Samstag, 30. August 2014

Der Fluch, der keiner war

Für die Christen ist die Bibel Gottes Wort. Sie ist damit unfehlbar, wie mir immer wieder gesagt wurde. Muss sie in den Augen der Christen ja auch sein, wenn sie Gottes Wort sein soll. Über die Jahrhunderte wurde sie immer und immer wieder abgeschrieben, häufig von einer Kopie der Kopie einer Kopie. Oder so ähnlich. Dass sich dabei mal ein Übersetzungs- oder Schreibfehler eingeschlichen hätte, wird von den meisten strenggläubigen Christen ausgeschlossen. Dafür hat Gott gesorgt.

Immer wieder tauchen jedoch Stellen auf, in jeder Hinsicht auf menschliche statt göttliche Urheberschaft deuten. Oder Ungereimtheiten, wie z.B. die Sache mit Bileam.

In 5. Mose 23 bestimmt Gott via Schreiber, wer sich dem Heiligtum nähern darf bzw. wer nicht. Dabei werden unter anderem alle Nachfahren der Ammoniter und Moabiter ausgeschlossen, auch wenn sie seit zehn oder mehr Generationen im Land wohnen, wie es ausdrücklich heisst. Als einer der Gründe dafür wird angegeben, dass Sie Bileam Geld gaben, um das Volk Israel zu verfluchen. Dann erwähnt der Schreiber:

Aber der Herr, euer Gott, hat nicht auf Bileam gehört, sondern aus Liebe zu euch den Fluch in Segen verwandelt.

Nun ist es aber so, dass Bileam das Volk Israel gar nicht verflucht hat. König Balak hätte es gerne, doch Bileam, so wird erzählt, hat es stattdessen dreimal gesegnet. Weil Gott es ihm im Traum so befohlen hatte. So steht es zumindest in 4. Mose 22 geschrieben. Wir haben hier also ganz offensichtlich eine Ungereimtheit oder zumindest eine offensichtliche und deutliche Ungenauigkeit.

Gehen wir davon aus, dass die Bibel vermutlich über hunderte Jahre nur mündlich überliefert wurde, und sich dadurch problemlos solche und noch ganz andere Fehler oder Erfindungen eingeschlichen haben können, haben wir damit keine Mühe. Gehen wir aber davon aus, dass es sich um das unfehlbare Wort Gottes handelt, tauchen einmal mehr Fragezeichen auf, die mit irgendwelchen weit hergeholten Erklärungen mehr schlecht als recht aus der Welt geschafft werden.

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