Donnerstag, 29. Januar 2015

Die Kirche sollte das Alte Testament streichen

Vor einiger Zeit habe ich einem gläubigen Christen gegenüber erwähnt, dass es der Kirche gut tun würde, sich endlich vom Alten Testament zu trennen. Ihr hättet dem seine Augen sehen sollen. :-)

Ich habe meine Empfehlung damit begründet, dass die unglaubliche Fülle an Gewalt und Brutalität, die angeblich von Gott befohlen wird gegen zahlreiche mit Israel befeindete Völker, aber auch die brutalen Strafen, die verhängt wurden, einfach nicht in Einklang gebracht werden können mit der Kernaussage des Neuen Testaments.

Die Diskussion hat vermutlich nicht viel gebracht. Mir wurde wieder einmal bewusst, wie weit weg meine Einstellung von derjenigen eines gläubigen Christen mittlerweile ist. Da scheinen unüberbrückbare Gräben dazwischen zu liegen, die ohne ernsthaftem Interesse nicht überbrückt werden können. Ich kann zwar seine, er aber nicht meine Position verstehen bzw. nachvollziehen. Ich war mal da drüben und stehe jetzt hier. Er war immer da drüben, ist immer noch da drüben und bleibt wohl noch lange da drüben.

Ich erlebe es immer wieder, dass ich mich in einer Diskussion mit Christen zurück nehme, weil ich nicht verletzen oder den Gegenüber zu sehr in Verlegenheit bringen möchte. Deshalb denke ich manchmal nur, was für eine dumme Argumentation, spreche es aber nicht aus.

Nun, um auf die Entfernung des Alten Testaments zurück zu kommen: Mein Bekannter hat sich natürlich dagegen ausgesprochen und betont, dass das Alte Testament als die Geschichte des heiligen Volkes auch unsere Basis sei und zu Gottes Wort gehöre wie das Neue Testament.

Auf meine Frage, warum der Gott, der alle Menschen liebt, seinen Sohn gab, damit alle errettet werden können, warum dieser Gott zahlreiche Male den Befehl zum Völkermord gab und selbst Frauen und kleine Kinder abschlachten liess, entgegnete er: "Das kann ich nicht endgültig beantworten, aber anscheinend haben die es so verdient."

Montag, 26. Januar 2015

Ausrottung der Amalekiter befohlen

Ich finde es ja auch langweilig, des öfteren gleiche oder zumindest ähnliche Blog-Einträge schreiben zu müssen. Aber ich habe nun mal beschlossen, die Bibel noch einmal komplett durch zu lesen. Und ich habe mir vorgenommen, mir dabei Notizen zu machen. Die landen zu 90% hier im Blog. Und wenn sich die Bibel wiederholt, tue ich das halt sozusagen automatisch auch. Wer Wiederholungen nicht so mag, der soll darüber hinweg lesen.

Wie gesagt, Völkermord in Gottes Namen bzw. auf Gottes ausdrücklichen Befehl gab es laut Bibel schon mehrmals. Mit unverständlicher Brutalität wurden dabei nicht einfach nur alle Soldaten umgebracht, sondern ausdrücklich auch Frauen, Greise und Kinder. Selbst Tiere wurden oftmals nicht verschont.

Und jetzt sind also die Amalekiter dran. Weil sie vor vielen, vielen Jahren, vielleicht sogar Generationen, das Volk Israel auf der Flucht aus Ägypten nicht durch ihr Land ziehen liessen. Das taten sie damals meines Erachtens sogar aus nachvollziehbaren Gründen. Doch wer sich indirekt Gott in den Weg stellt, dem geht's an den Kragen.

Freitag, 23. Januar 2015

Fanatismus

Saul hat einen völlig doofen Fluch ausgesprochen. Aus Rachesucht oder ähnlichen Ego-Gründen hat er jeden verflucht, der "vor dem Abend irgendetwas isst, bevor ich mich an meinen Feinden gerächt habe!"Dumm, dass sein Sohn nichts von diesem Fluch wusste und sich an Honig stärkte. Gilt ein Fluch dieser Art eigentlich auch dann, wenn man keine Kenntnis davon hat? Das würde uns zu der Diskussion führen, ob denn diejenigen in die Hölle kommen, die Gott nicht angenommen haben, weil sie noch gar nie von ihm gehört hatten. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun, Jonathan, der Sohn Sauls hat also gegessen und müsste somit verflucht werden. Und tatsächlich, nachdem Saul erfahren hatte, was vor sich ging, wollte er seinen Sohn umbringen. Eine furchtbares Beispiel dafür, wie unfassbar grausam Fanatismus sein kann. Angeblich von Gott kommende Gesetze oder in diesem Beispiel die eigene Ehre Sauls stehen über allem. Lieber bringt jemand sogar den eigenen Sohn um, als dass er später Gefahr läuft, nicht mehr ganz ernst genommen zu werden. Oder Saul sieht darin eine Sünde vor Gott, wenn man das, was man im Fluch androht, später nicht wahr macht. Oder was auch immer. Grausam auf jeden Fall. Fanatisch.

Jonathan muss dann zwar vorläufig nicht sterben, weil sich die Soldaten für ihn einsetzen. Aber wie toll muss das zukünftige Verhältnis zwischen Vater und Sohn sein, wenn man erst mal soweit gekommen ist, dass der eigene Vater einen umbringen will...

Wir trösten uns derweil damit, dass die Geschichte wohl so nicht wahr ist. Aber der Trost ist ein oberflächlicher, geschehen doch ähnlich grausame Dinge auch heute noch in Ländern mit einer Überdosis an Religion.

Dienstag, 20. Januar 2015

(Noch) kein persönlicher Gott.

Bei der Geschichte von Samuel wird wieder einmal deutlich, wie der damals nach wie vor relativ junge, neuartige Monotheismus funktionierte. Schon zu Zeiten Moses war einer, nämlich Mose persönlich, die Schnittstelle zu Gott. Gott sprach über ihn zum Volk und umgekehrt fand das Volk über Moses Zugang zu Yahweh.

Das zog sich so durch über Josua, die Richter Gideon, Samson bis eben zu Samuel. Der gemeine Bürger konnte zwar (und musste auch) persönlich ein Opfer darbringen und damit seine Hingabe an Gott zeigen. Wirklich kommuniziert, geführt und entschieden wurde aber im vertraulichen Gespräch zu Zweit.

»Bete doch für uns zum Herrn, deinem Gott, dass wir nicht sterben! Wir haben schon so viele Sünden begangen, und jetzt haben wir es auch noch gewagt, einen König zu verlangen!«
1. Sam. 12, 19


Verse wie dieser machen das zusätzlich deutlich. Es ist das Volk, das sich etwas wünscht, aber es ist einer (hier Samuel), der zu Gott betet und den Wunsch vorbringt. Er ist es auch, der später dem Volk die Antwort Gottes mitteilt.

Samstag, 17. Januar 2015

Sauls Ekstase

Da kam der Geist Gottes über Saul, so dass er wie sie in Ekstase geriet und mit ihnen Prophezeiungen aussprach. 
1. Samuel 10, 10b

Der Einschub "so dass" deutet zumindest in dieser Übersetzung darauf hin, dass die Ekstase eine mehr oder weniger logische Folge davon war, dass der Geist Gottes über ihn kam.

Ich weiss jetzt zumindest mal, woher die charismatischen Kirchen diese Idee haben, je verzückter desto besser.

Den Zustand der Ekstase bezeichne ich jetzt mal als Nicht-Normalzustand eines Menschen. Wenn die Ekstase hier als Symptom dafür erwähnt wird, dass der Geist Gottes über einem kommt, dann verstehe ich das so, dass in nicht Ekstatikern kein Geist Gottes ist.

Auf jeden Fall eine seltsame Geschichte. Würde Saul heute leben, würde man in dieser Situation wohl davon ausgehen, dass er seltsame Pilze gegessen, das falsche Kraut geraucht oder zu viel Wein getrunken hat. Da fällt mir ein: Kurz vor der Ekstase ist Saul drei Leuten begegnet, von denen laut Vorhersage Samuels einen Schlauch voll Wein bei sich hatte. Hat Saul etwa den ganzen Schlauch....?

Gut, ich geb's zu, das war jetzt etwas spöttisch. Aber dass Saul Prophezeiungen aussprach und damit - per Definition - zukünftige Ereignisse voraussagte, wie ein Wahrsager, das steht fest. Und was in den Augen Gottes, wenn man Moses glaubt, geschehen soll, steht ebenfalls fest.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Vers für Vers zerpflückt

Wenn ich meine bisherigen Blog-Beiträge so betrachte, dann tendiere ich schon dazu, hier Vers für Vers oder zumindest Kapitel für Kapitel auseinander zu nehmen und zu kommentieren. Kürzlich hat mir jemand geraten, mich nicht auf dieses Niveau zu begeben und die Bibel Vers für Vers zu zerpflücken. Viel mehr soll ich die Hauptbotschaft der Bibel, Gottes Liebe zu uns Menschen, erkennen und mich daran orientieren.

Dem voraus gegangen war eine Diskussion, bei der ich zahlreiche Beispiele aus dem Alten Testament erwähnte, die etwas über Gottes Charakter aussagen und alles andere als erfreulich, schon gar nicht im Sinne des Neuen Testaments sind.

Diese erwähnte Person fand es nicht fair, insbesondere das Alte Testament auf diese Weise zu demontieren und überall diese Verse heraus zu picken, die irgendetwas ausdrücken, das sich nicht mit der angeblich allgegenwärtigen, bereits erwähnten Kernbotschaft der Liebe deckt. Auf diese Weise könne jedes Werk beliebig zerpflückt werden. Stimmt.

Natürlich kann man, wenn man gezielt danach sucht, immer Schwachstellen und Mängel entdecken. Das ist wohl normal und tatsächlich bei jedem Literaturwerk der Fall. Doch so lange die Christen behaupten, die Bibel wäre das Wort Gottes und somit heilig und allein gültig, so lange betrachte ich sie in meinem Studium auch mit anderen Augen. Ein menschliches Werk kann Fehler und Ungereimtheiten enthalten. Ein Buch allerdings, das den Anspruch erhebt, von Gott persönlich eingegeben zu sein, das sollte nach meinem bescheidenen Verständnis diesbezüglich etwas mehr zu bieten haben.

Wenn die Christen aufhören, die Bibel als heiliges Wort Gottes zu bezeichnen, höre ich damit auf, alles schwarz auf weiss zu nehmen und auf die Goldwaage zu legen.

Samstag, 10. Januar 2015

Die falsche Haltung kann tödlich sein

Die Philister, die die Bundeslade einst als Kriegsbeute mit nach Hause brachten, wurden krank und kamen zum Schluss, dass das nur wegen eben dieser Bundeslade sein konnte. Sie beschlossen, die Lade zusammen mit äusserst sonderbaren Geschenken zurück zu senden.

Sendet dann die Nachbildungen eurer Geschwüre und der Mäuse, die euer ganzes Land kahl fressen, dem Gott der Israeliten. Damit erweist ihr ihm die Ehre. 
1. Samuel 6, 5

Wie die Berater der Philister auf diese Idee kamen und ob sie wirkte, wissen wir nicht. Was wir aber wissen: Die Israeliten, die die Bundeslade als erste sahen, bastelten sich aus dem Wagen, der sie transportierte, unverzüglich einen Altar und schlachteten die Kühe, die den Wagen zogen, und verbrannten sie als Dankopfer. Es steht geschrieben, dass an diesem Tag noch viele Tiere für Gott geopfert wurden. 

Montag, 5. Januar 2015

Yahweh als Maskottchen

1. Samuel 5: Die Philister haben bei einem Krieg gegen Israel die Bundeslade erbeutet. Statt sie feierlich zu zerstören oder irgendwo in eine Schatzkammer des Königs zu stellen, platzieren sie das Heiligtum der Israeliten im Heiligtum der Philister. Im Tempel ihres Gottes Dagon, gleich neben sein Standbild, fand die Bundeslade ihren neuen Platz. Seltsam.

Warum soll man den Gegenstand, der wie nichts anderes den Gott der eigenen Feinde symbolisiert, ausgerechnet zu seinem eigenen Gott stellen? Die Israeliten, so lesen wir an anderen Stellen, hätten im umgekehrten Fall kurzen Prozess gemacht und die Dagon-Statue eigenhändig zerstört und damit demonstriert, dass ihr Gott grösser ist als Dagon.

Wir dürfen dabei jedoch nicht vergessen, dass die Israeliten mit ihrem Gott Yahweh wohl die erste monotheistische Religion aufbauten. Selbstverständlich kann es in einer monotheistischen Religion keine anderen Götter nebenbei geben. Zwar lässt schon das Gebot von Gott, man dürfe neben ihm keine weiteren Götter haben, darauf schliessen, dass es sie eben doch gibt, doch das ist ein anderes Thema.