Mittwoch, 17. September 2014

Alles Israel, oder was?

Zu der Zeit, als sich laut Bibel das Volk Israel im verheissenen Land nieder liess und sesshaft wurde, gab es ja noch andere Völker auf dem gleichen und anderen Kontinenten. Man weiss zwar nicht, wie viele Menschen zu der Zeit den Planeten bevölkerten, aber da allein das Volk Israel gemäss Bibelstellen über eine Million Menschen umfasste, mussten es etliche Dutzend oder gar hunderte Millionen Menschen weltweit sein.

Diese Abermillionen von Menschen hatten natürlich keine Gelegenheit, den einzigen wahren monotheistischen Gott, den Israel hatte, kennen zu lernen. Es sei denn, sie reisten gerade in diese Gegend. Viel mehr kann man vermuten, dass sie ihre eigenen Götter hatten, wie es damals Standard war. Von verschiedenen Kulturen wie den Griechen oder Römern wissen wir das heute sogar sehr detailliert, aber auch von anderen Völkern ist viel über deren Götterkult bekannt.

Angenommen, der Gott der Israeliten wäre tatsächlich etwas besonderes. Nehmen wir an, er wäre tatsächlich mehr als die vielen hundert anderen Götter. Gehen wir mal davon aus, er wäre tatsächlich real (im Gegensatz zu den anderen vielen hundert Götter, an die ja auch die Christen nicht glauben).

Ist es dann nicht äusserst beklemmend, dass er es nicht für nötig hält, auf der ganzen Welt, bei allen Menschen (die er doch geschaffen hat und liebt), etwas zu bewirken? Dass er stattdessen ein einzelnes, noch dazu ziemlich kleines Volk als "sein Volk" auserwählt und mit ihm gegen andere Völker, bestehend aus ebenfalls von ihm geschaffenen Geschöpfen, zieht, sie abschlachtet und ausrottet?

Doch, das ist beklemmend, sehr sogar. Das ist auch seltsam und eigentlich unverständlich. Aber die Christen, deren Glaube ja vom Judentum abstammt, sehen entweder über solche Seltsamkeiten hinweg oder befriedigen ihre Neugier mit der vermeintlichen Tatsache, dass das halt Gott und sein Plan sei. Dieser und auch viele, viele anderen Erklärungsversuche sind letztlich, wenn man sie nüchtern betrachtet und ehrlich ist, nicht wirklich befriedigend.

Würde uns irgendein Verkäufer ein Produkt verkaufen wollen und ähnlich schwach argumentieren, würden wir ihn lachend vor die Türe setzen. Aber wenn's um die Bibel und den Glauben geht, geben sich Christen (und nicht nur die) schnell zufrieden.

Nicht selten erhält man den Eindruck, die Kirchengänger sind froh, nicht selber denken zu müssen und das Gott überlassen zu können. Nachdenken ist mitunter anstrengend. Und kann dazu führen, dass ganz viele Fragen auftauchen, auf die man letztlich keine zufrieden stellenden Antworten bekommt.

So ging es mir auch. Also fing ich an zu lesen. Und nachzudenken. Und wieder lesen und wieder nachdenken. Das hatte zur Folge, dass ich letztlich Atheist wurde. Die Fragezeichen sind verschwunden. Wie befreiend.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen