Freitag, 23. Januar 2015

Fanatismus

Saul hat einen völlig doofen Fluch ausgesprochen. Aus Rachesucht oder ähnlichen Ego-Gründen hat er jeden verflucht, der "vor dem Abend irgendetwas isst, bevor ich mich an meinen Feinden gerächt habe!"Dumm, dass sein Sohn nichts von diesem Fluch wusste und sich an Honig stärkte. Gilt ein Fluch dieser Art eigentlich auch dann, wenn man keine Kenntnis davon hat? Das würde uns zu der Diskussion führen, ob denn diejenigen in die Hölle kommen, die Gott nicht angenommen haben, weil sie noch gar nie von ihm gehört hatten. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun, Jonathan, der Sohn Sauls hat also gegessen und müsste somit verflucht werden. Und tatsächlich, nachdem Saul erfahren hatte, was vor sich ging, wollte er seinen Sohn umbringen. Eine furchtbares Beispiel dafür, wie unfassbar grausam Fanatismus sein kann. Angeblich von Gott kommende Gesetze oder in diesem Beispiel die eigene Ehre Sauls stehen über allem. Lieber bringt jemand sogar den eigenen Sohn um, als dass er später Gefahr läuft, nicht mehr ganz ernst genommen zu werden. Oder Saul sieht darin eine Sünde vor Gott, wenn man das, was man im Fluch androht, später nicht wahr macht. Oder was auch immer. Grausam auf jeden Fall. Fanatisch.

Jonathan muss dann zwar vorläufig nicht sterben, weil sich die Soldaten für ihn einsetzen. Aber wie toll muss das zukünftige Verhältnis zwischen Vater und Sohn sein, wenn man erst mal soweit gekommen ist, dass der eigene Vater einen umbringen will...

Wir trösten uns derweil damit, dass die Geschichte wohl so nicht wahr ist. Aber der Trost ist ein oberflächlicher, geschehen doch ähnlich grausame Dinge auch heute noch in Ländern mit einer Überdosis an Religion.

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