Dienstag, 30. Dezember 2014

Angst ist ein schlechter Ratgeber

»Mein Junge, was hat Gott dir gesagt?«, wollte er wissen. »Du musst mir alles genau berichten! Gott soll dich schwer bestrafen, wenn du mir auch nur ein Wort verheimlichst.«
1. Samuel 3, 16 + 17

Was für ein pädagogischer Schwachkopf muss dieser Eli gewesen sein? Erstens zwingt er den Jungen, Dinge zu verraten, die ihn einen feuchten Dreck angehen. Hätte Gott gewollt, dass Eli diese Infos erhält, hätte er sie ihm mitgeteilt. Zweitens setzt er den Jungen psychisch unter Druck, indem er ihm göttliche Strafe androht. Als ob er, Eli, darüber zu entscheiden hätte, wen und wann Gott wie bestrafen soll. Er macht dem Jungen Angst, indem er seine religiöse Naivität ausnutzt.

Leider wohl ein Geschehnis, das auch heute noch in ähnlicher Form täglich vorkommt.

Angst ist ein schlechter Ratgeber - so lautet ein Sprichwort, das ich zu lieben gelernt habe. Denn es passt so schön zur christlichen Religion. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob die meisten Kirchengänger beim Christentum bleiben, weil sie sich auf das Himmelreich freuen oder weil sie sich vor der Hölle fürchten.

Schon mit simplen Sätzen wie "Gott sieht alles was du tust" werden Kinder christlicher Eltern psychisch unter Druck gesetzt. Wer schlechte Dinge tut oder auch nur schon denkt, sündigt. Und der Sünder Lohn ist die Hölle. So was macht Angst. Natürlich haben die Christen die Patentlösung dagegen: Der Glaube an Jesus befreit von Sünde. Doch Angst ist nicht etwas, das sofort weg ist und nie mehr wieder kommt. Im Gegenteil. Wer einmal Schlimmes erlebt hat, der fürchtet sich immer wieder davor, dass es wieder geschieht. Auch wenn die Angst rational gesehen völlig unbegründet ist.

Die Angst vor der Hölle ist, da bin ich mir sicher, ein triftiger Grund, am Glauben festzuhalten. Und je früher diese Höllenangst im Kopf eines Menschen platziert wird, desto schwieriger dürfte es sein, wieder davon weg zu kommen.

Wer deshalb an der Bibel zweifelt, aber zu wenig Mut hat, sich wirklich damit auseinander zu setzen, weil sich diese Angst immer wieder meldet, der sollte die Sache meiner Meinung nach anders angehen. Ich empfehle aufgrund eigener Erfahrung, die Bibel aufmerksam von vorne bis hinten zu lesen. Allerdings sollte dies ohne christliche Leseanleitungen oder Auslegungen geschehen, sondern allein mit dem gesunden Menschenverstand. Wer dies aufmerksam tut, dabei die rosafarbene Christenbrille absetzt und stattdessen sich vor Augen führt, was diese Verse denn wirklich bedeuten, über die Geschichte, über Gott aussagen und wie viel Sinn (oder eben nicht) darin steckt, der wird bald merken, dass da was faul sein muss. Dem wird auffallen, dass der Yahweh aus dem Alten Testament dermassen andere Charaktereigenschaften aufweist als der Gott, den uns das Neue Testament verkaufen will, dass es sich dabei entweder nicht um den gleichen Gott handelt oder dieser eine Wesensveränderung durchmachte.

Nach und nach wird man realisieren, wie dieser Yahweh, den Mose predigte und den seine Nachkommen übernahmen, nicht mehr und nicht weniger ist als eine simple Alternative zu den damals bestehenden Göttern anderer Völker. Man wird auch feststellen, wie die ganze Lehre von Gott nach und nach weiter entwickelt wurde, detailierter und komplexer wurde. Es wird einem auffallen, dass die Hölle lange, lange nicht mal ansatzweise ein Thema war und allein schon deshalb vieles dafür spricht, dass sie nicht existiert. Man wird sich fragen, warum Gott nicht schon bei Mose die Hölle ins Spiel brachte, wo sie doch ein derart gutes Druckmittel war. Und es war Gott beileibe nicht fremd, Druckmittel wie Flüche und Strafen ins Spiel zu bringen.

Wenn alles gut geht, wird man irgendwann ziemlich sicher sein, dass die Bibel eine hübsche Sammlung von jüdischen und vielleicht römischen Märchen und Legenden ist, aber sicher kein historisch bedeutendes Buch. Und schon gar nicht vom Himmel gefallenes Wort Gottes.

Und wer dann trotz allem immer noch ein bisschen daran glaubt, dass es eine Hölle gibt, der dürfte wohl auch daran glauben, dass es hinter den sieben Bergen ein Zwergenland gibt.


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