Mittwoch, 15. Oktober 2014

...und es geht genau gleich weiter.

Als Josua gestorben war, fragten die Israeliten den Herrn: »Welcher Stamm soll als erster losziehen und die Kanaaniter angreifen?«

Ein toller Start ins Buch Richter. Das Bekriegen im Namen des Herrn geht weiter, nachdem schon das Buch Josua nicht viel anderes beinhaltete als Gemetzel. Und wieder wird deutlich, dass der Gott des Alten Testaments nicht das war, was das Neue Testament aus ihm machte. Yawhe war ganz klar ein israelitischer Gott, der dem Volk half, seine Feinde Nachbarn zu bekämpfen.

Kommt mit! Helft uns, die Kanaaniter aus dem Gebiet zu vertreiben, das uns zugeteilt wurde!

Die Israeliten betrachteten das Land als ihnen von Gott zugeteilt. Es ist ja schön, dass sich Gott um sein Volk kümmert und dafür schaut, dass es einen Ort zum Leben hat. Aber wenn hinter Yawhe derjenige steckt, der später die Welt so sehr liebte, dass er seinen Sohn sterben liess, damit jeder (!), der an ihn glaubt, errettet wird, wie sehr liebte er denn damals z.B. die Kanaaniter? Wie liebte er all' die Menschen, die in Völker lebten, die die Israeliten ausrotteten, weil sie da waren, wo Gott ihnen Land schenkte? Es geht einfach nicht auf.  Die christliche Gottesfigur ist nicht glaubwürdig.

Ähnlich ist es, wenn Christen sich als Moralapostel aufspielen, als hätten sie selbige erfunden. Dabei ist, nicht zuletzt wegen den kriegerischen Akten ohne Ende, die Bibel alles andere als ein moralisch vorbildliches Buch.

Geschichten, wie die von Kaleb, der demjenigen seine Tochter zur Frau verspricht, der eine bestimmte Stadt erobert und sie dann seinem Bruder Otniel gibt (Richter 1, 12ff), tauchen ab und zu auf.

Nüchtern betrachtet ist es unglaublich: Da reisst sich ein Volk mit eiserner Gewalt und grösster Brutatlität Stadt um Stadt unter den Nagel und behauptet, der HERR hätte es so gewollt. Und die Christen von heute werden keinen Moment skeptisch wegen der rohen, angeblich gottbefohlenen Gewalt an unschuldigen Menschen (die Bibel berichtet ausdrücklich auch, dass Frauen, Kinder und Greise abgeschlachtet wurden), sondern sehen im Gegenteil ein Beispiel von Gottes Führung und Treue in diesen Kriegsgeschichten.

Wenn dir heute einer alle Äpfel vom Baum klaut und behauptet, der HERR hätte ihm diese Äpfel verheissen, würden die Christen den Typen prügelnd aus dem Garten vertreiben. Dass vor dreitausend Jahren ein Volk ganze Ländereien mit gleicher Behauptung ergaunerte, wird keinen Moment hinterfragt.

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