Samstag, 25. Oktober 2014

Israel bricht dem Herrn die Treue

Manchmal beeindruckt es mich, dass der islamische oder christliche Glaube über Hunderte von Jahren aufrecht erhalten werden konnte und heute noch Millionen Menschen überzeugt. Und das, obschon heute niemand auch nur den Hauch einer Chance hat, zu überprüfen, ob das, was in der Bibel steht, historischen Tatsachen entspricht.

Nimmt man die Bibel wörtlich, - und das tun Christen ja - hat das Volk Israel im Alten Testament Wunder um Wunder erlebt, Gott immer und immer wieder live erfahren und erlebt. Das wär' dann eine massiv eindrucksvollere Ladung Gott, als wir das 2000 Jahren nach allen biblischen Geschehnissen noch im Alltag real (nicht emotional) erleben können.

Ist es dann nicht erstaunlich, dass es gerade mal ein, zwei Generationen brauchte, ehe das Volk Israel im Kollektiv sich wieder von Gott verabschiedete und nichts mehr von ihm wissen wollte? Es wäre weniger erstaunlich, wären in dieser Zeit alle zu Atheisten geworden und hätten natürliche Erklärungen für die vermeintlichen Wunder, die ihre Vorfahren erlebt und sicherlich auch erzählt hatten, gefunden. Doch stattdessen sollen die Israeliten wieder anderen Götter nachgegangen sein.

Warum verabschiedet sich jemand von einem Gott und geht schnurstracks zum nächsten? Natürlich, es gibt auch heute Menschen, die von einer zur anderen Religion konvertieren. Aber das sind in der Regel individuelle Motive, die dazu führen. Und es ist nicht so, dass gleich sippenweise konvertiert wird, geschweige denn ein ganzes Volk.

Glaubt man dem Buch Richter, war aber genau das mehrmals der Fall beim Volk Israel.

Als von seiner (Josuas) Generation keiner mehr lebte, gab es eine neue Generation, die den Herrn weder kannte noch wusste, was er für Israel getan hatte. 11Sie taten, was der Herr verabscheute: Sie dienten anderen Göttern 12und wandten sich ab vom Herrn, dem Gott ihrer Vorfahren, der ihr Volk aus Ägypten befreit hatte. Den Götzen der Völker ringsum liefen sie nach und beteten sie an. Damit forderten sie den Zorn des Herrn heraus. 13Sie kehrten ihm den Rücken und dienten dem Gott Baal und der Göttin Aschera.
Richter 2, 10 - 13

Es werden Richter berufen, was temporär Besserung bringt. Doch das Bild wiederholt sich laut Bibel mehrmals: Israel dreht Gott den Rücken zu und widmet sich anderen Göttern. Warum?

Das Bild erinnert mich an die guten Vorsätze, die man gerne auf Neujahr macht: Mit Rauchen aufhören, mehr Sport, weniger Süssigkeiten, mehr Kontakte, weniger Arbeiten, was auch immer. Meistens scheitert es schon in der ersten, spätestens der zweiten Woche wieder und man fällt in alte Fahrwasser. Ist das vergleichbar mit dem Wegfall von Yahweh der Israeliten?

An den guten Vorsätzen scheitern wir in der Regel immer dann, wenn wir versuchen, aus tief verwurzelten Verhaltensmustern auszubrechen. Die stark verinnerlichten Muster kriegen wir fast nicht weg.

Das könnte auf die Israeliten bezogen bedeuten, dass es die monotheistische Idee von Mose schwer hatte, Fuss zu fassen, weil traditionell einfach ein anderer Glaube tief in der Kultur verankert war. Aus archäologischen Funden wissen wir ja auch, dass der Monotheismus damals etwas Neues war. Neues etabliert sich oftmals nur zögerlich.

Doch auch wenn der Polytheismus sehr starke Wurzeln in der damaligen Menschheit hatte stellt sich die Frage, warum nach der Geschichte und den ganzen geschilderten Erlebnissen, die Israel mit "seinem" neuen monotheistischen Gott hatte, keine prägendere Spuren in den Familien hinterliess und ein Abfall schon nach einer oder zwei Generationen möglich war.

In meinen Augen ist dies ein weiterer (und deutlicher) Hinweis darauf, dass es sich im Gesamten oder zumindest grossen Teilen um Legenden und Mythen handelt, die erstens nicht zeitnah und zweitens nicht wahrheitsgetreu geschrieben wurde. Da darf man vermutlich den Autoren noch nicht einmal einen Vorwurf machen, denn wer weiss schon, ob die damals den Anspruch auf Wahrheit erhoben.

Wenn, dann muss der Vorwurf an die Adresse der Kirche, die per se alles ihr Genehme zur absoluten Wahrheit erklärte, ohne auch nur die geringsten Beweise zu haben.

Es gibt natürlich noch weitere Möglichkeiten, die man allesamt genauer untersuchen müsste. So wäre es auch vorstellbar, dass das beschriebene Auf und Ab tatsächlich so erfolgte. Die Gründe dafür würden dann wohl daran liegen, dass sich der Yahweh-Glaube nur dank den charismatischen Führern Moses, Josua oder anderen behaupten konnte. So gesehen wäre das Volk Israel dann mehr den genannten Alphafiguren gefolgt denn Gott. Ob das Gott glücklicher gemacht hätte?


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