Dienstag, 30. September 2014

Seltsame Umstände, falsche Bestrafung

Bei der Eroberung von Jericho bzw. des Beutezugs und anschliessender Vernichtung gab es eine Regel: Niemand durfte etwas von der Beute für sich nehmen und sich persönlich bereichern. Natürlich gab es mindestens einen, der dagegen verstiess und von dem berichtet die Bibel. Und so etwas bleibt nicht ohne Strafe!

Bei einem eigentlich ungefährlichen Streifzug wird ein kleines Heer der Israeliten in die Flucht geschlagen, obschon sie eigentlich hätten siegen müssen. Josua tritt verzweifelt vor den Herrn, der ihm dann den Grund für das Versagen nennt: Einer hat sich an der Beute bereichert. Gott beauftragt Josua in der Folge, das Los zu verwenden, erst den Stamm, dann die Sippe und schliesslich die Familie des Schuldigen zu finden.

Kollektive Strafe
Im Militärdienst lernt man ziemlich schnell, dass es keine Individuen mehr gibt, sondern nur noch das Kollektiv: Die Gruppe, in der man eingeteilt ist. Einer für alle, Alle für einen. Baut einer Scheisse, müssen's alle ausbaden. Der Fehler eines Einzelnen kann im Ernstfall der ganzen Gruppe das Leben kosten. Man muss sich vorbehaltlos aufeinander verlassen können. 

Donnerstag, 25. September 2014

Die Legende von Jericho

Im Prinzip ist es einfach: Da niemand so recht weiss, von wem und wann Josua (das Buch) geschrieben wurde, kann man es auch schlecht in Relation zu den archäologischen Funden in und um Jericho setzen. Tatsache scheint, so sagen es die Archäologen, dass Jericho mehrmals zerstört und wieder ganz oder teilweise aufgebaut wurde. Mit grosser Wahrscheinlichkeit sind die Mauern auch mindestens einmal zerstört worden und die Stadt niedergebrannt. Durch was hingegen ist völlig unklar. Man vermutet ein Erdbeben als Ursache.

Doch im Prinzip ist es egal, was man alles findet und was nicht. Denn ein Einsturz der Mauern und das Niederbrennen der gesamten Stadt mögen sich mit der Schilderung im Buch Josua decken, ein Beweis für dessen Wahrheitsgehalt sind sie noch lange nicht. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Stadt beim Eintreffen des Volkes nur noch als Ruine da stand und man durch selbige animiert wurde, eine Legende zu bilden.

Es gibt zwar keine eindeutigen Beweise gegen die biblische Josa-erobert-Jericho-Geschichte gibt, aber die Indizien sprechen klar dagegen. Und nachdem es schon für viele andere biblischen Erzählungen keinerlei Beweise gibt bzw. eher widersprechende Erkenntnisse, tendiere ich dazu, dass auch in diesem Fall die Fantasie durchgebrannt ist und die Eroberung Jerichos allein mit Geschrei und Trompetenschall ein Märchen ist.

So oder so: Es ist äusserst ineffizient, eine Stadt mit viel Aufwand und Gemetzel zu erobern und sie dann dem Erdboden gleich zu machen, statt sie selber zu nutzen. Kann man überhaupt von einer Eroberung Jerichos sprechen, wenn nach der Schlacht nichts als Ruinen übrig bleiben? Ging es Gott nur darum, die Stadt zu vernichten und jegliches Leben auszuknipsen? Wird man so sesshaft, indem man alles vorhandene zerstört, um es dann mühselig in jahrelanger Arbeit anderswo neu aufzubauen?

Quelle: Wikipedia | Keine Posaunen vor Jericho

Samstag, 20. September 2014

Tschüss Moses. Hallo Josua.

Ein neues Buch: Josua. Moses ist tot. Was bin ich froh. Nicht, weil Moses tot ist, sondern weil die ersten fünf Bücher Moses irgendwie unendlich erschienen. Ich bin froh, dass in meinem Projekt, die Bibel nochmals von A bis Z zu lesen, mal endlich etwas Neues kommt (auch wenn's zu Beginn erst mal ähnlich weiter geht).

Endlich dürfen die Israeliten einziehen in das Land, das Gott ihren Vorfahren vor gut vierzig Jahren versprochen hatte. Endlich stehen sie kurz davor, sesshaft zu werden und eine Basis zu finden, eine Heimat. Doch zuerst müssen diejenigen vertrieben (und gerne auch gleich vernichtet) werden, die dummerweise zur Zeit hier wohnen.

Ihnen wird mit Gewalt und Brutalität das weggenommen, was sie besitzen, damit das auserwählte Gottesvolk sich niederlassen und in Frieden - ich betone den Frieden - leben kann. Frieden: Das, was die Israeliten versprochen bekommen, selber aber nicht mitbringen.

›Der Herr, euer Gott, will euch dieses Land östlich des Jordan geben, damit ihr hier in Frieden leben könnt.‹
Josua 1, 14


Aber natürlich kann Gott auch nichts dafür, dass ausgerechnet da, wo er SEIN Volk haben will, schon andere Völker leben. Andere Völker, die aus Menschen bestehen, die letztlich von Adam abstammen und damit Gottes Geschöpfe sind.

Dumm für die bisherigen Bewohner, dass Gott SEIN Volk ein bisschen mehr liebt als die übrigen Menschen, die er geschaffen hat. Take it easy.

Mittwoch, 17. September 2014

Alles Israel, oder was?

Zu der Zeit, als sich laut Bibel das Volk Israel im verheissenen Land nieder liess und sesshaft wurde, gab es ja noch andere Völker auf dem gleichen und anderen Kontinenten. Man weiss zwar nicht, wie viele Menschen zu der Zeit den Planeten bevölkerten, aber da allein das Volk Israel gemäss Bibelstellen über eine Million Menschen umfasste, mussten es etliche Dutzend oder gar hunderte Millionen Menschen weltweit sein.

Diese Abermillionen von Menschen hatten natürlich keine Gelegenheit, den einzigen wahren monotheistischen Gott, den Israel hatte, kennen zu lernen. Es sei denn, sie reisten gerade in diese Gegend. Viel mehr kann man vermuten, dass sie ihre eigenen Götter hatten, wie es damals Standard war. Von verschiedenen Kulturen wie den Griechen oder Römern wissen wir das heute sogar sehr detailliert, aber auch von anderen Völkern ist viel über deren Götterkult bekannt.

Angenommen, der Gott der Israeliten wäre tatsächlich etwas besonderes. Nehmen wir an, er wäre tatsächlich mehr als die vielen hundert anderen Götter. Gehen wir mal davon aus, er wäre tatsächlich real (im Gegensatz zu den anderen vielen hundert Götter, an die ja auch die Christen nicht glauben).

Montag, 15. September 2014

Die schlimmsten Strafen. Doch etwas fehlt.

Segen und Fluch - zwei Begriffe, die eng zusammen gehören, obschon sie so komplett anders sind wie schwarz und weiss. Die Bibel erzählt in zum Teil blumigen Formulierungen, was das Volk Israel alles erwarten darf, wenn es sich an die Gebote Gottes hält. Dreizehn Verse lang werden die tollsten Dinge versprochen.

Doch wehe... Wer sich allerdings nicht an die Gebote Gottes hält, dem geht's gehörig an den Kragen. In viermal mehr Versen (56!) schildert Gott, welche Übel man als Israelit zu erwarten hat, wenn man gegen die Gebote verstösst. Üble Dinge werden da genannt, auf die ich nicht einmal kommen würde.

Es fängt damit an, dass das Wetter nicht mehr mitspielt, die Ernte ausfällt. Dann werden fremde Völker kommen, alles klauen, die Kinder versklaven und selbst Greise töten. Der Autor - laut Bibel sind das Gottes Worte - schreibt dann unter anderem von Hungersnöten, die so krass sind, dass Väter ihre eigenen Kinder und Mütter ihre Fehlgeburten essen.

Donnerstag, 11. September 2014

Brutaler Gott? Nein, danke. Oder doch?

Im Zusammenhang mit den Gräueltaten extremistischer Moslems in Syrien und Irak hört man aus christlichen Kreisen wieder mal vermehrt den Ausdruck "Christenverfolgung". Wie egoistisch ist das denn? Tatsächlich werden von den Terror-Truppen der IS nämlich nicht einfach Christen verfolgt, sondern schlicht jedermann, der auch nur ein Jota vom fundamentalistischen Islam abweicht. Kaum jemand hat die letzte Zeit so viele Moslems umgebracht, wie die Extrem-Moslems der IS.

Auf Facebook habe ich einen Kommentar eines bemitleidenswerten Christen gesehen. Ein Christ, der die Bibel, die die Grundlage seines Glaubens darstellt, nicht wirklich zu kennen scheint.
"Es ist so traurig, dass Menschen an einen Gott glauben können, der es gut heisst, wehrlose Menschen zu töten, weil sie nicht an diesen Gott glauben. An einen solchen Gott könnte ich nicht glauben."
Lieber Kommentator: Such' dir eine andere Religion, denn du glaubst bereits an einen solchen Gott! Mach' deine Hausaufgaben, lies die Bibel! Das kann von Religion heilen. Wenn dir das zu anstrengend ist, lies' einfach diesen Blog. Oder einfach den letzten Beitrag.

Mittwoch, 10. September 2014

Amalekiter: Ein kleiner Genozid am Rande

Fast habe ich ihn überlesen, den kaum erwähnten Völkermord, den Gott den Israeliten befiehlt.

Sobald der Herr dafür gesorgt hat, dass ihr nicht mehr ringsum von Feinden bedroht seid, sollt ihr jede Spur von den Amalekitern auslöschen!
5. Mose 25, 19b

Nach den Amoriter, Hetiter, Perisiter, Kanaaniter, Hiwiter und Jebusiten, deren komplette Eliminierung der Herrgott schon im 2. Mose-Buch versprach, kommt nun also das siebte Volk auf die Liste der per Gottesbefehl ausgerotteten Völkern.

Lassen wir das einfach mal so stehen.

Sonntag, 7. September 2014

Intimer Griff - Hand abgehackt

Wenn zwei Männer sich schlagen und die Frau des Unterlegenen kommt ihrem Mann zu Hilfe und greift dem anderen an die Geschlechtsteile, soll man ihr ohne Mitleid die Hand abhauen.
5. Mose 25, 11-12

Dieses Gesetz bezeichne ich so lange als total bescheuert und lächerlich, bis mir jemand auch nur ansatzweise erklärt, was das soll, wofür es gut sein soll, woher es kommt, es es in Gottes heiligem Wort verloren hat.

Lächerlich.

Gaga-Verse par excellence.

Samstag, 6. September 2014

Geschieden ist geschieden

Allein unsere Milchstrasse hat schätzungsweise zwischen 100 und 300 Milliarden (!) Sterne. Es mutet schon sehr seltsam an, wenn man davon ausgeht, dass der Gott, der das alles geschaffen hat, sich allen Ernstes darum kümmert, wer hier unten mit wem poppt.

Akzeptiert man die Bibel jedoch als Wort Gottes, tut er genau dies. Allerdings im Fall von 5. Mose 24 nicht ganz überzeugend. Die Stelle, die ich gleich zitiere, weckt nämlich den Eindruck, dass der Schreiber sich das nicht ganz zu Ende gedacht hat. Es geht dabei darum, dass jemand, der sich von seiner Frau geschieden hat, diese später nicht mehr heiraten darf, wenn sie zwischenzeitlich einen anderen Mann hatte. Egal, ob dieser zwischenzeitliche Partner verstarb oder die Frau ebenfalls in die Wüste schickte.

Mittwoch, 3. September 2014

Gebet: Hauptsache, mir hilft's

Egal, ob Hungersnot, Naturkatastrophen oder Kriege: Die Christen beschäftigen sich gerne mit Gebet. Im Gebet ist man ja schliesslich mit Gott und indirekt dadurch auch mit anderen Gläubigen verbunden. Das Bittgebet von vielen wird Gott wohl erhören und den Leidtragenden Trost spenden, Hilfe schicken oder sie aus dem Elend befreien.

Tatsächlich aber spricht nichts dafür, dass "da oben" oder wo auch immer jemand tatsächlich Gebete hört, geschweige denn erhört. Ohnehin müsste es ein sehr launischer Gott sein, der die Gebetserhörungen so streut, dass man sie als Zufall wahrnehmen kann. Meine Meinung zum Thema Gebet kann man (nicht abschliessend) unter dem Stichwort Gebet in diesem Blog lesen.

Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass ein Gebet etwas bewirken kann, allerdings nur am Betenden selbst. Indem ich das formuliere, was mich beschäftigt, fällt eine Art Last von mir. Psychologen haben sicherlich ein Fachwort dafür. Auf jeden Fall kann somit ein Gebet durchaus ego-therapeutische Wirkung erzielen.

Wenn also die Kirche Prisma (was immer das ist) zum Gebet für verfolgte Christen aufruft, dann bewirkt sie damit tatsächlich etwas. Nämlich das, dass sich die Menschen, die sich da zum Beten versammeln, danach ein bisschen besser fühlen, weil sie eine Art Last abladen konnten und gleichzeitig noch der Überzeugung sind, tatsächlich etwas für die verfolgten Christen getan zu haben.

Eine rein egoistische Angelegenheit ist das also im Endeffekt.