Dienstag, 30. Dezember 2014

Angst ist ein schlechter Ratgeber

»Mein Junge, was hat Gott dir gesagt?«, wollte er wissen. »Du musst mir alles genau berichten! Gott soll dich schwer bestrafen, wenn du mir auch nur ein Wort verheimlichst.«
1. Samuel 3, 16 + 17

Was für ein pädagogischer Schwachkopf muss dieser Eli gewesen sein? Erstens zwingt er den Jungen, Dinge zu verraten, die ihn einen feuchten Dreck angehen. Hätte Gott gewollt, dass Eli diese Infos erhält, hätte er sie ihm mitgeteilt. Zweitens setzt er den Jungen psychisch unter Druck, indem er ihm göttliche Strafe androht. Als ob er, Eli, darüber zu entscheiden hätte, wen und wann Gott wie bestrafen soll. Er macht dem Jungen Angst, indem er seine religiöse Naivität ausnutzt.

Leider wohl ein Geschehnis, das auch heute noch in ähnlicher Form täglich vorkommt.

Angst ist ein schlechter Ratgeber - so lautet ein Sprichwort, das ich zu lieben gelernt habe. Denn es passt so schön zur christlichen Religion. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob die meisten Kirchengänger beim Christentum bleiben, weil sie sich auf das Himmelreich freuen oder weil sie sich vor der Hölle fürchten.

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Erziehung

Beide sind etwas über 60. Und beide sind fromm. Oder geben sich zumindest so. Sie sind ein Ehepaar und haben drei erwachsene Kinder. Sagt man denen dann immer noch Kinder? Egal. Sie sind beide stolz darauf, dass alle ihrer Kinder heute in einer christlichen Kirche aktiv sind. Für sie klar ein Zeichen, dass ihre Erziehung erfolgreich war. Für mich lediglich ein Zeichen dafür, dass ihre Gehirnwäsche funktionierte und die drei (noch) nicht angefangen haben, selber zu denken. Aber auch das ist für das, was ich schreiben will, egal.

Wir kommen auf Erziehung zu sprechen und ich versuche, nicht spöttisch zu klingen als ich frage, ob sie ihre Kinder denn nach biblischen Richtlinien erzogen hätten. Die beiden strahlen. Natürlich hätten sie sich in allem, auch in der Erziehung, nach Möglichkeit an die Richtschnur gehalten, die Gott in seinem Wort gegeben hat.

Ich: "Also habt ihr sie mit dem Stock erzogen?"

Sonntag, 21. Dezember 2014

Nix für die Kinder

Kürzlich habe ich mit einer Frau gesprochen, die vor dreissig oder vierzig Jahren in der Sonntagsschule einer Freikirche unterrichtete. Sie gestand mir, dass sie damals vielfach eine Bastelstunde einlegte wenn vom Schulplan her irgendwelche brutalen, kriegerischen Geschichten aus dem Alten Testament dran waren. Das hätte immer wieder Diskussionen mit dem Hauptverantwortlichen gegeben, weil dieser fand, man müsse alles in der Bibel kennen und nicht die Geschichten raus picken, die einem gefielen.

Nun ist der Dame natürlich zu Gute zu halten, dass sie den Kleinen ihrer Kirche keine Albträume zumuten wollte. Allerdings sollte es einem schon zu denken geben, wenn man meint, man müsse Teile des Buches, das angeblich von Gott kommt, vor Kindern verheimlichen. Ist es tatsächlich so, dass man einen Glauben vertreten kann, der sich massgeblich an einem einzigen Buch orientiert und in dem Geschichten erzählt werden, die man den Kindern nicht zumuten will? Ist das tatsächlich der Fall? Es ist für mich als mittlerweile Atheisten so wahnsinnig seltsam, dass ich diese Frage nicht genug oft wiederholen kann. Basiert dein Glaube auf einem Buch, dessen Inhalt du zu wesentlichen Teilen deinen Kindern nicht zumuten willst?

Leider ist es tatsächlich so, dass man für lange Zeit im Gefängnis landen würde, wenn man sich so verhielte, wie es damals angeblich Gott den Israeliten vorschrieb. Da schreien die Christen regelmässig auf wegen der Brutalität der islamischen Sharia und vergessen dabei, dass sie selber nur weniger brutal sind, weil sie sich nicht mehr an den Gesetzen des Alten Testaments orientieren.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Ich will mal einen richtigen Moses-Film

Schauspieler Christian Bale scheint kein besonders intelligentes Köpfchen zu sein. Der Batman-Darsteller hat die Hauptrolle in der bibelorientierten Moses-Verfilmung übernommen. Der sicherlich grossartig episch produzierte Ridley Scott-Film ist bei Farbigen und selbsternannten Rassismusexperten bereits vor der Veröffentlichung im Verruf, weil offenbar alle Helden im Film von Weissen dargestellt werden, als würde die Geschichte in Mitteleuropa oder Nordamerika spielen, und gleichzeitig die Bösewichte, Sklaven und das einfache Fussvolk von dunkelhäutigen Komparsen und Schauspielern verkörpert werden. Das ist sicherlich peinlich, aber verständlich, wenn das Zielpublikum wohl in den US-Staaten sitzt und sicherlich gerne Seinesgleichen als Helden sieht.

Anlässlich der Vorstellung seiner Rolle soll nun Christian Bale gesagt haben, dass er Gott und den Glauben für eine unerschütterliche Wahrheit halte und dass man den Glauben, genau so wie das Fahrradfahren, nie verlernen könne. Stimmt wohl, wenn man's schon als Kind indoktriniert bekommt.

Weiter meint Bale, dass vor allem seine Kinder ihn daran erinnern, dass es Dinge gebe, die die menschliche Wahrnehmung übersteigen. Und dann, jetzt kommt's: "Ich weiss, es gibt wissenschaftliche Erklärungen für ihre Existenz, aber für mich bleibt es ein Wunder." Aha, prima. Du weisst, dass es eine Erklärung gibt. Aber du verstehst sie nicht, deshalb ist es ein Wunder?

Lieber Christian Bale, selbstverständlich kannst du als Wunder bezeichnen, was immer dir beliebt. Man kann auch der Meinung sein, ein Smartphone sei ein Wunder, obschon es technische Erklärungen gibt. Auch ist es wohl so, dass es wenige Menschen geben mag, die das "Wunder" wirklich erklären können und das "Wunder" somit die durchschnittsmenschliche Wahrnehmung übersteigt. Aber ist die Tatsache, dass du und ich etwas nicht verstehen oder nachvollziehen können, schon genug, um die Existenz eines Gottes (welchen denn überhaupt?) zu beweisen?

Mir wäre es recht, wenn mal ein Moses-Film gedreht wird, der sich nicht an dem orientiert, was in der Bibel schwarz auf weiss steht, sondern was sich zwischen den Zeilen heraus lesen lässt. Ein Film, der nicht das zeigt, was die Bibel erzählt, sondern das, was möglicherweise dazu geführt hat, dass das, was heute in der Bibel steht, eben da steht.

Heraus käme vermutlich ein Film, der uns aufzeigt, wie Moses - wenn es ihn gab - versuchte, ein wachsendes Volk von Nomaden und Aufständischen zu organisieren und bändigen. Wie er zu diesem Zweck Rituale schuf und Gebote erstellte, und wie er diese schliesslich, um die endgültige Akzeptanz und Macht zu erhalten, als von Gott gegeben bezeichnete. Wie Yahweh nach und nach Gestalt annahm, immer konkreter wurde, sich verstärkt einmischte - natürlich immer über den Priester und Pseudo-Propheten Moses und seine Familie, allen voran seinen Bruder Aaron. Und wie schliesslich aus einer Sozialkomponente namens Yahweh ein Kriegsgott und noch später das fiktive Oberhaupt der bis heute grössten Religion wurde.

Unsere Welt braucht Aufklärung, keine gefühlte 583. Verfilmung eines biblischen Märchens.

Quelle: kathpress.co.at

Montag, 15. Dezember 2014

Vergebung? Niemals!

Gott vergibt alle unsere Schulden, so predigt es die Kirche, so sagt es die Bibel. Zumindest im Neuen Testament, glaube ich zu wissen. Im Fall von Eli, dem Priester und Ziehvater von Samuel, macht Gott aber offensichtlich eine Ausnahme. Da gilt das mit der bedingungslosen Liebe und Vergebung aller Schuld nicht.

Ich habe geschworen: Weder durch Tieropfer noch durch andere Opfergaben sollen die Nachkommen Elis diese Schuld je wieder gutmachen können!«
1. Sam. 3, 14

Nun kann es sich der fantasievolle Mensch durchaus vorstellen, dass es möglicherweise Sünden gibt, die als Ausnahmefall gehandhabt und nicht vergebbar sind.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

So wenig Wert hat ein göttliches Versprechen

Manchmal versprechen wir unseren Kindern voreilig irgendwelche Dinge, z.B. dass sie sich heute Abend einen Film anschauen dürfen. Durch unvorhergesehene Ereignisse ist dann später nicht mehr möglich, das Versprechen einzuhalten. Dann liegen uns die Kinder in den Ohren: "Ihr habt es aber versprochen".

Ich nehme mir zwar immer wieder vor - gerade wegen dieser Erfahrung - keine Versprechen solcher Art mehr zu geben und von vornherein zu sagen: "Wenn wir nicht zu spät heimkommen und nichts dazwischen kommt, dann dürft ihr noch einen Film schauen."

Kennt ihr dieses Problem auch? Ich bin froh, wenn ich mit diesem Dilemma nicht alleine bin. Seit der Zeit, als Yahweh in den Mose-Büchern ständig hin und her schwankte zwischen Volk retten und Volk verfluchen, weiss ich, dass auch Gott manchmal in ähnlicher Situation war. Und auch im ersten Samuel-Buch gibt's dafür ein Beispiel:

Freitag, 5. Dezember 2014

Sehnlichst gewünscht, dann wieder weggegeben

Nicht zum ersten Mal begegnet uns eine kinderlose, offenbar unfruchtbare Frau. Diesmal heisst sie Hanna. Sie flehte zu Gott:

Wenn du Erbarmen mit mir hast und mich nicht vergisst, sondern mir einen Sohn schenkst, will ich ihn dir zurückgeben. Sein ganzes Leben soll dann dir, Herr, gehören. Als Zeichen dafür werde ich ihm nie die Haare schneiden.«
1. Samuel 1, 11

Haare schneiden? Hatten wir das nicht schon bei Simson? Das war damals ein Zeichen des Nasiräertums, der Gottgeweihten. Mit übernatürlicher Kraft hatte das nichts zu tun. Auch nicht bei Simson. Aber bleiben wir bei Samuel.

Dem armen Jungen wurde leider mit diesem Gelübde der verzweifelten Mutter jegliches Recht auf Selbstbestimmung genommen. Ungefragt wird über seine Zukunft, seine Kindheit, sein Leben bestimmt. Wie traurig.