Donnerstag, 30. Oktober 2014

Die Gott lieben werden sein wie die Sonne

Ich weiss nicht, ob der Text, der im gleichnamigen Kirchenlied gesungen wird, noch anderswo in der Bibel erwähnt ist. Auf jeden Fall steht er hier, in Richter 5, 31

Doch wer dich liebt, gleicht der Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht!

Allerdings ist das ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen (wie so oft, wenn einzelne Bibelsätze irgendwo für einen bestimmten Zweck verwendet werden).

Dem Satz voran geht nämlich dieser:

Herr, mögen all deine Feinde sterben wie Sisera!

Wer sich nicht an Sisera bzw. die glorreiche Art, wie er ums Leben kam, erinnern kann, sei hier Vers 21 aus dem vorhergehenden 4. Kapitel zitiert:

Erschöpft fiel er in einen tiefen Schlaf. Jaël nahm einen Zeltpflock und einen Hammer, schlich sich an Sisera heran und schlug den Pflock durch seine Schläfen in den Boden. So starb er.

Der Liedtext ist also in etwa so zu verstehen: 

Die Gott lieben werden sein wie die Sonne, 
die aufgeht, in ihrer Pracht. 
Und den andern schlägst du in den Kopf mit Wonne
einen Zeltpflock in der Nacht.


Samstag, 25. Oktober 2014

Israel bricht dem Herrn die Treue

Manchmal beeindruckt es mich, dass der islamische oder christliche Glaube über Hunderte von Jahren aufrecht erhalten werden konnte und heute noch Millionen Menschen überzeugt. Und das, obschon heute niemand auch nur den Hauch einer Chance hat, zu überprüfen, ob das, was in der Bibel steht, historischen Tatsachen entspricht.

Nimmt man die Bibel wörtlich, - und das tun Christen ja - hat das Volk Israel im Alten Testament Wunder um Wunder erlebt, Gott immer und immer wieder live erfahren und erlebt. Das wär' dann eine massiv eindrucksvollere Ladung Gott, als wir das 2000 Jahren nach allen biblischen Geschehnissen noch im Alltag real (nicht emotional) erleben können.

Ist es dann nicht erstaunlich, dass es gerade mal ein, zwei Generationen brauchte, ehe das Volk Israel im Kollektiv sich wieder von Gott verabschiedete und nichts mehr von ihm wissen wollte? Es wäre weniger erstaunlich, wären in dieser Zeit alle zu Atheisten geworden und hätten natürliche Erklärungen für die vermeintlichen Wunder, die ihre Vorfahren erlebt und sicherlich auch erzählt hatten, gefunden. Doch stattdessen sollen die Israeliten wieder anderen Götter nachgegangen sein.

Montag, 20. Oktober 2014

Alles eine Frage des Gehorsams?

Wenn man das Alte Testament liest, fällt einem auf, dass es mit dem Volk Israel ein ständiges Auf und Ab war. Und immer wird das durch den Schreiber damit in Zusammenhang gebracht, dass das Volk Gott gehorchte und das tat, was ihm gefiel, oder eben nicht. Schon bei Moses Zusammenstellung der Flüche und Segen wurde deutlich, dass sich das Volk Gottes Segen sozusagen verdienen konnte, indem es ihm gehorchte und Gott gefällige Dinge tat. Umgekehrt dauert es jeweils nicht lange und das Volk wird unterdrückt durch Feinde, verliert entscheidende Schlachten oder ähnliches.

Kein Wunder war (und ist es z.T. vielleicht heute noch) in den Augen vieler Christen klar, dass bei schweren Krankheiten irgendwelche Sünden im Spiel sein mussten. Einfach so lässt Gott ja wohl keines seiner Schäfchen krank werden. In den heutigen Wohlfühl-Kirchen ist das nicht mehr die gängige Einstellung. Viel zu oft würde man anecken, kann der Krebs doch auch die Frömmsten treffen (und tut es auch). Was allerdings kaum einen daran hindert, Gott die Ehre zu geben, wenn jemand ein hohes Alter einigermassen gesund erreicht hat.

Das erinnert mich an einen Spruch, den ich kürzlich gelesen habe:

Geht beim medizinischen Eingriff alles gut, ist es auf göttliche Unterstüzung zurück zu führen. Geht der Eingriff schief, war es medizinisches Versagen. 

"Gott hatte einen anderen Weg" ist allerdings auch noch eine beliebte Begründung von menschlichen Pechsträhnen.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

...und es geht genau gleich weiter.

Als Josua gestorben war, fragten die Israeliten den Herrn: »Welcher Stamm soll als erster losziehen und die Kanaaniter angreifen?«

Ein toller Start ins Buch Richter. Das Bekriegen im Namen des Herrn geht weiter, nachdem schon das Buch Josua nicht viel anderes beinhaltete als Gemetzel. Und wieder wird deutlich, dass der Gott des Alten Testaments nicht das war, was das Neue Testament aus ihm machte. Yawhe war ganz klar ein israelitischer Gott, der dem Volk half, seine Feinde Nachbarn zu bekämpfen.

Kommt mit! Helft uns, die Kanaaniter aus dem Gebiet zu vertreiben, das uns zugeteilt wurde!

Freitag, 10. Oktober 2014

GEO EPOCHE: Das Heilige Land

Ich habe vor einiger Zeit geschrieben, dass ich mir ein paar ältere Ausgaben von GEO EPOCHE bestellt habe. Die Ausgabe 45 "Das Heilige Land - Das Zeitalter der Bibel von 1200 vor bis 200 nach Christus" kann ich wärmstens empfehlen. Jedenfalls denjenigen, die nicht schon breiteres Wissen über die geschichtlichen Hintergründe der biblischen Zeit haben.

Insbesondere lege ich das Magazin allen überzeugten Christen ans Herz. Wenn ihr auch nur einen Funken Interesse daran habt, über den vom Prediger definierten Tellerrand hinweg zu gucken und etwas fundierteres über euren Glauben und das Buch der Bücher zu erfahren, dann ist diese GEO EPOCHE-Ausgabe genau richtig.

In vielseitigen, nicht zu langen Aufsätzen werden diverse Themen beleuchtet. Nicht abschliessend, nicht bis ins Detail wissenschaftlich fundiert. Aber doch mit vielen nachlesbaren Zitaten und weiterführenden Literaturempfehlungen ausstaffiert, dass es nicht nur subjektive Thesen sind. Ein tolles Magazin. Mit sensationellen 3D-Rekonstruktionen des Tempels von Jerusalem. Schon eindrücklich, was man damals schon zu bauen im Stande war. Faszinierend.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Buch Josua: Blutiges Fazit

Gerade habe ich das Buch Josua fertig gelesen. Ein Buch zum Vergessen, wenn mich jemand fragt. Im Wesentlichen geht es in Josua darum, wie Gott die Versprechen, die er Mose und dem Volk bezüglich Landeinnahme gab, erfüllte. Das Volk Israel erobert das Gebiet, das der Herr angeblich vorsah. So weit, so gut.

Von einem so grossen Gott könnte man erwarten, dass er solches mit göttlicher Kraft tut, zum Beispiel indem er durch Dürren die derzeitigen Bewohner dazu bringt, das Feld zu räumen. Oder indem er durch irgendwelche zauberhaften Gründe alle in andere Regionen ziehen lässt. So was müsste doch möglich sein.

Aber nein, Schlacht um Schlacht, Krieg um Krieg, Gemetzel um Gemetzel, Völkermord um Völkermord kämpfen sich die Israeliten durch das Gebiet. Von Stadt zu Stadt ziehen sie in ihrem Blutrausch, legitimiert und gestärkt durch den Glauben, dass das alles gottgewollt ist. Nur wer davon ausgeht, dass es sich bei den bekämpften Völkern nicht gleichwertige Nachfahren von Adam und Eva handelt, kann in der Lage sein, eine Stadt nicht nur zu erobern und die Soldaten zu töten, sondern auch noch jeden Greisen, jede Frau und alle Kinder, ja oftmals sogar jegliches tierisches Leben auszulöschen. Mit dem Schwert. In akribischer Handarbeit.

Dieser Gott ist Mittel zum Zweck. Und damit keinen Deut besser als vergleichbare Märchenfiguren aus römischen, hellenistischen oder anderen Kulturen. Missbrauch der Naivität des Volkes durch einzelne charismatische Alpha-Typen war offenbar damals schon verbreitet.

Wäre ich ca. 3000 Jahre früher geboren und zufällig ein Bewohner von Jericho, Ai, Makkeda, Libna, oder einer von ganz vielen dutzend anderen Städten gewesen, das Wesen, aus dem später der christliche Gott wurde, hätte mich durch die Schwerter seines auserwählten Volkes abgeschlachtet.

Dieser Typ soll heute liebender Vater, guter Hirte und barmherziger Gott sein? Klar doch.