Mittwoch, 20. August 2014

Der Blutfleck-Beweis

Dass ein Bräutigam eine jungfräuliche Braut erhält, war (und ist teilweise noch heute) Ehrensache. Und Ehrensache war eine Familienangelegenheit, für die primär die männlichen Familienglieder zuständig waren. Vater und Bruder sahen es demnach als persönlichen Angriff, wenn behauptet wurde, dass ihre Tochter bzw. Schwester bei der Verheiratung nicht mehr Jungfrau war.

Von daher kommt die Regelung aus 5. Mose 22, dass der Bettlaken der Hochzeitsnacht bei Bedarf als Beweismittel herhalten musste. War darauf ein Blutfleck, konnte man davon ausgehen, dass die Braut in der Hochzeitsnacht entjungfert wurde. Fehlte der Blutfleck, war das für das Gegenteil der Beweis.

Um nicht Gefahr zu laufen, irgendwann vom Bräutigam in der Ehre verletzt zu werden, war man also im jungen Volk Israel fast gezwungen, den Bettlaken von der Hochzeitsnacht über längere Zeit aufzubewahren. Denn:

Es kann geschehen, dass ein verheirateter Mann schon nach kurzer Zeit nichts mehr von seiner Frau wissen will. Er bringt sie in Verruf und behauptet: »Als ich mit meiner Braut geschlafen habe, stellte sich heraus, dass sie keine Jungfrau mehr war!«
5. Mose 22, 13-13

Dann beseitigt die Familie der Braut vor Gericht jeden Zweifel, in dem sie den Bettlaken der Hochzeitsnacht mitsamt Blutfleck zückt und damit die Behauptungen des Bräutigam Lügen straft.

Aber die Flecken auf diesem Tuch beweisen, dass sie noch Jungfrau war.
5. Mose 22, 17b

Ob es wirklich der richtige Bettbezug war, ob es sich wirklich um das Blut der Braut handelt und ob es nicht durch andere Handlung, z.B. mit Absicht, da angebracht wurde, ist keine Frage. Der Beweis erbracht: Der Bräutigam lügt und muss 100 Silberstücke zahlen sowie seinen Rücken für eine Auspeitschung hinhalten.

Weniger glimpflich kommt die Braut davon, wenn ihr Ehegatte Recht bekommt: Sie wird dann gesteinigt.

Heute sind wir zum Glück klüger als die Israeliten zu Moses Zeiten (Gott hätte es allerdings damals schon wissen sollen, finde ich): Blutungen bei der Verletzung des Jungfernhäutchens (korrekter Hymen) sind nicht zwingend, fast die Hälfte von befragten Frauen gaben laut Wikipedia in einer Umfrage an, beim ersten Sex keine Blutung gehabt zu haben. Wie gesagt, Moses konnte das nicht unbedingt wissen, Gott jedoch schon.

Zudem wäre es wohl auch damals schon kein grosses Kunststück gewesen, sich anderswie Blut zu besorgen und den Fleck künstlich zu erzeugen.

Leider ist die Thematik der Ehre und der damit verbundenen Jungfräulichkeit auch heute noch an verschiedenen Orten aktuell. So aktuell zumindest, dass offenbar selbst in Deutschland (erst recht in den betroffenen Ländern) junge Mädchen ihr Hymen durch einen Arzt wieder herstellen lassen. Natürlich ohne dass es die Eltern oder gar die zukünftigen Ehegatten erfahren. (Quelle: Wikipedia, siehe Link oben)

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