Samstag, 22. November 2014

Falls die Simson-Geschichte doch wahr ist

Ich kann meinen biblischen Kinderheld nicht abhaken, ohne ihm noch ein Posting zu gewähren. Denn wenn man davon ausgeht, dass die Geschichte erfunden ist, lesen sich die paar Kapitel ziemlich locker und mit einem Schmunzeln schliesst man die Lektüre mit dem 16. Kapitel des Buches Richter ab.

Doch was wäre, wenn...
Obschon die Geschichte nicht ansatzweise nach Tatsachenbericht klingt und nach jeder menschlichen Vernunft ein Heldenmärchen ist, kann man sich natürlich den Luxus leisten und sich überlegen, was es bedeuten würde, wenn sie doch wahr wäre.

Dann wäre Simson ein physisch starker, ansonsten jedoch nicht nur schwacher, sondern auch ziemlich doofer Mensch. So doof, dass er selbst nach dreimaligem Fragen und anschliessenden Probieren, ob womit man ihn unschädlich machen und fesseln könne, keinen Verdacht schöpft. Die Bibel spricht sogar davon, dass seine Frau Deliah in tagelang ausfragte, womit man ihn fesseln könne, ohne dass er sich zu befreien vermag.

Obschon er ja laut biblischer Überlieferung ein Richter Israels war und damit wenigstens ansatzweise über Cleverness und Intelligenz verfügen sollte, war er sich scheinbar nicht bewusst, dass seine Gewalttaten Israel nicht helfen, sondern höchstens weitere Gewalt seitens der Philister hervorrufen würde.

Man müsste ihm zudem unterstellen, dass es mit seiner Moral nicht besonders weit her war, weil er eine Wette einging mit einem Einsatz, von dem er genau wusste, dass er ihn nicht zu erfüllen im Stande war. Das war ja der Grund, weshalb er später dreissig Philister tötete und ihnen die Kleider abnahm. Muss ja ein ziemlich tolles Vorbild gewesen sein, Richter Simson.

Als Nasiräer war Simson sehr strengen Regeln unterstellt. Ein Nasiräer durfte sich zum Beispiel keinem Toten (auch nicht verstorbenen Verwandten) nähern oder sie gar berühren. Er hingegen war selber dafür verantwortlich, dass hunderte Philister starben. Allein tausend soll er persönlich erschlagen haben. Ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob es keine Probleme mit den Reinheitsgeboten gibt, wenn man in einen Löwenkadaver fasst, sich aus dem darin eingenisteten Bienenstock Honig holt und diesen auch noch isst.

Natürlich war es Simson hoch anzurechnen, dass er... lasst mich zählen... mindestens 4'030 Philister umbrachte. Aber nur, wenn man Mord und Totschlag an anderen als gute Leistung anschaut.

Heute würde Simson wohl als schwanzgesteuerter Rambo ohne Grips in der Birne bezeichnet.

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