Sonntag, 5. Oktober 2014

Buch Josua: Blutiges Fazit

Gerade habe ich das Buch Josua fertig gelesen. Ein Buch zum Vergessen, wenn mich jemand fragt. Im Wesentlichen geht es in Josua darum, wie Gott die Versprechen, die er Mose und dem Volk bezüglich Landeinnahme gab, erfüllte. Das Volk Israel erobert das Gebiet, das der Herr angeblich vorsah. So weit, so gut.

Von einem so grossen Gott könnte man erwarten, dass er solches mit göttlicher Kraft tut, zum Beispiel indem er durch Dürren die derzeitigen Bewohner dazu bringt, das Feld zu räumen. Oder indem er durch irgendwelche zauberhaften Gründe alle in andere Regionen ziehen lässt. So was müsste doch möglich sein.

Aber nein, Schlacht um Schlacht, Krieg um Krieg, Gemetzel um Gemetzel, Völkermord um Völkermord kämpfen sich die Israeliten durch das Gebiet. Von Stadt zu Stadt ziehen sie in ihrem Blutrausch, legitimiert und gestärkt durch den Glauben, dass das alles gottgewollt ist. Nur wer davon ausgeht, dass es sich bei den bekämpften Völkern nicht gleichwertige Nachfahren von Adam und Eva handelt, kann in der Lage sein, eine Stadt nicht nur zu erobern und die Soldaten zu töten, sondern auch noch jeden Greisen, jede Frau und alle Kinder, ja oftmals sogar jegliches tierisches Leben auszulöschen. Mit dem Schwert. In akribischer Handarbeit.

Dieser Gott ist Mittel zum Zweck. Und damit keinen Deut besser als vergleichbare Märchenfiguren aus römischen, hellenistischen oder anderen Kulturen. Missbrauch der Naivität des Volkes durch einzelne charismatische Alpha-Typen war offenbar damals schon verbreitet.

Wäre ich ca. 3000 Jahre früher geboren und zufällig ein Bewohner von Jericho, Ai, Makkeda, Libna, oder einer von ganz vielen dutzend anderen Städten gewesen, das Wesen, aus dem später der christliche Gott wurde, hätte mich durch die Schwerter seines auserwählten Volkes abgeschlachtet.

Dieser Typ soll heute liebender Vater, guter Hirte und barmherziger Gott sein? Klar doch.

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