Dienstag, 15. Dezember 2015

Die Ausrottung der Ungläubigen

Die christliche Seite jesus.ch präsentiert auf Facebook mehr oder weniger täglich einen "mutmachenden" Bibelvers, der den Gläubigen sozusagen als Motivationsspritze und Inspiration dienen soll. Gemäss dem hpd haben die Verantwortlichen kürzlich aber in die Scheisse gegriffen.

Wie bitte? Kann man überhaupt Scheisse finden, wenn man in "Gottes" Wort sucht? Oh ja, kann man. Sogar haufenweise.



Wer beim Lesen das Hirn einschaltet, merkt beim Lesen dieser Zeilen sofort: Da ist ganz viel Hass, Schadenfreude und Mordlust dabei. Wie sonst ist zu erklären, dass das Zusehen beim Ausrotten als Belohnung für Treue und Durchhaltewille präsentiert wird.

Mittwoch, 25. November 2015

Jerusalem: Das Zentrum aller Völker

«Ich, der Herr, sage: Schaut euch Jerusalem an! Ich habe es zum Mittelpunkt aller Völker und Länder gemacht,» ‭‭Hesekiel‬ ‭5:5‬ ‭HFA‬‬

Dieser Vers mag tatsächlich die Meinung Hesekiels vertreten (eigentlich die Meinung Gottes, mag der bibelgläubige Christ einwenden, aber damit wird das folgende nur noch seltsamer). Jerusalem hat wohl unbestritten grosse Tage gehabt und galt als Zentrum. Aber man muss nicht Geschichte studieren, um zu bemerken, dass es eines von vielen Zentren war, nicht DAS Zentrum. Man muss geografisch nicht weit suchen, um festzustellen, dass es auch andere Zentren gab, die mächtig und einflussreich waren. Erst recht, wenn man über das für die Israeliten erreichbare Gebiet sucht.

Ich denke da nur mal an die Kultur der südamerikanischen Völker. Ihre Zentren, die jahrhunderte in Vergessenheit gerieten, sind für die Menschen dort sicherlich von grösserer Bedeutung gewesen, als das jüdische Jerusalem, von dem sie vermutlich nicht mal ahnten, dass es existiert. Bestimmt gab es zur Zeit des Alten Testaments viele weitere grosse Zentren, die den Israeliten nicht bekannt waren.

Diese Völker, das wissen wir heute, hatten keine Berührungspunkte mit den Israeliten und ihrer Kultur. Sie wussten nichts von ihrem Yahweh-Gott und hatten ganz andere Mythen und Legenden, die von der Entstehung der Welt, herrschenden Gottheiten und vielleicht dem Sinn des Lebens handelten.

Sonntag, 22. November 2015

Einfach zu manipulieren

Keiner von euch sagt: ›Wir sollten dem Herrn, unserem Gott, mit Ehrfurcht begegnen! Denn er sendet uns den Herbst- und Frühjahrsregen zur rechten Zeit und lässt Jahr für Jahr die Früchte reifen, damit wir sie ernten können.‹ Aber nun sind Regen und Ernte ausgeblieben, weil ihr so viel Schuld auf euch geladen habt. (‭Jeremia‬ ‭5‬:‭24-25‬ HFA)

Ein Volk, das glaubt, dass Gott persönlich den Regen jeweils rechtzeitig schickt oder ihn aus Strafe zurück behält, muss wahrlich leicht zu manipulieren gewesen sein.

Ausbleibender Regen soll die Folge von Schuld sein? Und die Menschen glaubten das vorbehaltlos? Da hatten die Propheten - egal welches Glaubens - ja extrem leichtes Spiel.

Wie befreiend, wenn man weiss, dass keinen übergeordneten Spielemacher gibt, der mal Gutes, mal Schlechtes über einen kommen lässt, sondern alles eine Folge von bestimmten nachvollziehbarer Ursachen oder schlicht Zufall ist.

Freitag, 20. November 2015

Nutzlose Götter

Jeremia versucht, das Volk zurück zu Yahweh zu führen. Offenbar sind die meisten Israeliten von "ihrem" Gott zum damals populäreren und scheinbar auch weiter verbreiteten Baal gelangt. Der Prophet versucht, die negativen Geschehnisse damit in Verbindung zu bringen und predigt, dass alles besser würde, wenn das Volk zu Yahweh zurück kommt.

Es ist wahr: Die Götter, zu denen wir auf den Hügeln laut geschrien haben, helfen uns nicht. Nur bei dir, Herr, dem Gott Israels, finden wir Rettung! (‭Jeremia‬ ‭3‬:‭23‬ HFA)

Die Bibel will uns weismachen, dass zumindest einige des Volkes eine solche Bemerkung gemacht haben. Ich persönlich muss nicht glauben, dass das wirklich so war. Aber wer die Bibel als heiliges Wort Gottes liest, muss das sehr wohl so glauben, wie es da steht.

Wie schnell ist der Vers überlesen, mit einem leichten Kopfnicken und den Gedanken im Hinterkopf: "Ja, wie wahr, nur ER bietet die Rettung"

Sonntag, 15. November 2015

Jeremia politisiert

Ein Prophet zu sein, dem die Menschen nicht zuhören, ist frustrierend. Wer als Prophet oder Prediger arbeitet, ist darauf angewiesen, dass wenigstens ein Teil der Menschen das hören will, was man zu sagen hat. Ansonsten wird es schwierig, sich durchs Leben zu schlagen, genug zu Essen und Trinken zu haben. Das ist noch heute so und war mit Sicherheit auch zur Zeit der biblischen Propheten der Fall.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Propheten so einiges einfallen lassen, um die Gunst der Zuhörer zu erhalten. Zeiten von Krieg, Unterdrückung, Uneinigkeit, Dürren und dergleichen sind da besonders hilfreich. Denn wie jeder Prophet verspricht auch Jeremia den Menschen zahlreiche Vorteile, wenn sie wieder dem "einen" Gott Yahweh nachfolgen und sich von den übrigen Göttern (die übrigens die meisten schon lange vor Yahweh da waren), allen voran Baal, los sagen würden.

Erfolgreiche Schlachten gegen die Feinde steht immer weit oben auf der Liste, aber auch die Wiedervereinigung mit dem "bösen Brudervolk Juda" und erntereiche Zeiten werden gerne prognostiziert. Das klingt natürlich verlockend für ein leidgeplagtes Volk, das wohl wirklich daran glaubt, die negativen Erfahrungen, die es macht, kämen von Gott. Es sorgt für eine wachsende Schar von Nachfolgern und verschafft letztlich dem Propheten selbst mehr Bedeutung, Ansehen und vielleicht auch Macht. Es ist der Prophet selber, der davon am meisten profitiert, wenn Yahweh wieder im religiösen Mittelpunkt steht und die Politik bestimmt. Letzteres tut er ja wiederum durch den Propheten, und nur durch ihn. Der Prophet bestimmt somit bei genügend grosser Anzahl Gläubiger, wo's lang geht, wer König wird und was getan werden soll.

Das Phänomen fiel mir schon bei Moses auf, der wie spätere Propheten völlig willkürlich bestimmen und verlangen konnte, was er wollte, weil Gott es ihm angeblich so auftrug. Als Scharlatan werden solche Personen von kritisch denkenden Menschen bezeichnet. Für die, die glauben, sind sie aber grossartige Propheten oder Gurus.

Nun darf natürlich jeder glauben, was er oder sie will. Aber auch der bibelgläubige Christ darf die heiligen Texte gerne mal ein bisschen kritisch lesen und hinterfragen. Es kommt dann nämlich Erstaunliches zu Tage.

Dienstag, 10. November 2015

Es geht nur um Krieg

Doch der Herr sagt: »Nun handle ich! Jetzt greife ich ein und beweise meine Macht! Eure Pläne sind nutzlos wie dürres Stroh, und was dabei herauskommt, ist nicht mehr wert als Stoppeln. Voller Wut speit ihr Feuer, aber es wird euch selbst verzehren. Ja, die feindlichen Völker sollen verbrannt werden, bis nur noch feine, weiße Asche von ihnen übrig bleibt. Es wird ihnen gehen wie dürrem Dornengestrüpp, das man ins prasselnde Feuer wirft. (‭Jesaja‬ ‭33‬:‭10-12‬ HFA)

Der jüdische Gott Yahweh ist ein Kriegsgott. Ich habe anderswo in diesem Blog schon davon geschrieben. Er wurde erfunden und entwickelt, um den Israeliten in Schlachten gegen den Feind zu "helfen", wenn auch nur psychologisch. Der liebe Gott, von dem die Kirche ihren Kindern gerne erzählt, existiert nicht. Er mag einzelne Charaktereigenschaften haben, die für sich alleine betrachtet den Eindruck von Liebe, Grosszügigkeit, Barmherzigkeit und dergleichen erwecken könnten. Aber eigentlich ist er es nicht.

Donnerstag, 5. November 2015

Manipulation

Wer in christlichen Kreisen aufwächst, lernt schon als Kleinkind biblische Geschichten. Natürlich so aufbereitet, dass man von den Gräueltaten, die der Herr befahl, verschont bleibt.

Viele Jahre lang läuft das so, man beschäftigt sich automatisch detailierter und intensiver mit der Bibel und ihrem Inhalt. Immer in leicht verdaulichen Häppchen und in sorgfältig ausgewählten Versen und Auslegungen.

Für mich war jahrzehntelang klar: Der christliche Glaube ist einzigartig und vor allem allein richtig. Alle anderen Religionen sind Fehlleitungen.

Was mir aber ebenfalls jahrzehntelang nicht bewusst war: Es gab nachweislich Religionen lange bevor das Alte Testament oder gar das Christentum entstanden. Die Menschen hatten jahrhundertelang ihre Götter, ihre Kulte und eben Religionen. Sie verehrten diese Götter, hatten ihre persönlichen Gründe, an sie zu glauben und meinten wohl auch, sie zu spüren.

Freitag, 30. Oktober 2015

Erträgliche Strafe

Gab der Herr seinem Volk genauso harte Schläge wie ihren Gegnern? Ließ er sie auf dieselbe Weise umkommen wie ihre Feinde, die niedergemetzelt wurden? Nein, Herr, du hast den Israeliten eine erträgliche Strafe auferlegt: Du hast sie aus ihrer Heimat vertrieben, sie weggeblasen wie ein stürmischer Ostwind. (‭Jesaja‬ ‭27‬:‭7-8‬ HFA)

Langsam beginnt mich Jesaja zu nerven. Oder vielmehr die Tatsache, dass er als grosser Prophet angesehen wird. Es gibt zwar zugegebenerweise ein paar Stellen, die sich mit ein wenig Fantasie oder gutem Willen als mögliche in Erfüllung gegangene Prophezeiungen bezeichnen lassen. Aber das in meinen Augen grösste Dilemma der Christen ist das, dass sie nicht müde werden, die positiven Aspekte der Bibel (wie erfüllte Prophezeihungen, so sie denn welche sind, oder sonstige gute Ideen) zu betonen, dabei aber die zahlenmässig mindestens ebenso vielen negativen, mit Gewalt und Hass befleckten oder sonstwie verwerflichen Ansätze verdrängen.

Und selbst wenn Jesaja einige Vorhersagen machte, die ins Blaue trafen (was er meines Erachtens nicht hat), so sind wohl mehr Stellen, die sich als reine Spekulation oder hoffnungsmachende Manipulation entlarven. Und die eingangs erwähnte gehört dazu.

Und zwar in so verheerender Weise, dass es tragisch ist. Denn eben gerade seinem (Gottes) Volk sind die härtesten Strafen widerfahren. Gerade sie sind auf traurigste Weise niedergemetzelt, geplagt und getötet worden während der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Wie zynisch muss das in den Ohren eines Juden klingen: "Nein, Herr, du hast den Israeliten eine erträgliche Strafe auferlegt". Den Holocaust.

Klar, ich höre die frommen Leser geradezu empört und abwehrend aufschreien: "Das bezieht sich doch nicht auf den Holocaust. Das bezieht sich doch lediglich auf die damalige Zeit."

Eben, gerade das ist das Problem: Wenn's zufälligerweise passt, betrifft es spätere - gerne auch neuzeitliche - Ereignisse (wie die Gründung des Staates Israel). Wenn's hingegen nicht passt, dann war das wohl etwas ganz anderes aus alter Zeit. Es kann nicht falsch sein was nicht falsch sein darf. Das, genau das, ist das Dilemma mit dem Christentum und der Bibel.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Eine erfüllte Prophezeiung?

Es kommt die Zeit, da werden die Nachkommen Jakobs wieder in ihrem Land Wurzeln schlagen. Israel wird grünen und blühen und mit seinen Früchten die ganze Erde bedecken. (‭Jesaja‬ ‭27‬:‭6‬ HFA)

Eine erfüllte Prophezeiung. Schliesslich ist tatsächlich in Erfüllung gegangen, was hier im Buch Jesaja steht. So dürften nicht wenige Christen argumentieren und glauben. Die "Nachkommen Jakobs" haben irgendwie tatsächlich wieder im Land Israel Wurzeln geschlagen. Ein später Erfolg Jesajas, der zwar vermutlich nicht meinte, dass es so lange dauern würde, aber wo er Recht hat, hat er Recht.

Wäre da nicht der Hinweis, dass es (Israel) "mit seinen Früchten die ganze Erde bedecken" würde. Denn das ist, wohl selbst von Hardcore-Christen unbestritten, nicht der Fall. Israel mag ein besonderer Fall sein, allein wegen seiner Entstehungsgeschichte in der Neuzeit, aber es ist in Bezug auf die ganze Erde doch recht überschaubar.

Aber die Bibel-Fans werden auch diesen Teilsatz so auslegen, dass damit halt die Früchte gemeint sind, die Israel tatsächlich in nahezu die ganze Welt exportieren mag. Auch wenn dann der Begriff "bedecken" etwas gar hochgestochen wirkt.

Da ist es für den Skeptiker schon eher wahrscheinlich, dass Jesaja mit der "ganzen Erde" eigentlich gar nicht die ganze Erde, sondern lediglich das Gebiet Israel meinte. Was sowieso eher der Wahrheit entsprechen dürfte, denn wer das Alte Testament aufmerksam liest, der stellt fest, dass primär und fast ausschliesslich zu den Juden gesprochen wurde.

Denn der damals noch sehr junge jüdische Glaube war alles andere als weit verbreitet und eigentlich eine exklusive Sache, eben den Juden vorbehalten. Zu einer weltweiten Geschichte wurde das erst mit der Entstehung des Christentums zur römischen Zeit. So haben gemäss verschiedenen Auslegungen zum Beispiel auch die zehn Gebote nicht das allgemeine Leben auf der Erde vorgeschrieben, sondern sich lediglich auf das jüdische Volk bezogen. Damit ist auch verständlich, wie ein Gott, der angeblich das Gebot "Du sollst nicht töten" oder "begehren deines Nächsten Hab und Gut" trotzdem laufend Tötungsbefehle rausgab, die unschuldige Opfer forderte und durch Eroberungsfeldzüge den umliegenden Völkern Hab und Gut beraubte.

Wir kommen zwar vom Thema weg, aber es tut gut, die biblischen Worte mal als das zu sehen, als was sie ursprünglich wohl gedacht waren: Botschaften an die Juden. Und eben nur die Juden.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Leviatan

In dieser Zeit wird der Herr mit dem Leviatan abrechnen, diesem schnellen Ungeheuer, das sich windet wie eine Schlange. Gottes mächtiges und scharfes Schwert wird ihn treffen, diesen Meeresdrachen. Der Herr wird ihn töten. (‭Jesaja‬ ‭27‬:‭1‬ HFA)

Eine Art Versprechen, dass dieser Meeresdrachen, vor dem sich offenbar die damaligen Menschen, allen voran wohl die Schiffahrer und Fischer, ernsthaft fürchteten. Gott wird irgendwann kommen, um ihn zu töten und die Menschen vor ihm zu befreien. Ein hoffnungmachender Vers, den Jesaja (oder wer auch immer) hier niederschrieb. Allerdings nur, wenn es so etwas wie den Leviatan, das "schnelle Ungeheuer, das sich windet wie eine Schlange", auch wirklich existiert. Tut es aber nicht.

Also eigentlich kein hoffnungmachender Vers. Wenigstens für den aufgeklärten Menschen nicht, der nicht daran glaubt, dass es so etwas wie Ungeheuer gibt. Man kann zwar einen Wal oder einen etwas gross geratenen Hai als Ungeheuer bezeichnen, aber die winden sich nicht wie eine Schlange. Vielleicht ein Kraken? Aber selbst grosse Kraken sind vielleicht eine Gefahr für einen kleinen Menschen. Aber das sind wilde Bären oder Löwen auch. Sind sie deswegen ein geheimnisvolles Ungeheuer, ein Meerdrachen? Etwas, wovor sich die Menschen scheinbar mehr fürchten als jedem anderen Tier?

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Zombies

Herr, die Toten deines Volkes werden wieder leben, ihre Leichen werden auferstehen! [...] Durch deine belebende Kraft gibt die Erde die Leiber der Verstorbenen zurück. (‭Jesaja‬ ‭26‬:‭19‬ HFA)

Lesen wir da von Zombies? Wer hat's erfunden?

Wen man sich ins Bewusstsein ruft, wie eine Leiche schon nach kurzer Zeit aussieht oder was von ihr nach Monaten noch übrig bleibt, der dürfte sich glücklich schätzen, dass Jesaja da nur fantasiert. Schaut euch nur mal Bilder an von Massengräbern aus gar nicht so langer Zeit.

Ich weiss zwar nicht, wie lange es dauert, bis ein menschlicher Körper verwest ist und nur noch aus einem Skelett (oder später sogar nicht mal mehr aus dem) besteht, aber ich weiss, dass es nur eine Frage der Zeit ist.

Schon deshalb ist das, was Jesja schreibt und was sich die Gläubigen von der Endzeit erhoffen, reiner Quatsch. Wenn die Organismen aufhören zu arbeiten, dauert es nicht lange, und der Körper ist weg. Das war ziemlich einfach, herauszufinden und zu belegen.

Ein Freund (ich nenne alle meine Kontakte Freunde, um sie anonym zu halten) sagte mir mal an einer Beerdigung, er freue sich, dass er seine soeben verstorbene Grossmutter im Himmel wieder sehen werde. Das war mittlerweile vor etwa zehn, fünfzehn Jahren. Ich weiss nicht, ob ich irgendjemanden wieder sehen möchte, nachdem er oder sie mehr als zehn Jahre dem Verwesungsprozess ausgesetzt war.

Samstag, 10. Oktober 2015

Was Jesaja sonst noch sagte

Das Jesaja-Buch liest sich für mich eher schwerfällig. Unzählige Aussagen, manchmal Prophezeihungen mit konkreten Aussagen, manchmal wohl einfach stilvoll ausgeschmückte Fantasien und Träume.

Doch so viel steht fest: Jesaja, oder wer immer der Autor des gleichnamigen Buches war, hat ausschliesslich an sein Volk geschrieben, wenn es um Verheissungen und an die umliegenden Nachbarsvölker, wenn es um Unheilsandrohungen ging. So ziemlich jedes Land in der weiteren Nachbarschaft zu Israel soll laut Jesaja auf die Mütze kriegen.

Das klingt, auch wenn es manchmal ganz konkret und sogar zeitlich eingegrenzt wird, vor allem als Motivationsspritze für ein gebeuteltes, allenfalls noch in babylonischem Exil lebendes Volk. Es soll Mut machen, Optimismus verbreiten und vielleicht ist darin auch die Hoffnung verborgen, das Volk könnte allein deswegen wieder zu alter Stärke zurück finden.

Möglicherweise sind einzelne Verheissungen Jesajas tatsächlich so oder ähnlich eingetroffen. Aber ist es relevant für das, weshalb ich die Bibel unter die Lupe nehme? Nein. Es richtet sich alles ganz eindeutig an das damals lebende Volk der Israeliten, nicht - auch nicht im übertragenen Sinne - an andere Völker oder die Christen des Heutes.

Wer heute daraus irgendwas ableiten will, das irgendwann später in anderem Zusammenhang geschehen sein könnte, der soll das tun. Das lässt sich jedoch mit jedem beliebigen Text tun und ist letztlich nur Selbstbetrug. Ganz nach dem Motto: Es muss so sein, also ist es so. Punkt.

Endzeitstimmung

Die Erde vergeht und verdorrt; die ganze Welt zerfällt, auch die Mächtigen der Erde gehen zugrunde. Die Menschen haben die Erde entweiht, denn sie haben Gottes Gebote und Ordnungen missachtet und so den Bund gebrochen, den er damals für alle Zeiten mit ihnen geschlossen hat. Darum trifft sein Fluch die Erde und zehrt sie aus. Die Menschen müssen ihre gerechte Strafe tragen. Sie schwinden dahin, nur ein kleiner Rest wird überleben. (‭Jesaja‬ ‭24‬:‭4-6‬ HFA)

Viele Christen sehen das möglicherweise als Verheissung, deren Erfüllung noch bevor steht. Immerhin ist die Welt seit Jesaja ja noch nicht vergangen, verdorrt oder zerfallen. Und die Mächtigen dieser Welt stolpern zwar manchmal über einen Skandal, so richtig zugrunde gegangen sind sie als Kollektiv aber nicht. Also vielleicht ein Hinweis auf die schon seit tausenden von Jahren herbei geschworene Endzeit?

Montag, 5. Oktober 2015

Schöne Aussichten

Ja, der Gerichtstag des Herrn kommt! An diesem grausamen Tag lässt der Herr seinem glühenden Zorn freien Lauf, er macht die Erde zu einer Wüste und vernichtet die Sünder. (‭Jesaja‬ ‭13‬:‭9‬ HFA)

Und weiter:

Alle Menschen laufen dann auseinander wie aufgescheuchte Gazellen, wie eine Schafherde ohne Hirten. Jeder versucht, zurück in seine Heimat und zu seinem Volk zu fliehen. Wen man auf der Flucht entdeckt und fasst, der wird mit dem Schwert niedergestochen. Vor ihren Augen wird man ihre Kinder zerschmettern, ihre Häuser plündern und ihre Frauen vergewaltigen. (‭Jesaja‬ ‭13‬:‭14-16‬ HFA)

Na, dann kommt ja alles gut. Jeder wird (einmal mehr genozidähnliches Denken) niedergestochen. Die Kinder werden auf grausame und perverse Art getötet und die Frauen vergewaltigt. Ist das die Art, wie sich Yahweh für sein Volk rächt? Ich meine, das ist ja laut Bibel immerhin der gleiche Gott, der später seinen Sohn auf die Welt schickt und allgemeine Nächstenliebe predigen lässt. Schon merkwürdig, dass aus der gleichen Ecke einmal die Aufforderung kommt, man solle bei einem Schlag ins Gesicht auch die andere Wange hinhalten, aber auch die abartige Verheissung, was mit den Feinden Israels passieren wird?

Mittwoch, 30. September 2015

Jesaja 11

In Jesaja 11 fährt der Autor fort mit den Verheissungen, die eine schöne Zukunft mit dem sog. Messias versprechen. Und hier wird er auch tatsächlich etwas konkreter und damit messbarer mit seinen Prophezeihungen.

In einem ersten Teil lobt er die Fähigkeiten dieses Retters, seine Urteilsfähigkeit, sein gerechtes Richten und seine Macht. Tatsächlich sind es Fähigkeiten, die fast schon mit Sicherheit ein überirdisches Wesen beschreiben müssen. Dass die Fähigkeiten eines Königs aber durchaus poetisch und fantasievoll ausgeschmückt werden, ist nichts Neues. Da sind die Könige David und Salomo beste Beispiele, da die archäologischen Funde und Schriften fremder Völker zwar nicht beweisen, dass sie gar nie existierten, aber doch die Annahme nahe legen, dass sie bei Weitem nicht so gross und mächtig waren, wie es die Bibel zu vermitteln versucht.

Montag, 28. September 2015

Drei Jahre Aussteiger-Blog

Huch, wie die Zeit vergeht. Heute vor drei Jahren habe ich mit diesem Blog gestartet, um meinen langsamen Abschied vom Christentum zu verarbeiten. Und um mich zu motivieren, die Bibel noch ein Mal komplett durchzulesen, mir Gedanken und eben auch Notizen zu machen. Die Notizen sind es dann auch, die im Wesentlichen in diesem Blog zu finden sind.

Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauern würde. Und auch nicht, dass ich es so lange durch halten werde.

Irgendwie bin ich heute aber tatsächlich stolz, schon ca. 300 Blog-Beiträge veröffentlicht und den Abschied vom christlichen Glauben endgültig geschafft zu haben.

Danke all jenen, die in den vergangenen drei Jahren hier oder da mal einen Kommentar hinterlassen haben.


Sonntag, 27. September 2015

Ist Jesaja wirklich ein Prophet (Teil 2)

Verse 5 + 6 Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn »Wunderbarer Ratgeber«, »Starker Gott«, »Ewiger Vater«, »Friedensfürst«. Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen. Wie sein Vorfahre David herrscht er über das Reich, festigt und stützt es, denn er regiert bis in alle Ewigkeit mit Recht und Gerechtigkeit. Der Herr, der allmächtige Gott, sorgt dafür, er verfolgt beharrlich sein Ziel.

Ja, das klingt schon ziemlich nach Weihnachtsgeschichte. Allerdings nur, wenn man den weiteren Verlauf der Entwicklung des Christentums kennt. In Tat und Wahrheit haben jüdische Propheten sicherlich nicht die Vision von einem Retter gehabt, der nebst ihnen auch noch alle anderen Völker errettet. Und sicher erst recht keinen, der den Grundstein für eine komplett neue Religion legt. Das war sicher nicht das, was Jesaja "voraus sah".

Das Pech des Propheten: Wenn man keine messbare, konkrete und zeitlich definierte Prophezeiungen macht, dann stehen den späteren Generationen und "Fans" Tür und Tor offen, um die Worte ganz nach ihrem Wunsch auszulegen.

Freitag, 25. September 2015

Ist Jesaja wirklich ein Prophet (Teil 1)

Die Christen werden nicht müde, die zahlreichen Prophezeiungen der Bibel zu erwähnen, die angeblich in Erfüllung gingen. Und eine davon soll die Vorhersage Jesajas sein, der vermeintlich Jesus Christus, der später als Sohn Gottes bezeichnet wurde, vorhergesagt hat. Und tatsächlich finden sich in Jesaja 9 Hinweise, die auf den ersten Blick so aussehen, als wären sie das. Aber nur auf den ersten Blick. Und nur für denjenigen, der schon weiss, was danach kam und mit genügend gutem Willen das sieht, was er sehen möchte.

Natürlich darf da jeder seine eigenen Massstäbe anwenden. Für mich jedenfalls gehören zu einer sich Prophezeiung ein paar Bedingungen, die erfüllt sein müssen.

Sonntag, 20. September 2015

Nur noch Frieden

Gott selbst schlichtet den Streit zwischen den Völkern, und unter den Nationen spricht er Recht. Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen um und ihre Speere zu Winzermessern. Kein Volk wird mehr das andere angreifen; niemand lernt mehr, Krieg zu führen. (‭Jesaja‬ ‭2‬:‭4‬ HFA)

Zu schön, um wahr zu sein.

Ein von Kriegen und harter Arbeit gebeuteltes Volk, das zudem nicht aufgeklärt und gebildet war, könnte Jesaja mit solchen Worten vielleicht noch überzeugen. Gelungen ist es ihm ja aber offensichtlich auch nicht.

Sowieso kamen die Worte nicht von Gott, sondern von Jesaja. Ein Mann, der vielleicht eine Art Vision hatte (kannten die damals schon Rauschmittel?) oder einfach nur ein tiefes Verlangen nach Frieden, Harmonie und Einheit hatte, was ihm natürlich auch hoch angerechnet werden darf.

Dienstag, 15. September 2015

Die Gemeinde hat Brüste

Das Hohelied, das zwar fälschlicherweise, aber irgendwie doch auch zu Recht, Hohelied der Liebe genannt wird, endet, wie es begonnen hat: Mit schwulstigen Liebeserklärungen von Unbekannt an Unbekannt. Meine zugegebenermassen oberflächlichen Recherchen ergaben, dass einige Theologen die Urheberschaft Salomo zuschreiben. Aber das glaube ich nicht. Die anderen Sammlungen, die angeblich von Salomo stammen, haben immer eine Art Fazit oder Schluss, der auf den Herrn verwies. Selbst seine halbwegs schlauen Sprüche, die philosophisch betrachtet durchaus eine Diskussion wert wären, enden immer mit einem Hinweis, dass der Herr gross ist, für einen sorgt, und so weiter. Der fehlt beim Hohelied aber komplett, weshalb ich annehme, dass er entweder nicht der Urheber war oder aber zumindest nicht wollte oder erwartete, dass seine Liebesgedichte veröffentlicht werden.

Ich kann mir schwer vorstellen, dass ein König wie Salomo Gedichte veröffentlichte, die nur der Unterhaltung dienten und keinen höheren, letzlich für ihn politisch wichtigen Zweck verfolgten. Ein Verweis auf Gott war damals durchaus politisch von Bedeutung, war die Religion doch wohl eine Art Zusammenhalt der Gesellschaft. Und Könige konnten mit geschicktem Umgang der religiösen Gefühle und Vorstellungen letztlich alles rechtfertigen, was sie taten.

Donnerstag, 10. September 2015

Britney Spears in der Bibel

Ich bin in meinem Leseprojekt, währenddem ich noch einmal (wenigstens) die ganze Bibel durchlese, bei dem Hohelied angekommen. Entsprechend meinen bisherigen Gepflogenheiten schreibe ich dabei fortlaufend meine Gedanken nieder. Und zwar dann, wenn ich bestimmte Verse oder Abschnitte lese, und nicht erst dann, wenn ich das ganze Buch durch habe.

Dass dies dazu führen kann, dass ich Aussagen oder Verse aus dem Zusammenhang reissen könnte und werde, bin ich mir durchaus bewusst. Aber damit dürfte mein Zielpublikum, zu dem primär die Christen gehören, kein Problem haben. Sie sind es sich doch gewohnt, dass zusammenhanglose Verse zitiert oder in einer Predigt ausgelegt werden.

Samstag, 5. September 2015

Inzucht?!

Ach wärst du doch mein Bruder, hätte meine Mutter dich gestillt! Dann könnte ich dich unbekümmert küssen, wenn wir uns auf der Straße treffen, und niemand würde Anstoß daran nehmen! Ins Haus meiner Mutter würde ich dich führen, dort könntest du mir deine Liebe zeigen; ich gäbe dir gewürzten Wein zu trinken und Nektar von den Früchten des Granatbaums. (‭Das Hohelied‬ ‭8‬:‭1-2‬ HFA)

Wie jetzt? Liest man da den Wunsch nach Inzucht?

Da schreibt offenbar eine Frau. Sie wünscht sich, der unbekannte Jemand wäre ihr Bruder. Dann, und scheinbar nur dann, könnte sie ihn nicht nur küssen, sondern auch gleich nach Hause nehmen und bumsen?

Korrigiert mich bitte, wenn ich das falsch lese.

Sonntag, 30. August 2015

Pass auf, Gott sieht alles

Du junger Mensch, genieße deine Jugend, und freu dich in der Blüte deines Lebens! Tu, was dein Herz dir sagt und was deinen Augen gefällt! Aber sei dir bewusst, dass Gott dich für alles zur Rechenschaft ziehen wird! (‭Prediger‬ ‭11‬:‭9‬ HFA)

Schade, da gibt der Schreiber mal etwas halbwegs Schlaues von sich und macht es danach gleich pädagogisch dumm zunichte. 

Das Bewusstsein, dass Gott alles sieht und mich irgendwann zur Rechenschaft ziehen wird, hat mich in meinen jungen Jahren von so manchem Spass abgehalten. Mein Herz sagte zwar immer wieder, was es gerne tun würde und meine Augen wussten, was ihnen gefällt. 

Aber wie soll man seine Jugend wirklich geniessen und das tun, was dem Herz gefällt, wenn ständig diese Angst über Gottes Gericht im Hinterkopf rumschwirrt? Man ist dann eben genau nicht herzgetrieben, sondern von der Angst bestimmt, auf keinen Fall etwas Falsches zu tun. Welche Verschwendung von jungen Jahren hat es deswegen auf dieser Welt gerade in religiösen Kreisen wohl schon gegeben?

Wie viel schöner wäre es, wenn statt der Warnung vor Gottes Rechenschaft der Hinweis stehen würde, dass man nichts tun soll, das anderen schadet? Die Kinder und Jugendlichen, die ohne ihr Verschulden in kirchlichen Kreisen aufwachsen, würden sich wohl viel freier fühlen, müssten sie "nur" auf andere Menschen Rücksicht nehmen und nicht in ohnehin widersprüchlichen und schwer verständlichen alten Schriften heraussuchen, ob sie dies oder jenes tun dürften.  

Dienstag, 25. August 2015

Blabla

Denk erst nach, bevor du betest, sei nicht zu voreilig! Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde — also sei sparsam mit deinen Worten! (‭Prediger‬ ‭5‬:‭1‬ HFA)

Oh, das sollten sich einige Christen mal zu Herzen nehmen. Was habe ich innerlich kopfschüttelnd da gesessen während Leute, die sich allzu gerne selber sprechen hörten, ihre Gebete sprachen. 

Endlose Gespräche, gespickt mit kirchlichen Floskeln, die manch einer wohl kaum hätte erklären können. Minutenlanges frommes Blabla folgte dem nächsten, als würde die Dauer eines Gebetes etwas über dessen Qualität aussagen. 

Am schlimmsten waren diejenigen, die meinten, sie müssten das Gebet als Predigtplattform benutzen und darin ihre Meinung kundtaten. Und die anderen Beter in der Runde "mussten" dem Redner auch noch indirekt Recht geben indem sie sein Amen am Ende unisono wiederholten.  

Donnerstag, 20. August 2015

Muntermacher

Wie glücklich sind doch die Toten, sie haben es viel besser als die Lebenden! Noch besser aber geht es denen, die gar nicht erst geboren wurden! (‭Prediger‬ ‭4‬:‭2-3‬ HFA)

Ein prima Muntermacher für depressiv geplagte Christen. Da kann man sich ja gleich die Kugel geben. 

Vielleicht sollte ich anfangen, ganz im Stile der unter Christen verbreiteten Losungen, solche "mutmachenden" Verse zu sammeln. 

Was höre ich vom christlichen Leser, der Vers sei aus dem Zusammenhang gerissen? Man könne doch nicht einfach so einen kontextlosen Vers für irgendwelche Zwecke verwenden? Das kommt mir aber bekannt vor.  

Samstag, 15. August 2015

Gut, dass Salomo noch nicht alles wusste

Ich habe begriffen, dass Gott die Menschen prüft. Sie sollen erkennen: Nichts unterscheidet sie von den Tieren. Denn auf Mensch und Tier wartet das gleiche Schicksal: Beiden gab Gott das Leben, und beide müssen sterben. Der Mensch hat dem Tier nichts voraus, denn auch er ist vergänglich. Sie alle gehen an denselben Ort — aus dem Staub der Erde sind sie entstanden, und zum Staub der Erde kehren sie zurück. Wer weiß schon, ob der Geist des Menschen wirklich nach oben steigt, der Geist des Tieres aber in die Erde hinabsinkt? So erkannte ich: Ein Mensch kann nichts Besseres tun, als die Früchte seiner Arbeit zu genießen — das ist sein einziger Lohn. Denn niemand kann sagen, was nach dem Tod geschehen wird! (‭Prediger‬ ‭3‬:‭18-22‬ HFA)

Lieber König Salomo

Diese Verse, wie übrigens das ganze Buch Prediger, werden dir zugeschrieben. Deshalb richte ich diese meine Worte auch an dich, obwohl ich ja noch nicht einmal weiss, ob es dich wirklich so gegeben hat. Bei den vielen übertrieben klingenden Lobhudeleien wächst im kritischen Leser schon der Verdacht, dass du vielleicht Märchen- als reale Figur gewesen sein könntest. 

Montag, 10. August 2015

Wie alles begann

Alles hat seine Zeit. Ein Ausspruch, den man auch heute noch hört. Und wohl nur wenig wissen, dass er biblischen Ursprungs ist. Der Prediger-Autor will uns weismachen, dass es unter anderem eine Zeit für Liebe und eine Zeit für Hass gibt, eine Zeit für Krieg und eine für Frieden. Halleluja, auch Hass und Krieg können also gerechtfertigt werden. Ich bin mir an dieser Stelle durchaus bewusst, dass dies die Bibel nicht zum ersten Mal aussagt. Aber während die von Gott verordneten Feldzüge stets spezifische Ereignisse waren, schreibt hier einer ganz lapidar, dass Hass und Krieg halt einfach ihren Platz haben. Übrigens gilt das unter anderem auch für Heilen und Töten. Die Details lassen sich in Prediger 3, 1-8 nachlesen. 

Mir fällt heute aber ein Vers besonders positiv auf: 

Für alles auf der Welt hat Gott schon vorher die rechte Zeit bestimmt. (‭Prediger‬ ‭3‬:‭11‬ HFA)

Warum positiv? Weil der Inhalt dieses Satzes letztlich der Auslöser für mich war, dem christlichen Glauben den Rücken zu kehren. 

Wenn man diesen Teil eines Verses wörtlich und ernst nimmt, dann glaubt man, dass alles, was passiert von Gott vorher bestimmt ist. Das bedeutet aber auch, dass es seinem Willen entspricht, denn warum sollte Gott etwas bestimmen und zulassen, wenn es nicht seinem Willen entspricht?

Mittwoch, 5. August 2015

Reichtum ohne Sinn

Auch mein Besitz, für den ich mich mein Leben lang abgemüht hatte, war mir verleidet, denn ich begriff, dass ich einmal alles meinem Nachfolger hinterlassen muss. Und wer weiß schon, ob der weise oder töricht sein wird? Doch er wird alles besitzen, was ich durch meine Arbeit und mein Wissen erworben habe. Wie sinnlos! Als ich das erkannte, begann ich zu verzweifeln, weil ich mich mein Leben lang so geplagt hatte. Da hat man mit seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seinem Fleiß etwas erreicht und muss es dann an einen anderen abtreten, der sich nie darum gekümmert hat! Das ist so sinnlos und ungerecht! Denn was bleibt dem Menschen von seiner Mühe und von all seinen Plänen? (‭Prediger‬ ‭2‬:‭18-22‬ HFA)

So etwas schreibt ein König. Ein König, der wohl sein Leben damit verbrachte, in Saus und Braus zu leben, seine angeblich bis zu 700 Frauen zu geniessen und Völker um ihn herum bekämpfte und unterdrückte. Einer zudem, der seinen Reichtum nebst Eroberungsfeldzügen vor allem den erhobenen Steuern zu verdanken hatte. Sein Wissen, seine Fähigkeiten und seinen Fleiss waren ihm da sicherlich dienlich, aber Salomo wurde nicht reich, weil er ein fleissiger Arbeiter war, sondern weil er zufällig in eine Königsfamilie geboren wurde und das adelige Amt erben konnte.

In diesem Licht sind diese Aussagen ähnlich lächerlich, wie wenn sie aus dem Munde eines verwöhnten Milliardärssöhnchens kämen. 

Donnerstag, 30. Juli 2015

Nichts Neues

Nichts Neues unter der Sonne - ein Spruch, den man noch heute ab und an hört. Im Buch Prediger dient dieser Gedanke, ein bisschen ausgebaut, als Einleitung. Im Originaltext sicherlich ziemlich poetisch wird da oberflächlich philosophiert.  

Alles ist vergänglich und vergeblich, sagte der Prediger, nichts hat Bestand, ja, alles ist völlig sinnlos! (‭Prediger‬ ‭1‬:‭2‬ HFA)

Alles ist vergänglich, da kann ich noch zustimmen. Eine Tatsache, der sich auch und vor allem religiöse Menschen bewusst sein sollten. Denn etwas ist vor allem anderen vergänglich: Das eigene Leben. Wer auf ein zweites nach dem irdischen Tod hofft, hat vielleicht Trost in schwierigen Zeiten. Aber die Hoffnung auf ein zweites, ewiges, besseres oder einfach anderes Leben nimmt dem echten irdischen Leben viel zu viel von seinem Glanz. Was habe ich Menschen kennen gelernt, die sich selber quälen durch Regeln, die ihnen das Leben erschweren, nur weil sie meinen, deren Einhaltung wäre irgendwie hilfreich für ein späteres Leben nach dem Tod. Nun gut, muss jeder selber wissen, so lange er oder sie nicht versucht, das eigene Verhalten anderen aufzuzwingen. 

Dass aber alles vergeblich sein soll, ja, alles völlig sinnlos wäre, find' ich schon eine seltsame Meinung. Das Leben an sich, die Tatsache, dass wir als Menschen existieren, mag vielleicht keinem grösseren Sinn untergeordnet sein. Wer aber auf sein persönliches Leben bezogen meint, es wäre alles vergeblich und sinnlos, leidet wohl an Depressionen oder etwas Vergleichbarem. Wo kein Sinn vorhanden ist, kann man ja selber einen Sinn geben. 

Samstag, 25. Juli 2015

Gott ist gross und erhört Gebete

Ich betete für den Weltfrieden.
Nichts passierte.

Ich betete für die hungernden Kinder in Afrika.
Nichts änderte sich.

Ich betete für die Gesundheit meines Nachbarn.
Er starb drei Wochen später.

Ich betete für die verfolgten Christen in Syrien.
Sie wurden trotzdem umgebracht.

Ich betete dafür, dass ich meinen Schlüssel wieder finde.
Eine Viertelstunde später fand ich ihn.
Gott ist gross und erhört Gebete. Hallelujah.
Davon muss ich nächsten Sonntag unbedingt in der Kirche berichten!

Montag, 20. Juli 2015

Frag Gott - wirf das Los.

Der Mensch wirft das Los, um Gott zu befragen; und Gott allein bestimmt die Antwort. (‭Sprüche‬ ‭16‬:‭33‬ HFA)

Dieser Vers kommt mir bekannt vor. In der Zeit, als Moses das Volk Israel durch die Wüste geführt haben will, wurde so was in der Art schon erwähnt. Damals konnten (oder besser durften) nur die Hohepriester das Los werfen. Ich meine darüber einen kurzen Blog-Beitrag geschrieben zu haben, kann ihn aber grad nicht finden. 

Zur Zeit Salomos scheinen sich die Regeln etwas gelockert zu haben, immerhin werfen hier die Menschen das Los, nicht nur ausdrücklich die Hohepriester. 

Leider weiss ich nicht, um was für eine Art von Los es sich handelte. War es eine einfache Los-Technik, so wie wenn man eine Münze wirft und dann eine 50%-Chance hat und man nur gerade nach Variante A oder B, ja oder nein fragen konnte? Oder waren es ausgeklügelte, mehrseitige Würfel, mit denen sechs oder noch mehr mögliche Antworten erfragt werden konnten?

Wie auch immer, letztlich entschied ja offensichtlich der Mensch, der das Los warf, darüber, welche Optionen zur Auswahl standen. Das war natürlich praktisch, konnte man so zumindest allzu böse Überraschungen verhindern. Fragte man Gott, ob man diese oder jene Frau heiraten sollte, konnte Gott zumindest nicht mit dem Vorschlag kommen, gar keine zur Frau zu nehmen. 

Und das Werfen eines Loses um den Willen Gottes zu erfragen hatte noch einen grossen Vorteil. Gefiel einem die Antwort Gottes nicht, konnte man einfach nochmals werfen. Und nochmals. Und nochmals. Aha, seht ihr, jetzt hat Gott eingelenkt. 

Mittwoch, 15. Juli 2015

Graue Haare

Graues Haar ist ein würdevoller Schmuck — angemessen für alle, die Gottes Geboten folgen. (‭Sprüche‬ ‭16‬:‭31‬ HFA)

Da bin ich aber beruhigt, dass das, was von meinen Haaren noch übrig ist, ein würdevoller Schmuck sein soll. Mir wär's allerdings noch lieber, der Sprücheklopfer (so nenn' ich den Autor der Sprüchesammlung mal) hätte auch was zur Glatze gesagt. Schliesslich ist sie doch so was wie die Steigerungsform von grauen Haaren, nicht?

Oder ist der Spruch des Autors anders zu verstehen? Dass die grauen Haare eben würdevoll seien, im Vergleich zu gar keinen Haaren? Hatten die Menschen zu Salomos Zeit gar keine Glatzen? Wie haben sie sich gefühlt, glatzköpfig herum zu laufen, wenn doch graue Haare ein würdevoller Schmuck waren? Fühlten sie sich ausgegrenzt?

Freitag, 10. Juli 2015

Schlag dein Kind

Wer sein Kind nie schlägt, der liebt es nicht. Wer sein Kind liebt, der bestraft es beizeiten. 
--Sprüche 13, 24

Erspare deinem Kind die harte Strafe nicht! Ein paar Hiebe werden es nicht umbringen! Im Gegenteil: du rettest sein Leben damit!
--Sprüche 21, 13-14

Kinder, wenn ihr von euren Eltern geschlagen werdet, dann bedeutet das nicht, dass eure gewalttätig sind. Es heisst auch nicht, dass sie unfähig sind, eine kindergerechte Erziehung zu gewährleisten. Nein, nein. Die wollen euch damit biblisch begründet zeigen, dass sie euch wahnsinnig gern haben.

Eine Tracht Prügel hier, ein paar Ohrfeigen da hat nicht nur noch niemandem geschadet, sondern ist wohl einer der grössten und nachhaltigsten Liebesbeweise. Der liebe Gott hat das so gewollt, drum liess er es in das seltsame Buch namens Bibel schreiben.

Zum Glück sind wir heute, bis auf einige Ausnahmen, einen Schritt weiter und bestrafen nach Möglichkeit diejenigen, die ihre körperliche Überlegenheit dazu nutzen, schwächeren Lebewesen Schmerzen und Schaden zuzufügen. Leider erwischen wir nicht alle.

Sonntag, 5. Juli 2015

Kein Unheil den Gläubigen?

Kein Unglück geschieht den Menschen, die Gott gehorchen; über den Ungehorsamen aber bricht das Unheil zusammen.
--Sprüche 12, 21

Mitunter frage ich mich schon, ob es tatsächlich Menschen gab und gibt, die an so etwas voller Überzeugung glauben können.

Natürlich, man kann den Standpunkt vertreten, dass auch ein vermeintliches Unheil letztlich zum Besten dient und einen tieferen, uns verborgenen Sinn hat. Aber glaubt man das dann auch wirklich oder ist es nicht viel eher ein Versuch, in seiner Hilflosigkeit einen kleinen Trost zu erhalten?

Nehmen wir an (und das ist jetzt ein Beispiel, das ich ziemlich nahe erlebt habe), der Vater von zwei Kindern im Grundschulalter erkrankt an Krebs und stirbt nach monatelangem Leiden daran. Ich hätte jetzt nicht den Mut, der Witwe obigen Vers vor die Nase zu halten. Auch wenn sie bei fast jeder Gelegenheit erwähnt, dass "es" wohl einen höheren Sinn habe, den sie heute leider noch nicht verstehe.

Dienstag, 30. Juni 2015

Die Sprüche: Erstes Fazit

Ich staune. In zweifacher Hinsicht. Erstens, weil die Sprüche Salomos tatsächlich kurzweilig und gut zu lesen sind. Das liegt wohl auch daran, dass sich der Autor halt wirklich darauf verzichtet, mehr als eine Zitatsammlung aus dem Buch machen zu wollen.

Zweitens staune ich aber auch, dass ich in meinen vielen Jahren als Christ eigentlich kaum je das Buch der Sprüche gelesen hatte. Natürlich, ich habe - wie viele Christen - überhaupt selten in der Bibel gelesen. Aber die Sprüche wären ja, ganz anders als viele der bisherigen Bücher, locker zu lesen und weitgehend zu verstehen.

Ich bin erst im 11. Kapitel angelangt, möglicherweise wird's auch noch anstrengender. Aber bis dahin liest sich das richtig gut. Und da gibt's auch einige Verse, die man als ok abhaken kann oder sogar echt witzig durchdacht sind.

Samstag, 27. Juni 2015

Karlheinz Deschner: Aphorismen

Er gehörte zu den schärfsten Kirchenkritikern Deutschlands. Er starb im Frühling 2014, kurz vor seinem 90. Geburtstag. Zehn Jahre früher wurde die nachfolgende Sammlung von Aphorismen veröffentlicht.

Mein absoluter Favorit: Ich denke, also bin ich... kein Christ.




Mittwoch, 24. Juni 2015

Christen, lasst euch belehren

Ein verständiger Mensch lässt sich belehren, aber wer sich nichts sagen lässt und nur Unsinn redet, richtet sich selbst zugrunde. (‭Sprüche‬ ‭10‬:‭8‬ HFA)

Ist es wirklich zu viel verlangt von einem Christen, dass er einmal im Jahr auch ein Buch liest, das ihm nicht sorgfältig ausgewählte Bibelstellen wie Honig ums Maul schmiert und den Eindruck erweckt, die Bibel wäre voll solcher Stellen? 

Jeder Christ, der meint, mit mir belehrende Gespräche zu führen, kriegt von mir ein, zwei Buchtipps mit der Aufforderung, sich doch erst Mal über meinen Standpunkt zu informieren. Wie soll ich mit jemandem über die Gedankenwelt des Atheismus reden, wenn sich mein Gegenüber bisher nur in biblisch orientierter Lektüre herumtummelte? Das ist doch ähnlich sinnlos, wie wenn man mit einem Bastler über einen Automotor fachsimpeln möchte, selber aber zwei linke Hände und keine Ahnung von Mechanik hat. 

Ein Dummkopf weiß immer alles besser, ein Kluger nimmt auch Ratschläge an. 
--Sprüche 12, 15

Der Unterschied zwischen einem vernünftig denkenden Menschen und einem Christen ist der, dass der Vernünftige seine Meinung ändern kann, auch in Kernpunkten seiner Meinung. Der Christ hingegen muss an vieles einfach glauben, möglicherweise entgegen jeglicher Logik, und kann keinesfalls eingestehen, dass seine These falsch ist. Denn wenn sie das wäre, würde sein gesamtes Glaubenskonstrukt zu bröckeln beginnen. 

Deshalb flüchten die Christen, die sich überhaupt auf Gespräche einlassen (ich habe gemerkt, dass das viel, viel weniger sind, als ich jemals angenommen hätte) oftmals in Schwammargumente. "Irgendwann werden wir das verstehen" oder "Gottes Wege sind unergründlich" oder was auch immer. Ich nenne sie Schwammargumente, weil sie schwammiger und nichtsaussagender nicht sein könnten. Sie wirken gewichtig, aber wenn man an ihnen rumdrückt, verlieren sie den gesamten Inhalt und sind am Ende fast ohne jegliches Gewicht da. 

Sonntag, 21. Juni 2015

Salomo fördert Prostitution

Na, da bin ich ja mal über was Witziges gestolpert. Fordert doch tatsächlich der überirdisch weise König Salomo in seinen Sprüchen dazu auf, die Huren zu besuchen. Nicht etwa im Sinne einer von Nächstenliebe getriebenen Hilfsaktion an Randständigen, nein, als ganz gewöhnlicher Freier.

In zahlreichen Versen im 6. Kapitel seiner Sprüche warnt der Autor vor dem Techtelmechtel mit verheirateten Frauen und den angeblichen Folgen davon, auf die ich hier jetzt nicht im Detail eingehe, weil sie weniger göttliche Sanktionen beinhalten, als vielmehr hauptsächlich den Verstoss durch die Gemeinschaft. Salomo schläg in diesem Zusammenhang indirekt eine Alternative vor, die ausser dem Preis für die Hure keine weiteren Folgen hat. 

Für eine Hure bezahlst du nur so viel wie für ein Brot, aber wenn du mit einer verheirateten Frau die Ehe brichst, gefährdest du dich selbst. (‭Sprüche‬ ‭6‬:‭26‬ HFA)

Tatsächlich schlägt er die Nutzung der Prostitution nicht nur aktiv vor, sondern er verzichtet auch komplett darauf, daran irgendetwas verwerfliches zu sehen. Es scheint, die Prostituierten waren damals gesellschaftlich zumindest so weit integriert, als sie als normales Gewerbe betrachtet wurden.

Ich habe es nie erlebt, aber ich stelle es mir ungemütlich vor für den gläubigen Kirchengänger, der beim Besuch eines Puffs von anderen Frommen gesehen wird. In der heutigen Praxis kommt wohl für die meisten Christen ein Puff-Besuch nicht in Frage, zumindest moralisch gesehen. Tatsächlich dürfte es trotzdem einige geben, die den Beischlaf gegen Bezahlung nutzen. 

Genau die dürfen aufatmen, es gibt eine Ausrede: Sex mit einer Prostituierten ist viel klüger, als mit einer verheirateten Frau fremd zu gehen. Hat ja schliesslich schon König Salomo so gesehen. 

Donnerstag, 18. Juni 2015

Noch ein dummer Spruch von Salomo

Dass der israelitische König Salomo besonders weise war, ist möglich oder auch nicht. Dass seine Weisheit aber keine Grenzen, er deswegen weit herum bekannt war und jedes Rätsel lösen konnte, ist jedoch sicherlich eine gut verkaufte Legende. 

An Dummheit kaum zu überbieten ist einer seiner angeblichen Sprüche aus dem fünften Kapitel. Er ist nicht nur dumm, er wäre, würde man ihn befolgen, schon fast sicher jedermanns Todesurteil: 

Verlass dich nicht auf deine eigene Urteilskraft, sondern vertraue voll und ganz dem Herrn! (‭Sprüche‬ ‭3‬:‭5‬ HFA)

Glücklicherweise hat auch die Person, die die Sprüche Salomos schrieb oder zusammen stellte, das nicht ernst gemeint. Oder müsste man sagen, nicht wörtlich gemeint? Denn das Argument, dass man das nicht wörtlich nehmen soll, wird ja gerne in jenen Momenten von Christen hervor gekramt, wenn mal wieder ein Vers überhaupt keinen Sinn zu machen scheint. 

Nur, wenn man das nicht wörtlich nehmen soll, wie soll man es dann nehmen? Und welchen Sinn hat es dann noch?

Auf jeden Fall folgt schon ein Kapitel später die Neutralisierung der gefährlichen Aussage, dass man sich nicht auf die eigene Urteilskraft verlassen solle. 

Überleg sorgfältig, was du tun willst, und dann lass dich davon nicht mehr abbringen! (‭Sprüche‬ ‭4‬:‭26‬ HFA)

Das gefällt mir so schon besser. Deutlich besser. 

Montag, 15. Juni 2015

Psalmen ade

Das 2. Buch der Chronik war hart, weil es aus tonnenweise Wiederholungen bestand und äusserst langweilig zu lesen war. Aber die Psalmen sind ähnlich langweilig. Etwa so langweilig, wie wenn man die Texte eines modernen Liederbuchs von vorne bis hinten durchlesen müsste. Manchmal poetisch höherstehend, meistens aber langatmige, blumige Vergleiche und keine Fakten. Wobei für Fakten die Bibel ja vermutlich ohnehin nicht die optimale Lektüre ist.

Ich hab' den Rest der Psalmen, die ja im Grund nichts anderes als Liedtexte und Gedichte sind, die es zufällig in die Bibel geschafft haben, mal eben übersprungen und fahre mit einem vielversprechenden Buch, den Sprüchen, weiter. 

Meine Erwartungshaltung bei diesem Buch ist hoch. Ich erwarte vor allem eines: Unterhaltung. Etwas, das mir das Alte Testament bislang nur ganz selten im Ansatz bieten konnte. 

Als ich noch Christ war, war ich ein typischer Fall. Mit anderen Worten einer, der die Bibel - wenn überhaupt - nur häppchenweise, hochselektiv gelesen hat. Von daher weiss ich nicht so recht, was mich mit den Sprüchen Salomon erwartet, aber ich meine zu wissen, dass da doch einiges an echter Weisheit drin ist. Entsprechend ist meine Erwartung, wie gesagt, ziemlich hoch. 

Leider nervt mich Salomo (wenn er denn wirklich der Autor der Sprüche war) schon im 7. Vers des ersten Kapitels: 

Freitag, 12. Juni 2015

David's Einstellung ist zum Kotzen, Teil 2

Heute lese ich bis zum Psalm 58 und staune einmal mehr, wie der von Rache und Vergeltung geprägte David jemals zur biblischen Kultfigur und zum Aushängeschild der jüdischen (und irgendwie auch christlichen) Geschichte werden konnte. 

Zwar erwähnt er im ihm zugeschriebenen Psalm 58 keine Personen beim Namen. Das ging entweder aus poetischen Gründen oder durch spätere Streichung verloren. Aber es geht auch weniger darum, über wen er schreibt, als viel mehr, was er schreibt. 

Er stellt in den ersten Versen des Psalms die scheinbar rhetorische Frage, ob die Mächtigen seiner Zeit (?) gerecht urteilen würden und kommt zum subjektiven Urteil, dass sie durch und durch ungerecht seien. Und dies von Geburt an. 

Diese Rechtsbrecher sind von Geburt an verlogen und verdorben. (‭Psalmen‬ ‭58‬:‭4‬ HFA)

Ist so als pauschale Aussage schon mal sehr polemisch und hetzerisch. Jeder Idiot - auch König David - wusste und weiss, dass ein Neugeborenes von Kriminellen kein bisschen anders ist als jenes von Priestern. Gut, letztere sollten keine Kinder haben, weil es die Kirche so will, aber der Leser versteht wohl, was ich meine. 

Dienstag, 9. Juni 2015

König Davids Einstellung ist zum Kotzen

Der rachesüchtige Köndig David ist wieder am Werk. Im Beitrag über den Psalm 36 habe ich noch die vielleicht leicht provokante Aussage gemacht, dass Verse wie die von David im 36. Psalm die Grundlage sein können für Genozide und Kriege. Heute liefert uns David mit dem Psalm 53 (auch hier weiss ich natürlich nicht, ob der Autor wirklich David war, passen würde es aber) den Beweis für eben diese Aussage.

Eingangs beschwert er sich über die zahllosen Gottlosen, ihren offenbar wachsenden Einfluss auf die Bevölkerung und darüber, dass sie es wagen, seinen Gott in Frage zu stellen.

Dann, im Vers 6, dringt der von Rache geleitete David voll durch und er prophezeit den damaligen Atheisten baldiges Verderben:

Aber schon bald werden sie in Angst und Schrecken fallen, wie sie es vorher noch nie erlebt haben. Denn Gott wird die Feinde seines Volkes vollkommen vernichten, und ihre Gebeine werden achtlos liegen bleiben. Gott hat sie verworfen und wird sie darum scheitern lassen. (‭Psalmen‬ ‭53‬:‭6‬ HFA)

Es braucht wenig Fantasie um zu erahnen, wie das vonstatten ging. Mit Sicherheit kam keine strahlende Götterfigur vom Himmel runter, schwang das überdimensionierte Superheldenschwert und vernichtete mit übersinnlicher Gewalt alle Zweifler.

Viel eher scharte David mit seinen Weggefährten irgendwann genügend Gleichgesinnte und zog mit Waffengewalt, von Hass getrieben, gegen eben diese Ungläubigen. Es wird gewesen sein, wie immer: Man predigt, Gott würde alle Ungläubigen vernichten, kommt ihm dann aber zuvor und führt die Drecksarbeit gleich selbst aus.

Am Ende hat alles der Mensch getan, Gott gar nichts. Um den eigenen Glauben zu stärken, wird es aber ihm zugeschrieben und als positive Tat vermarktet. Für frühere Zeiten gilt, was auch für die heutige Zeit gilt: Es ist zum Kotzen.

Samstag, 6. Juni 2015

Ein von Hass getriebener König David

Der Gottlose wird durch und durch von der Sünde beherrscht; vor Gott hat er keine Ehrfurcht. Er bildet sich etwas darauf ein, Unrecht zu tun und andere zu hassen. Was er sagt, ist Lug und Trug. Längst hat er aufgehört, sinnvoll zu handeln und Gutes zu tun. Noch vor dem Einschlafen schmiedet er finstere Pläne. Bewusst hat er sich für das Böse entschieden und lässt sich davon nicht abbringen. (‭Psalmen‬ ‭36‬:‭2-5‬ HFA)

Ich bin ein Gottloser. Noch nicht lange, aber ich bin einer. Vor mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht existierenden Wesen habe ich tatsächlich keine Ehrfucht. Warum auch, vor Spiderman und der Zahnfee habe ich auch keine.

Alle anderen Aussagen, die der verblendet wirkende Psalmist in diesen wenigen Versen eingangs des 36. Psalm schreibt, stimmen aber definitiv nicht auf mich zu. Und wohl auch auf die weitaus grössere Mehrheit der übrigen Atheisten dieser Welt nicht. Sie sind einfach Schwachsinn und das Resultat eines tief verwurzelten und für jene Zeit typischen Schwarz-Weiss-Denkens.

Mittwoch, 3. Juni 2015

Kinder sind eigentlich Atheisten

Kinder kommen ohne Wissen zur Welt. Alles, was sie später ausmacht, haben sie auf eine bestimmte Art gelernt. Und was sie lernen, prägt sie - bewusst und unbewusst.

Weil ein Kind erstmal ohne Vorkenntnisse auskommen muss, nimmt es natürlich alles Gehörte für bare Münze. Woher sollte es auch wissen, dass man nicht immer alles glauben sollte?

Wenn ich meinem Kleinkind also beibringe, dass es den Herd nicht anfassen soll, weil es da heiss ist, dann glaubt es mir dies genau so wie die Aussage, der Weihnachtsmann bringe die Geschenke oder der Storch die Kinder.

Glücklicherweise kommt im Laufe der Zeit die Gabe der Beobachtung zum Zuge. Das Kind beobachtet und checkt unbewusst ab, ob das, was man ihm sagt, mit dem übereinstimmt, was es sieht. Würden wir Erwachsenen also nun ständig die Herdplatte anfassen, kämen dem Kind wohl Zweifel. Weil wir uns aber ebenfalls strikt an die Regel "Herd nicht anfassen" halten, hat das Kind keinen Grund, am Sinn dieser Regel zu zweifeln.

Samstag, 30. Mai 2015

David wusste nichts von ewigem Leben

Seit ich als Atheist die Bibel lese, ist sie viel spannender. Einerseits, weil die Texte ständig das beweisen, was ich mir denke, und nicht mehr lauter Fragen aufwerfen, wie früher als Christ. Anderseits aber auch, weil mir immer wieder Dinge auffallen, die ich früher geflissentlich überlesen habe.

So ein Detail ist die Sache mit dem ewigen Leben. Während die heutigen Bibelgläubigen das ewige Leben in der Herrlichkeit oder das ewige Höllenleiden als Kernpunkt ihres Glaubens betrachten, scheint das im Alten Testament (zumindest bis zu den Psalmen) kein wirkliches Thema zu sein. Im Gegenteil: An verschiedenen Stellen wird zwischen Leben und Totenreich unterschieden, was nahe liegt, mussten die Menschen ja auch zu Moses Zeiten sterben.

Wer starb, gelangte nach damaligem Glauben in das Totenreich. Punkt. Was da war oder nicht war, darüber wird an einigen Stellen ansatzweise etwas erzählt, z. B. in Prediger 9,10:

Alles, was du tun kannst, wozu deine Kraft ausreicht, das tu! Denn im Totenreich, wohin auch du gehen wirst, gibt es weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit.
Prediger 9,10

Einen Unterschied zwischen dem Totenreich der Gläubigen und der Ungläubigen schien es da aber noch nicht zu geben, sonst hätte es z.B. Mose oder auch König David sicherlich als Droh- und Druckmittel eingesetzt.

Gerade David lässt aufgrund seiner Psalmen aber durch blicken, dass er nichts von einer Ewigkeit bei seinem Gott ahnte:

Mittwoch, 27. Mai 2015

Hör auf zu spenden

Wovon haben christliche Hilfswerke eigentlich mehr, wenn man für sie Geld spendet oder wenn man sie in seine Gebete einschliesst?

Natürlich wird mir jeder Christ sagen, dass es beides brauche. Und dass das auch gut sei so. Aber hat Gott nicht andere, höhere Mittel als irdische Finanzen, um seinen Hilfswerken unter die Arme zu greifen? Müssen er und sein Bodenpersonal sich da wirklich mit irdischen Mitteln begnügen und das Beste daraus machen?

Vielleicht stehen die finanziellen Spenden auch den göttlichen Wundern im Wege. Fehlender Glaube in Gottes Fähigkeiten ist bestimmt keine sonderlich grosse Motivation für Yahweh, sich mal von seiner starken Seite zu zeigen.

Insofern mache ich den christlichen Hilfswerken vielleicht einen Gefallen, wenn ich sie nie und nimmer mit meinem Geld unterstütze. Aber dieses Risiko nehme ich in Kauf. Vielleicht sollten es die Christen mir gleich tun...

Sonntag, 24. Mai 2015

Denn sie wissen nicht, was sie glauben.

Vielleicht bin ich zu wenig bewandert in der deutschen Sprache, vielleicht ist es auch einfach eine Frage der Generation und der dazugehörigen Art, zu lesen und zu schreiben. Auf jeden Fall strengt mich das Lesen von Franz Buggles "Denn sie wissen nicht, was sie glauben" ziemlich an. Unendlich lang erscheinende und mehrfach verschachtelte Sätze kann ich einfach nicht ohne mehrmaliges Lesen verstehen. Jedenfalls nicht abends, vor dem Schlafengehen.

Trotzdem: Das Buch ist grandios! Buggle setzt genau da an, wo die meisten Christen ihre Schwäche haben. Nämlich bei der Tatsache, dass die meisten das Heilige Buch ihrer Religion gar nie wirklich gelesen haben. Man liest zwar sehr viel daraus, aber kaum einer macht sich die Mühe, es wirklich von Anfang bis Ende durch zu lesen.

Damit sind wir beim Titel des Buches: Die meisten Christen wissen aufgrund dieser Tatsache eigentlich gar nicht, was sie wirklich glauben. Vor einigen Jahren hätte ich darüber bloss den Kopf geschüttelt. Aber nicht, weil es nicht stimmte, sondern lediglich weil ich mir nicht bewusst war, dass es stimmte.

Am Wendepunkt meines christlichen Glaubens nahm ich mir vor, noch ein Mal die Bibel durch zu lesen. Ich wollte dem Glauben, der mich seit Kindheit an begleitete und prägte (und mir zugegebenermassen indirekt auch gute Zeiten verschaffte) noch eine Chance geben. Und vielleicht hoffte ich, dass sich Gott dem ernsthaft Suchenden wie versprochen zeigen würde.

Das war die Zeit, als dieses Blog zum Leben kam. Seither ist viel Zeit vergangen, in der ich manchmal mehr, manchmal weniger in der Bibel lese (Ich bin noch immer nicht durch). Aber ich staunte von der ersten Woche an, wie es mir beim unvoreingenommenen Lesen wie Schuppen von den Augen fiel.

Die Mythen, die so oder ähnlich in verschiedenen Religionen auftauchen, die fantastischen Heldengeschichten, die nach und nach entstehenden und wachsenden Kulte, Rituale und Gesetze und vieles mehr: Es war mir plötzlich klar, so etwas kann nur eine Menschheit erfinden, die Antworten suchte, die sie damals noch nicht haben konnte. Und im Laufe der Jahrhunderte wuchs die Religion voran, bis zum heutigen Tag.

Ich mach' hier abrupt Schluss, denn man könnte fast endlos weiter schreiben. Und über viele meiner Gedanken kann man in diesem Weblog auch nachlesen. Fazit: Die Bibel unvoreingenommen zu lesen ist die beste und konsequenteste Art, sich vom Christentum abzusetzen. Denn wenn man "weiss", was in ihr steht, kann man sie einfach nicht mehr als Wort Gottes akzeptieren.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Psalm 24

»Wer darf auf den Berg des Herrn gehen und seinen heiligen Tempel betreten?« »Jeder, der kein Unrecht tut und ein reines Gewissen hat. Jeder, der keine fremden Götter anbetet und keinen falschen Eid schwört. (‭Psalmen‬ ‭24‬:‭3-4‬ HFA)

Ja, wer darf denn jetzt? Der Psalmist, König David, jedenfalls sicher nicht. Er, der er ganze Sippen umbrachte, weil sie seinen Männern nichts zu Essen gaben. Er, der ganze Völker ausrottete, weil er gegen sie Krieg führte. Er, der den Mann von Bathseba an die Front stellte, damit er umkommt und David seine Frau schnappen kann. Er heuchelt da einen runter, dass man fast wütend werden könnte.

Überhaupt hat das Christentum ja die Erbsünde erfunden. Nach der ist ohnehin niemand voller Recht und mit reinem Gewissen. Also darf auch niemand den Berg des Herrn und den heiligen Tempel betreten. Niemand.

Aber ihr müsst jetzt nicht traurig sein. Da drin seht ihr ohnehin nichts anders als das, was irgendwer irgendwann da hingestellt hat. Es stellt sich nur noch die Frage, was mit denen ist, die nicht dürfen, aber trotzdem reingehen?

Die müssen vermutlich, typisch Bibel, sterben. Wer aber den Tempel betritt, obwohl er nicht dürfte, der muss sich nicht vor Gott fürchten, der ihm nach dem Leben trachtet. Er muss sich vor Gottes Bodenpersonal fürchten. Vor fundamentalistischen Gläubigen, die meinen, Gottes Handlanger zu sein, wenn sie das umsetzen, was sei meinen, es wäre Gottes Wille.

Montag, 18. Mai 2015

Psalm 23

Dies ist er, der wohl berühmteste aller Psalmen. Bist du in einer Freikirche aufgewachsen, hast du diese Verse wohl schon hundert Mal gehört ehe du überhaupt selber in der Lage warst, etwas davon wirklich zu verstehen. Bevor man fähig ist, die gehörten oder gelesenen Worte zu analysieren und sich darüber eine eigene Meinung zu bilden, haben einem schon ein Dutzend Menschen "in aller Liebe" erklärt, was man zu verstehen hat.

Tatsächlich habe ich diesen Psalm schon unzählige Male gelesen, gehört, gesungen und gesprochen. Mir darüber Gedanken gemacht, wohl noch nie so richtig bewusst. Nach der Kindheit und vielen Jugendjahren in der Freikirche "weiss man einfach", was die Verse bedeuten, da muss man sich nicht mehr zu viele Gedanken machen.

Natürlich kann man auch hier wieder unglaublich viel hinein interpretieren und verstehen. So kann man sich gerne als Schaf fühlen, das dem "guten Hirten" folgt und sich darauf verlässt, dass der für einen sorgt, einen beschützt und nichts anbrennen lässt. Man kann sich auch voller Schadenfreude oder auch ohne selbige versuchen vorzustellen, wie der Hirte, also Gott, für einen den Tisch deckt mit lauter leckeren Ess- und Trinkwaren, während die eigenen Feinde dabei zu sehen müssen. Wenn man möchte, kann man sich den gedeckten Tisch selbstverständlich auch im übertragenen Sinn ansehen und durch etwas x-beliebiges ersetzen.

Und eines ist im Voraus klar: Je mehr die Christen im "übertragenen Sinne" denken, desto häufiger sehen sie die Aussagen der Bibel bestätigt. Denn wenn "durchs Todestal führen" auch heissen kann, dass man bei der Fahrprüfung einigermassen durch kommt, dann steckt die Welt voller Wunder. Offen bleibt dann höchstens die Frage, weshalb nicht alle Christen das Glück haben, sich jederzeit auf Gottes Support verlassen zu können. Und warum fahren eigentlich nicht nur Christen auf unseren Strassen rum?

So gesehen ist der Psalm 23 in meinen Augen nicht anders als ein beliebiges Liebesliedchen, das ein bisschen von Tatsachen, hauptsächlich aber von Emotionen, Wunschdenken und Hoffnungen handelt.

Freitag, 15. Mai 2015

Gebet wirkt

Damit Gebet wirkt, reicht es, wenn du weisst, 
dass für dich gebetet wird. 
Ob dann tatsächlich gebetet wird, spielt
keine Rolle.
- Pat, der Ex-Christ

Dienstag, 12. Mai 2015

Psalm 22

Ich kann mich erinnern an die Schulzeit, als wir Literatur von Kafka und Konsorten analysieren mussten. Für mich war das stets ein Krampf. Für mich steht das da, was da steht. Vielleicht steckt mehr Psychologie dahinter, vielleicht aber auch nicht. Darüber zu diskutieren mag spannend sein für einige, für mich war es Zeitverschwendung. Was soll ich Zeit investieren, irgendwelche tiefgründigen Botschaften eines Textes aufzudecken, wenn ich noch nicht mal weiss, dass auch tatsächlich welche da sind und der Autor nicht einfach drauf los geschrieben hat?

So ist für mich Psalm 22 einfach mal ein Liedtext, den irgendwer irgendwann geschrieben hat. Man sagt (oder wünscht sich) es wäre König David gewesen, das aber vor allem deshalb, weil es so in der Bibel steht. Es spielt an sich aber keine Rolle, wer der Urheber war. Zumindest wurde die Melodie geklaut, steht da doch, dass der Text zum Lied "Die Hirschkuh der Morgenröte" passe.

Der Psalm weckt natürlich dem einigermassen bibelkundigen Leser die Erinnerung an die Kreuzigung Jesu, der angeblich unmittelbar vor seinem Ableben den Satz "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" gesagt haben soll. Und das ist eben der Satz, mit dem der Texter den 22. Psalm einleitet.

Samstag, 9. Mai 2015

Ungläubige tun nichts Gutes.

Lieber Christ, der du dies liest. Wenn dein Pastor folgende Aussage machen würde, was würdest du davon denken?

 "Menschen, die behaupten, es gäbe Gott überhaupt nicht, leben an der Wirklichkeit vorbei. Sie führen ein gottloses Leben und sie tun nur abscheuliche Dinge, ohne Ausnahme. Kein einziger Ungläubiger tut etwas Gutes!"

Mögliche Antworten:

a) Ich würde laut rufen "Amen"
Du bist demnach ein fanatischer Fundamentalist mit einem ordentlichen Hasspotential. Aus deinem Holz sind vermutlich auch Terroristen geschnitzt.

b) Das ist symbolisch zu verstehen
Was ist denn die Symbolik dahinter, wenn man sagt, dass Andersgläubige ausnahmslos nur schlechte Dinge tun? Und warum steht dann nicht ausdrücklich, dass man dies keineswegs wörtlich nehmen soll?

c) Das stimmt so nicht
Prima, die Vernunft hat gesiegt. Leider hast du übersehen, dass diese Aussage genau so in der Bibel steht und von einer der wichtigsten Vorbildfiguren des christlichen Glaubens, König David, gemacht wurde (sofern die Urheberschaft korrekt angegeben ist).

Donnerstag, 7. Mai 2015

König David, der grosse Arschkriecher

Wenn ich Psalm 5 lese, bin ich unschlüssig. Soll ich David als einen der grössten Arschkriecher sehen, der Gott den Honig ums Maul schmiert in der Hoffnung, dass dieser die Makel von David übersehen möge?

Oder ist der Psalm einfach ein weiterer Hinweis darauf, dass Yahweh, der Mono-Gott der Israeliten, halt wirklich nichts mehr als das Maskottchen eines relativ kleinen Volkes war und darüber hinaus niemanden zu lieben brauchte?

Jedenfalls schien sich David beim Schreiben dieses Psalmes noch nicht bewusst zu sein, dass eben dieser Yahweh, der Kriegsgott der Israeliten, einmal der Gott einer Weltreligion sein soll, der alle Menschen (alle, auch die Midianiter und sonstiges Gesindel um Jerusalem herum) liebt.  Der David hätte wohl jeden wütend erschlagen, der zu seiner Zeit so eine Behauptung aufgestellt hätte. Und dass Nächstenliebe mal der grosse Renner unter den Yahweh-Gläubigen sein würde, hätte sich David in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Damals gab's nur die Gläubigen und die Ungläubigen. Letztere sollen Leid erfahren und sterben.

Das wär' doch mal ein Szenario für einen Roman: Die alten historischen oder fiktiven Bibelfiguren mit der späteren Geschichte ihrer Religion zu konfrontieren.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Frieden und Glück

Herr, schenke deinem Volk Frieden und Glück!
Psalm 3, 9b

Etwas, das das Volk Israel seinen Nachbarn leider nie geschenkt und gebracht hat. Da standen viel mehr Krieg, Verwüstung, Schändung, Mord und Versklavung auf dem Programm.




Sonntag, 3. Mai 2015

Psalm 2 kann man ersatzlos streichen

Es ist nicht der einzige Text, den man problemlos streichen könnte und damit die Bibel höchstens aufwerten würde. Ich habe ja auch schon erwähnt, dass die Kirche gut beraten wäre, generell das Alte Testament zu entsorgen. Aber so lange die Christen das nicht wirklich lesen, besteht ja keine grössere Gefahr.

Nun aber zum 2. Psalm, den vermutlich angeblich wieder König David geschrieben haben soll. Mir ist das scheissegal, hat wohl eher Prestige-Gründe als historische Beweise, dass man ihm so viele Psalm-Urheberschaften unterjubelt.

Es würde in diesem Fall aber passen, schreibt der Psalmdichter doch von seinen Feinden, die sich gegen ihn und das Volk auflehnen, sich gegen seine Herrschaft wehren wollen. Ein Vorsatz, den man ihnen nicht verübeln kann, wissen wir doch unterdessen, mit wie viel Gewalt und Brutalität die Israeliten im Laufe der biblischen Erzählung Städte eroberten und Völker ausrotteten oder bestenfalls versklavten. Ein bisschen Protest ist da durchaus verständlich.

Doch suggeriert uns der Psalmist, dass Gott darüber nur spöttisch lachen kann. Und der Psalmist wohl auch, denn schliesslich hat Gott ihm versprochen:

Donnerstag, 30. April 2015

Die Bibel: Für jeden etwas

Gestern hatten wir Besuch von einem gläubigen Ehepaar, das uns von einem tollen Buch erzählte. Leider weiss ich Titel und Autor nicht, aber es ging im Wesentlichen darum, dass wir nicht "müssen", sondern "dürfen". Mit wir sind natürlich die Christen gemeint, womit ich also ausgeschlossen wäre.

Das Buch hätte den beiden Jesus ganz neu nahe gebracht und ihnen Mut gemacht in ihrem Glauben. Jesus hätte mit seinem Tod am Kreuz alle Gesetze aufgehoben und alles für sie getan, so dass sie eben nichts mehr müssten, nur noch sein dürften.

Ich brachte dann die Zwischenfrage, ob man demnach stehlen, morden und ehebrechen dürfte. Die Antwort war, man staune: Im Prinzip ja, weil Jesus die Sünden ja auf sich nahm. Aber ein Christ tut das vermutlich trotzdem nicht. Und Busse tun müsse man natürlich schon.

Das war mir dann so weltfremd, dass ich gar keine Lust hatte, da weiter zu bohren. Lediglich auf das Fazit der beiden, dass ihnen das besagte Buch wieder mal aufzeigte, wie befreiend der Glaube an Jesus sei, dachte ich mir, jetzt gibt's ein spannendes Gespräch und meinte:

Samstag, 25. April 2015

Niemand spricht mit mir über den Glauben

Seit Monaten ist meiner Familie und meinem freundschaftlichen Umfeld bekannt, dass ich mich vom christlichen Glauben entfernt und losgesagt habe. Mit vielen Menschen, die ich früher hauptsächlich am Sonntag in der Kirche traf, hatte ich seither natürlich keinen Kontakt mehr. Einige meiner engeren Freunde stammen aber auch aus diesem Umfeld und mit denen treffe ich mich nach wie vor regelmässig. Richtige Freundschaften definieren sich halt auch nicht (nur) über den religiösen Glauben.

Interessant finde ich aber, dass in den vergangenen Monaten der Glaube nie ein Thema war. Mit zwei Personen diskutiere ich immer wieder darüber, mit der grossen Mehrheit aber gar nie. Und dies obschon es sich manchmal fast aufdrängte, die Sache zu thematisieren. Es scheint mir dann aber jeweils, als bewusst ein Bogen um dieses Thema gemacht würde. Ich sehe dafür drei mögliche Gründe.

Mittwoch, 22. April 2015

Psalm 1: Zu schön, um wahr zu sein

Ich bin bei den Psalmen angelangt. Die Psalmen sind, so verstehe ich das, eine Ansammlung von Gedichten und Liedern. In der heutigen Kirche werden sie zwar nur noch selten gesungen - und wenn, dann in adaptierten Textversionen - und auch nicht als Gedicht vorgetragen, aber in der Zeit ihrer Entstehung dürften sie das gewesen sein. Entstanden sind sie übrigens, so vermutet man, gut fünfhundert Jahren vor Jesus und damit auch vor der neutestamentlichen Zeit. Es ist also zu erwarten, dass Satan, die Hölle und das ewige Leben darin keine Rolle spielen. Denn die wurden meiner Vermutung nach erst später erfunden.

Nun können aber natürlich Liedtexte und Gedichtesammlungen nicht zwingend mit gleichen Massstäben geprüft werden wie Texte, die angeblich historische Fakten wieder geben. In Anbetracht der Tatsache, dass die Psalmen in den heutigen Kirchen, insbesondere Freikirchen, aber gerne als Mutmacher verwendet werden und somit ihrem Inhalt nach auch wahr sein müssten oder zumindest als wahr angenommen werden, erlaube ich mir, auch die Psalmen kritisch zu betrachten.

Der erste Psalm ist schon mal unten durch.

Sonntag, 19. April 2015

Gottlose Schweiz

Die Gratis-Zeitung 20min berichtet heute unter dem Titel "Noch nie war die Schweiz so gottlos" von der kontinuierlichen Abnahme der Religiosität in Helvetien. So sollen sich gemäss einer (mir unbekannten Umfrage) 2005 noch 71 % der Bevölkerung als religiös bezeichnet haben während es 2014 gerade mal noch 38 % sind. Das ist gut so.

Der Gründe gibt es wohl zahlreiche, wie auch 20min festhält. Die Tatsache, dass heute weniger religiös erzogen wird, ist der Hauptgrund. Die Zahlen bestätigen das, nimmt die Religiosität gemäss der Umfrage vor allem bei der jungen Bevölkerung stark ab.

Nebst der nicht-religiösen Erziehung spielt aber auch das aufgeklärte Denken eine Rolle und sicherlich nicht zu vernachlässigen: Wir Schweizer leben in einem reichen Land mit guter Schulausbildung. Wem es an nichts Lebensnotwendigem mangelt, ist man vermutlich weniger dazu verführt, an übernatürliche Figuren zu glauben, die einem irgendwie helfen und es schon richten.

Ich hoffe, die kirchlichen Vertreter liegen falsch wenn sie behaupten, dass die Menschen immer noch nach dem Sinn des Lebens suchen und ihre Spiritualität lediglich weniger öffentlich ausüben. Ich hoffe vielmehr, dass die Schweizer aufgeklärter werden und schlicht die Existenz eines übernatürlichen Gotteswesen nicht in Betracht ziehen.

Quelle: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/24349893

Donnerstag, 16. April 2015

Nochmals kurz Hiob

Ich habe mir gerade nochmals ein bisschen Gedanken gemacht zum gestrigen Beitrag über Hiob. Und dabei fragte ich mich: Wie doof ist das eigentlich?

Die Geschichte Hiobs will uns weismachen, dass der, der auf Gott vertraut, alles mehrfach zurück erhält. Das mag ja hinhauen, wenn es um materielle Werte geht oder eine Schafherde. Doch Hiob soll gemäss der Geschichte auch alle seine zehn Kinder (sieben Söhne und drei Töchter) auf ein Mal verloren haben.

Mein lieber Gott, selbst zwanzig neue Kinder wären für mich kein Ersatz und keine angemessene Entschädigung für den Verlust auch nur eines meiner Kinder. Was für ein seltsames Weltbild und Familiendenken, das damals offenbar vorherrschte.

Da werden Knechte, Mägde und gar die eigenen Kinder von Gott auf eine Art und Weise ersetzt wie ich meinem Nachbarn eine neue Schneeschaufel kaufe, wenn mir bei der alten der Stiel abbricht.

Mittwoch, 15. April 2015

Hiob

Ich bin heute erschrocken, wie schlecht ich das Buch Hiob kenne. Natürlich, als evangelikaler Christ kennt man die Geschichte in groben Zügen: Gottesfürchtiger Mann wird von Satan versucht, verliert alles, bleibt aber Gott treu und gewinnt am Ende alles doppelt wieder. So weit, so gut. Doch der Hauptteil des Buches Hiob ist nicht der Schilderung dieser Geschichte gewidmet, sondern den anklagenden Reden von Hiobs Freunden sowie seiner Gegenrede. Und die ziehen sich in vier Runden wahnsinnig schleppend voran.

Zum Nachlesen verlinke ich hier mal auf eine etwas kurzweiligere Variante in Reimform. Wer den richtig anstrengenden Bibeltext zu Gemüte führen will, der findet ihn sicherlich problemlos.

Interessant, dass bis hierhin im Alten Testament Satan gerade mal ein, zwei Mal vorgekommen ist und bisher keine wirklich grosse Bedeutung hatte. Hier taucht er aber als Haupt-Nebenfigur auf, als eigentlicher Verursacher dieser Geschichte durch seine Initialisierung einer Wette mit Gott, Hiob vom „rechten Weg“ abbringen zu können.

Offenbar geht der Geschichtenschreiber davon aus, dass Satan freien Zugang zu Gott hat, seine Nähe aufsuchen und mit ihm ein Gespräch führen kann. Die Wette, die er und Gott abschliessen lässt den Leser mehr an einem Stammtisch im Gasthof erinnern als an übernatürliche oder gar göttliche Wesen.

Montag, 13. April 2015

Gott sei Dank?!

Ich krieg' grad mächtig Krämpfe. Da postet jemand aus dem freikirchlichen Umfeld auf Facebook das Bild seiner Tochter, die beinahe gestorben wäre, ein paar Tage im Koma lag und nun nach zwei Wochen auf dem Weg zur Besserung ist.

Die Freude über die Besserung gönne ich sowohl Vater wie Tochter. Aber ich muss mich wahnsinnig zusammen reissen, um auf einige Kommentare nicht bissig zu antworten. 'Praise the Lord', Ehre sei Gott, GOTT sei Dank (wobei Gott versal geschrieben wird, um deutlich zu machen, dass es nicht als salopp gesagte Redewendung zu verstehen ist) und der dankbare Verweis auf Gebete werden erwähnt.

Ich bin leider kein Mediziner und kann nicht im Detail schildern, was mutmasslich die letzten Wochen um dieses Mädchen gelaufen ist. Aber es dürften etliche Personen, darunter Chirurgen, Ärzte und anderes Fachpersonal, damit beschäftigt gewesen sein, dass die Kleine erst gerettet und dann bald wieder auf den Beinen ist. Schläuche und Kabel dürften verlegt worden sein, Infusionen, Medikamente und Eingriffe. Das waren alles Menschen, die am Lebenserhalt dieses Mädchens gearbeitet haben. Doch gedankt wird Gott?

Was hat er denn gemacht, Gott? Sich anständig zurück gehalten, damit die Ärzte ihren Job machen können? Oder hat er die Infusion gesteckt, die Werte gemessen oder die richtige Therapie verordnet? Wo war er denn?

Da nimmt man Millionen teure Infrastruktur und über Jahrzehnte oder Jahrhunderte erarbeitetes Wissen in Anspruch, um hinterher einer verstaubten und äusserst fragwürdigen Fantasy-Figur die Lorbeeren aufzusetzen? Echt lächerlich, so was.

Freitag, 10. April 2015

Rückkehr aus Babylon

Die Chronikbücher sind geschafft. Bin ich froh. Am ende werden nur noch - mit jeweils wenigen Versen - Könige aufgezählt und ob sie nun taten, was dem Herrn gefiel oder was er verabscheute. Die meisten missfielen mit ihren Taten dem Yahweh und so ist es nicht verwunderlich, dass der Geschichtenerzähler die Chroniken abrundet mit dem aufgezwungenen Exil nach Babylon.

Ich bin jetzt diesbezüglich nicht ins Detail gegangen, meine aber, dass das babylonische Exil zumindest im Wesentlichen historisch belegt ist. Ins Exil deportiert wurde aber nach babylonischem Brauch nur die Oberschicht der eroberten Völker. Was wollte man auch mit den anderen anfangen? Es ging vor allem darum, dem eroberten Land die militärische und akademische Führung zu nehmen. So ist heute auch weitgehend belegt, dass die Israeliten damals nicht etwa als typische Sklaven in Babylon zu Arbeit gezwungen wurden, sondern sich grösstenteils frei eingliedern konnten. Natürlich wurde das später dem Daheimgebliebenen anders erzählt, sonst wären die noch auf die Idee gekommen, nach Babylon zu ziehen.

Dienstag, 7. April 2015

Warnungen, die nicht überzeugen

Diese Chronikbücher... so was von langweilig, echt. Aber gerade fiel mir mal wieder etwas auf. Nichts Weltbewegendes, aber immerhin.

Der Herr warnte Manasse und sein Volk, aber niemand hörte darauf.
2. Chronik 33, 10

Manasse war der Sohn von Hiskia (der alles recht machte) und kam mit 12 auf den Thron.

Man fragt sich, wie Gott denn gewarnt hat. Da hat heute ja jeder Papst mehr Überzeugungskraft. Auch der kann nicht alle überzeugen, ja sogar nur eine Minderheit. Aber die ist doch recht gross.

Hiskia war ja noch keine Ewigkeit her, da gehorchten alle dem Herrn, folgten ihm, dienten ihm, brachten ihm Opfer dar.

Dann kommt ein zwölfjähriger Schnösel und bringt plötzlich alles wieder durcheinander. Echt jetzt?!

So weit, so gut. Doch dann schlagen noch alle die Warnungen Gottes in den Wind? Hallo?

Sehr überzeugend konnten diese Warnungen oder die Art, wie sie überbracht wurden, nicht sein.

Samstag, 4. April 2015

Gott = Satan

Hach, jetzt bin ich schon viele, viele Monate dran, die Bibel nochmals von vorne bis hinten zu lesen. Und gerade erst habe ich mich darüber ausgelassen, dass das erste Buch der Chronik extrem langweilig ist, da kommt es. Völlig unerwartet: Ich lese das erste Mal von Satan.

Natürlich, Christen sagen, dass Satan schon im ersten Genesis-Kapitel in Erscheinung tritt und durch die Schlange zu Eva spricht. Das kann man da hinein interpretieren, stehen tut es jedenfalls nicht. Wenn man, wie gerade die Evangelikalen immer wieder betonen, die Bibel wörtlich zu nehmen hat, dann hat da die Schlange gesprochen. Kein Teufel.

Nun, so meine ich, taucht also tatsächlich in 1. Chronik die Figur des Widersachers, des Satans, erstmals auf. Ehrlich gesagt hätte ich ihn ja viel später erwartet, aber nun gut. Was tut er denn in der ersten Chronik?

Er ist dafür verantwortlich, dass David eine Volkszählung durchführte, die den Zorn des Yahweh (und auch den des Volkes) auf sich zog.

Und der Satan stellte sich gegen Israel und reizte David, dass er Israel zählen ließe.
1. Chronik 21, 1

Mittwoch, 1. April 2015

Das Buch der Chronik

Laut Wikipedia wird das erste Buch Chronik auch das Buch der Auslassungen genannt, weil es angeblich vieles erwähnt, was in den Königs- und Samuelbüchern "vergessen" ging.

Beim Lesen erscheint es mir aber eher, als wäre es das Buch der Wiederholungen. Und damit übelst langweilig. Ich überfliege kapitelweise Geschichten, die schon in früheren Büchern erzählt wurden, und verpasse damit vermutlich die paar Auslassungen.

Egal. Scheissegal. Gähn.

Dienstag, 31. März 2015

Jesus - Mythos und Wahrheit

Drei Theologen (!) im Studio und trotzdem ein Streitgespräch. Anregende Diskussion mit stellenweise auch gegenseitige Meinungsgleichheit, im Wesentlichen aber doch immer wieder verblüffend, wie wenig sich die Theologen untereinander schon in Kernpunkten ihrer gemeinsamen Religion uneins sind.



Montag, 30. März 2015

Zehn Generationen

Der Ausdruck "biblisches Alter" ist heute noch da und dort zu hören und bezeichnet ein überdurchschnittlich hohes oder einfach nur hohes Alter einer Person. Das Adjektiv biblisch kommt daher, dass in der alttestamentarischen Bibel bis zur Sintflut mehrere Personen mit astronomisch hohem Alter erwähnt werden.

Das ist natürlich Quatsch bzw. gehört offensichtlich ins Reich der Mythen. Dennoch gibt es Christen, die das für wahr halten. Wenn dann aber einer so weit geht, dass er nicht einmal an solchen offensichtlichen Fantastereien wie dem Alter des Methusalem zweifelt, dann ist jede Diskussion von vornherein überflüssig. So jemand hat sich irgendwann entschieden, einfach zu glauben. Punkt. Ich sag' das aus Erfahrung.

Wie die Autoren der Bibel überhaupt auf die Idee kamen, einzelnen Personen ein derart hohes Alter zuzuschreiben, wird deren Geheimnis bleiben. Vielleicht sollte es die Wichtigkeit der Person betonen, vielleicht war's auch einfach ein Übersetzungsfehler oder ein anderes Rechensystem.

Auf jeden Fall, so scheint mir, braucht's für die Mythologie des Alten Testaments durchaus ein paar Typen, die alt wurden und zudem bis ins hohe Alter auch noch Nachwuchs zeugten. Denn gerade habe ich in den ersten Versen der 1. Chronik gesehen, dass von Adam (dem angeblich ersten Menschen) bis Noah (der mit der Sintflut) nur gerade zehn Generation vergingen.

Samstag, 28. März 2015

Christen sind besser dran?

Vor lauter sprudelnder Worte habe ich gestern einen Teil komplett vergessen. Herr Buchholz kommt nämlich gegen Ende seines Textes zum - seiner Meinung nach - praktischen Nutzen des christlichen Glaubens.

Christen sind nicht bessere Menschen - sie sind nur besser dran - sie haben mehr Ressourcen.

Und, so Buchholz, es seien eben diese Ressourcen, die erfahrbar machen, dass die Botschaft der Bibel funktioniere.

Er zählt in der Folge fünf Punkte auf, die erläutern, wie bzw. wo Christen konkret besser dran wären als - ja, als wer, vermutlich alle anderen halt. Kursiv sind die fünf Punkte im Originalwortlaut.

1. Christen haben sich freiwillig an eine höchste Autorität gebunden und können jetzt (erst dadurch) akzeptable Autorität für andere sein, sie manipulieren nicht mehr. 
Damit steht die Behauptung im Raum, dass Christsein eine Grundvoraussetzung ist, um eine akzeptable Autorität zu sein und nicht zu manipulieren. Das ist schlicht überheblich und als Pauschalbehauptung eigentlich überhaupt nicht ernst zu nehmen. Meinen Sie das wirklich, Herr Buchholz? Der gesamte christliche Glaube beruht auf Manipulation, jahrhundertelang hat die Kirche die Masse der Gläubigen an der Nase herum geführt. Und sie tut das heute noch. Das Christentum ist eine der grössten Manipulationen überhaupt. Wer sich einem imaginären Wesen, für das genau so viele Beweise existieren wie für das Einhorn, und dann noch meint, er wäre gerade deswegen eine akzeptablere Autorität als Andersgläubige, ist in meinen Augen schlicht und ergreifend nicht glaubwürdig.

Freitag, 27. März 2015

Vielleicht hilft's dir

Vor einigen Wochen habe ich eine Kopie eines Heftchens mit dem Titel "reflexionen" erhalten. Ein christliches Heftchen. Ein dünnes, mit vielen Bildern und wenig Text. Genau die Art von Heftchen, die wohl für viele Christen entscheidenden Input liefert, wie sich ihr Glaube formt. Denn um die dicke, schwere und sprachlich nicht ganz einfache Bibel zu lesen, sind die meisten zu faul.

Heftchen wie "reflexionen" liefern da viel einfacher lesbare kleine Häppchen. Da haben andere schon über den Bibeltext nachgedacht, man kriegt das Fazit in verständlichen Portionen serviert. Formuliert in einprägenden und einleuchtenden Sätzen. Man erspart sich damit das Studium der biblischen Aussagen im Kontext und man braucht sich kaum zu fürchten vor irreführenden, seltsamen, widersprüchlichen und unpassenden Versen. Die haben die Autoren des Heftchens bereits weg reflexioniert.

Nun, ich habe dieses Heftchen erhalten, weil es - ich zitiere- mir vielleicht helfe. Wie jetzt, mir helfen?

Die Person, die mir die Broschüre in die Hand drückte, hat erst vor kurzem erfahren, dass ich "vom Glauben abgefallen" bin. Ich persönlich bevorzuge ja die Formulierung "vom Glauben geheilt", aber das verstehen sie nicht, die Gläubigen.

Nun habe ich also "reflexionen" erhalten. "Vielleicht hilft es dir." Und besonders beachten sollte ich den Beitrag von dem alten Herrn namens Siegfried H. Buchholz mit der Überschrift "Warum ich Christ bin".

Dienstag, 24. März 2015

...und er tat, was der Herr verabscheute.

Wer in 2. Könige über die zahlreichen Könige nach David liest, stellt gewisse Wiederholungen fest. Imm wieder heisst es da in der Einleitung zur Beschreibung eines neuen Königs: "... und er tat, was der Herr verabscheute."

Dieser Satz ist dann zumeist die Einleitung für eine längere Liste von unschönen Dingen, die dem Volk Israel (deswegen) widerfuhren. Ziemlich deutlich wird die Gleichgültigkeit des Königs Gott gegenüber für das Leid des Volkes durch Kriege, Unterdrückung oder Dürren und Hungersnöte verantwortlich gemacht.

Interessanterweise ist es in der damaligen Zeit eine Selbstverständlichkeit, dass das Wohlergehen eines Volkes von seiner Beziehung zu Yahweh abhängt - diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der Schreiber dieser Geschichten. Doch trotz dieser angeblichen Verknüpfung von Gottesfurcht mit dem Wohlergehen des Volkes taten die Mehrheit der aufgelisteten Könige nicht das, was Yahweh von ihnen erwartete.

Samstag, 21. März 2015

Bibel vs. Softwarelizenz


Übersetzung: 
Für die meisten Christen ist die Bibel wie eine Softwarelizenz. Niemand liest sie. Man scrollt bis zum Ende und klickt auf "Ich bin einverstanden". 

Es scheint eine Tatsache, dass nur wenige Christen die Bibel wirklich lesen. Man liest einzelne Verse, selten aber den ganzen Kontext oder gar alles von der ersten bis zur letzten Seite. Vielleicht irre ich mich, aber seit ich (nach zwei Jahrzehnten Christsein) selber die Bibel mal ganz durchlese, staune ich schon, wie man diese Fantasy-Geschichten vorbehaltlos glauben kann. Ich kann mir das nur damit erklären, dass die meisten das eben gar nicht lesen. 

Auf mich bezogen stimmt obige Aussage jedenfalls absolut. Stimmte, um korrekt zu sein. :-)

gesehen bei Atheist Meme Base


Mittwoch, 18. März 2015

Irrtum unser (Peter Henkel)

Hm, ich hab's ein bisschen verpennt, meine Meinung zu diesem Buch nieder zu schreiben. Deshalb muss ich jetzt grad etwas tiefer graben in meinen grauen Zellen, um einen halbwegs vernünftigen Text hinzubekommen.

Was mir noch in Erinnerung ist: Der Herr Henkel, soviel ich weiss als Journalist tätig, schreibt anspruchsvoller als Romanautoren es tun. Da gibt es schon hier und da verschachtelte Säte mit vielen Kommas und Formulierungen, die ich zweimal lesen musste.

Inhaltlich aber überaus interessant, abwechslungsreich, spannend und überzeugend. Peter Henkel kritisiert nicht einfach nur, sondern versucht zumindest zu verstehen, warum es Menschen gibt, die einer Überzeugung nachgehen, die seiner Meinung nach (und meiner auch) keinen Sinn ergibt. Gemeint ist übrigens der christliche Glaube, für die, die's noch nicht gemerkt haben.

Sonntag, 15. März 2015

Elisa, der Grobian

Die Geschichte von Elia und seinem Nachfolger Elisa - ach, was gäbe es darüber zu schreiben. Mal ist es die wundersame Nahrungslieferung durch Vögel, mal der Kampf gegen die Baals-Diener, der vierhundert von ihnen sterben lässt, oder die berühmte Entrückung Elias durch den feurigen Wagen. Wo auch immer solche Geschichten stehen würden, kein einziger Mensch auf dieser Welt käme wohl auf die Idee, sie für bare Münze zu nehmen und als Tatsachenberichte zu akzeptieren.

Nur weil sie in der Bibel stehen gehen jedoch Millionen Christen völlig unkritisch und naiv davon aus, dass sie genau so, wie sie da erzählt werden, auch geschehen sind. Es ist mir echt ein Rätsel, je länger ich darüber nachdenke, wie es die "Kirche" geschafft hat, eine derart gutgläubige Haltung der biblischen Überlieferung gegenüber, heran zu züchten.

Gerade was die feurige Entrückung des Elias angeht tendiere ich zu einer ganz anderen Geschichte. Der Elisa wollte endlich seine ewige Nummer 2 loswerden und hat deshalb seinen Chef, den Elias, um die Ecke gebracht. Niemand ausser ihm hat die Entrückung Elias gesehen. Der Elisa konnte also erzählen, was ihm beliebte. Der Hinweis in Vers 17 und 18, wonach fünfzig Männer drei Tage nach Elia suchten, dient nur zur indirekten Bestätigung der Entrückungsgeschichte. "Ich habe euch ja gleich gesagt, dass ihr euch die Mühe sparen könnt!" sagt Elia zu den Suchenden. "Ich hab' ihn so gut verbudelt, den findet ihr nie" hat er vielleicht im Stillen hinzugefügt.