersten Christen (Ex-Juden), denn man war ab dem Jahre 0 ja richtiggehend bemüht, das Image von Gott aufzupolieren. Das war auch dringend nötig und längst überfällig. Wer will schon einen Gott, der erst die Menschen baut, um sie später allesamt in einer Flut zu ersäufen, bis auf eine (1!) einzige Familie, die nicht gottlos war. Später auserwählt er ein Volk und allein bis hierhin (4. Mose 25) hat er bestimmt schon dreimal vorgehabt, es wieder auszuradieren.

»Nimm die führenden Männer des Volkes gefangen, und häng sie am helllichten Tag auf! Sonst wird mein glühender Zorn das ganze Volk treffen.«
4. Mose 25, 4

Und Mose befiehlt den Richtern (die mussten damals nicht nur verurteilen, sondern auch selber Hand anlegen):

»Tötet jeden von euren Leuten, der Baal-Peor als seinen Gott verehrt hat!«
4. Mose 25, 5


Und Pinhas, einer aus der Priesterfamilie, greift zur Lanze und durchstösst damit ein Liebespaar durch den Unterleib. Gottes Kommentar dazu: 

»Pinhas, der Sohn Eleasars und Enkel des Priesters Aaron, hat die Israeliten vor meiner Strafe gerettet. Er hat sich mit aller Kraft für mich eingesetzt und so verhindert, dass ich die Israeliten in meinem Zorn vernichte.
4. Mose 25, 11


Wer nicht glaubt, dass sich das göttliche Lob auf den priesterlichen Mord bezieht, soll selber nachlesen. 

Manchmal ist der echt cool drauf, dieser neue Gott der Israeliten.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Bileam und der arme Esel

Der Seher Bileam (4. Mose 22) ist offenbar der einzige biblische Prophet, der auch ausserhalb der Bibel Erwähnung findet. Der einzige! Und prompt decken sich die Erzählungen, die die Bibel liefert nicht mit dem überein, was durch archäologische Funde belegt ist. Dem gefundenen historischen Text nach war Bileam zwar so etwas wie ein Wahrsager, was sich früher vielleicht weitgehend mit dem Berufsbild Prophet deckte. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass er aus jüdischer Sicht ein Heide war, der andere Götter verehrte und den relativ neuen jüdischen monotheistischen Gott vermutlich noch gar nicht kannte (siehe obigen Link).

So vermute ich mal, dass der grosse Bekanntheitsgrad von Bileam dazu verführte, ihn auch noch pro-jüdisch in die Geschichte einzubauen. Und weil man Herrn Bileam nicht zu grossartig zeigen wollte, schrieb man noch den Teil mit der störrischen Eselin, der ein Gesandter Gottes mit Schwert bewaffnet den Weg versperrt haben soll.

Natürlich hat sich mir beim Lesen auch die Frage gestellt, weshalb Gott ihm im Traum sagt, er solle zu Balak reisen und dann trotzdem wütend einen Engel den Weg versperren lässt. Klar, man kann die Meinung vertreten, Bileam hätte nach der ersten göttlichen Erscheinung wissen sollen, dass er nicht zu Balak reisen und das Volk Israel nicht verfluchen sollte. Allerdings gibt es ja auch genügend Geschichten im Alten Testament, in denen Gott seine Meinung z.T. drastisch geändert hat. Ganz so eindeutig kann das also nicht immer sein.

Da Bileam aber sehr wahrscheinlich den jüdischen Gott noch gar nicht kennen konnte und daher die Geschichte weitgehend auf Fantasie beruhen dürfte, spielt das keine weitere Rolle.

Mir tut einfach der Esel leid. Armer Kerl.

Dienstag, 3. Juni 2014

Dümmer geht's nimmer. Oder?

Selten eine Facebook-Seite gesehen mit so viel Schwachsinn wie diese.

Die Dame sammelt offenbar lauter schockierende, berührende, bescheuerte, seltsame, traurige Bilder, versieht sie mit einem dämlichen Spruch und bittet die Gleichgesinnten YES oder AMEN zu schreiben.

Ich würd' ja am liebsten jeden einzelnen Eintrag kommentieren. Aber das ist mir dann irgendwie zu doof. Zeit und Aufmerksamkeit will ich solchen Religioten nicht übermässig schenken.