Sonntag, 30. November 2014

Rut

Über Rut könnte man bestimmt einen ganzen Haufen schreiben, daran zweifle ich nicht. Man kann sogar Dinge aus Rut herauslesen, die man da eigentlich gar nicht herauslesen kann. Ich habe hier, hier und hier schon mal davon geschrieben.

In meinen Augen ist Rut nichts anderes als ein Kurzroman aus der damaligen Zeit, der nicht mehr und nicht weniger Bedeutung hat als ein vergleichbarer Roman aus jedem beliebigen Zeitalter.

Darum gehe ich im Moment nicht weiter auf diese Geschichte bzw. das mit vier Kapiteln sehr kurze Buch ein.

Mittwoch, 26. November 2014

Lasst uns Mädchen klauen

Nachdem die israelitischen Stämme dank der Leichenstücke (klar doch) von der Schandtat von Gilea erfuhren, verlangten sie vom Stamm Benjamin (da lag Gilea) die Täter heraus. Der Stamm Benjamin wollte nicht und so kam es zum Bruderkrieg: Benjamin gegen die restlichen Stämme. So geht das im alten Israel.

Erster Angriff - 1:0 für Benjamin, 22'000 Tote
Zweiter Angriff - 2:0 für Benjamin, weitere 18'000 Tote
Dritter Angriff - der Herr schenkt den Sieg gegen Benjamin, 25'000 Tote

Der Stamm ist besiegt. Die Stadt wird in Schutt und Asche gelegt (na, logisch) und alles Leben (wie immer Mensch und Tier) getötet. Macht ganz doll Sinn, oder? Nun, muss Gott natürlich selber wissen, in was für Abgründe er sein auserwähltes heiliges Volk springen lassen will.

Dienstag, 25. November 2014

Vergewaltigt meine Tochter, aber lasst meinen Gast in Ruhe

Liebe Kinder, heute lesen wir eine hübsche Gutenacht-Geschichte aus dem alten Testament.

Ein Levit hat Streit mit seiner Nebenfrau, weshalb diese weg zieht. Der Levit möchte sie aber zurück erobern und geht ihr nach. Ein deutliches Zeichen, dass er sich nicht damit abgeben will, sie zu verlieren.

Auf der Rückreise finden Sie in Gibea Unterschlupf bei einem Fremden. In der Nacht will eine Meute, die nicht genauer beschrieben ist, den Leviten haben. Damit, so steht es in Richter 19, Vers 22, sie ihn vergewaltigen können.

Der Gastgeber fleht die Meute an, seinen Gast in Ruhe zu lassen und - jetzt kommt's - stattdessen seine eigene Tochter (!) und die Frau des Gastes zu nehmen. Er bietet den sexhungrigen Psychopathen draussen tatsächlich seine eigene Tochter an.

Samstag, 22. November 2014

Falls die Simson-Geschichte doch wahr ist

Ich kann meinen biblischen Kinderheld nicht abhaken, ohne ihm noch ein Posting zu gewähren. Denn wenn man davon ausgeht, dass die Geschichte erfunden ist, lesen sich die paar Kapitel ziemlich locker und mit einem Schmunzeln schliesst man die Lektüre mit dem 16. Kapitel des Buches Richter ab.

Doch was wäre, wenn...
Obschon die Geschichte nicht ansatzweise nach Tatsachenbericht klingt und nach jeder menschlichen Vernunft ein Heldenmärchen ist, kann man sich natürlich den Luxus leisten und sich überlegen, was es bedeuten würde, wenn sie doch wahr wäre.

Dann wäre Simson ein physisch starker, ansonsten jedoch nicht nur schwacher, sondern auch ziemlich doofer Mensch. So doof, dass er selbst nach dreimaligem Fragen und anschliessenden Probieren, ob womit man ihn unschädlich machen und fesseln könne, keinen Verdacht schöpft. Die Bibel spricht sogar davon, dass seine Frau Deliah in tagelang ausfragte, womit man ihn fesseln könne, ohne dass er sich zu befreien vermag.

Donnerstag, 20. November 2014

Die Simson-Legende

Simson war eine Art Kindheitsidol für mich. Damals, als Kind, war ich wohl behütet in christlichem Umfeld und hatte fast alle dieser Bibel-Comics "Bibel im Bild" (siehe Bild rechts). Darin faszinierte mich die Geschichte von diesem langhaarigen Muskelprotz, der genügend Kraft hatte, um hunderte von Feinden zu verprügeln oder gar ein Haus einstürzen zu lassen. Im Prinzip war Simson der erste Selbstmordattentäter, mit dem ich konfrontiert wurde. Nachzulesen ist seine Geschichte ab Richter 13.

Als ich etwas älter wurde, stellte ich mir die Szene vor, in der Simson diese tausend Philister verprügelte. Eigentlich tötete er sie ja laut Bibel, aber das ist ein Detail, das aufgrund der Tatsache, dass die Geschichte erfunden ist, keine Rolle spielt. Nun, ich stellte mir das jeweils so vor, wie in den alten Bud Spencer-Filmen. Da wartet der erste Gegner immer brav, bis der erste ausser Kraft gesetzt wurde und er an der Reihe ist. So fliegt einer nach dem andern zum Fenster (oder wo auch immer) raus.

Samstag, 15. November 2014

Jeftah muss seine Tochter opfern, der Depp

Jeftah verspricht dem Herrn in Richter 11 kurz vor dem Kriegszug, dass er ihm das opfern wird, das ihm bei der Rückkehr als erstes entgegen kommt. Die Bibel erzählt uns, dass dies seine Tochter, sein einziges Kinds, war. Und dass er sein Gelübde einlöste.

Natürlich können wir nun diskutieren, ob hier die Rede von einem Menschenopfer ist oder ob es lediglich um die Weihe für den Gottesdienst ging, von dem Jeftah nach jüdischem Recht seine Tochter auch wieder hätte freikaufen können.

Ich glaube ohnehin, dass es sich hier lediglich um eine Schilderung zwecks Steigerung der Dramaturgie handelt und die Geschichte mehr der Fantasie des Schreibers (oder, wie einige vermuten, gar der griechischen Mythologie) entnommen ist.

Wäre sie wirklich wahr, was ich eben nicht glaube, wäre der Herr Jeftah alles andere als ein kluges Köpfchen. Was hat er denn gehofft, komme ihm anderes entgegen als seine Tochter oder seine Frau? Meinte er, der Esel hätte ihn gehört und wäre ihm entgegen galoppiert? Oder ein Huhn würde sich über seinen Anblick so freuen, dass es ihm entgegen hüpft? Es dürfte ziemlich klar sein, dass, was auch immer als erstes auf ihn zu kommt, ein Mensch sein dürfte aus seiner Familie.

Entweder war Jeftah also tatsächlich nicht besonders intelligent oder er liess es bewusst darauf ankommen. "Vielleicht sieht mich ja die Alte zuerst und kommt mich begrüssen, dann kann ich die mal entsorgen."

Mobiltelefone gab's damals leider auch noch nicht, sonst hätte ein Anruf genügt: "Hallo Schatzi, wir kommen vom Krieg zurück, kannst du mal die kranke Kuh rausstellen und mir entgegen jagen? Danke."

Montag, 10. November 2014

Es ist nicht Gott, der Abimelech stoppt

Gideon hatte mehrere Frauen (das schien Gott auch nicht zu stören) und offenbar 72 Söhne. Wenn einer 72 Söhne hat, dann dürfte er auch noch einige Dutzend Töchter haben. Gideon war in gewisser Weise also äusserst fleissig. Und irgendwie war er auch nicht mehr über jeden Zweifel erhaben was seine Treue zu Yahweh angeht. Dass die Israeliten besonders schnell waren, wenn es darum ging, ihrem Gott wieder den Rück zuzukehren, habe ich ja schon kürzlich erwähnt.

Einer seiner Söhne hiess Abimelech. Und der wollte König werden. Die Befehlsmacht, die Gideon hatte, war immer noch in der Familie. Aber da waren natürlich gut siebzig Nasen, die führen konnten. Also tötete Abimelech alle seine Brüder. Nur der jüngste konnte fliehen. Dann war er sozusagen der erste König. Natürlich gibt's da noch das eine oder andere Detail im Ablauf, aber grob gesagt war es das.

Mittwoch, 5. November 2014

Gib mir ein Zeichen, wie damals bei Gideon

Gideon gehört zweifelsohne zu den bekannteren Figuren des Alten Testaments. Die Legende, wonach er mit gerade mal 300 Mann ein um ein Vielfaches grösseres feindliches Heer besiegte, zeigt hervorragend, was denen möglich ist, die Gott auf ihrer Seite haben. Zerbrechende Krüge, Fackeln in der einen und das Signalhorn in der anderen Hand - mehr brauchte es nicht, um die Feinde in ein heilloses Durcheinander zu stürzen und sich gegenseitig zu bekämpfen.

Doch was diesem Befreiungsschlag voran ging, dafür ist Gideon ebenso bekannt. Er war der jüngste der Familie und konnte es nicht so recht glauben, als der Herr ihm mitteilte, was er mit ihm vorhabe. Er wollte ein Zeichen, und das mehrmals. Damit ist Gideon wohl näher an vielen heutigen Christen als irgendeine andere biblische Figur.

Wie viele Christen haben sich schon von Gott Zeichen im Stile von Gideon gewünscht, bei dem auf seinen Wunsch hin einmal die Wolle taunass, der Boden trocken war und dann nochmals umgekehrt.