Dienstag, 20. Januar 2015

(Noch) kein persönlicher Gott.

Bei der Geschichte von Samuel wird wieder einmal deutlich, wie der damals nach wie vor relativ junge, neuartige Monotheismus funktionierte. Schon zu Zeiten Moses war einer, nämlich Mose persönlich, die Schnittstelle zu Gott. Gott sprach über ihn zum Volk und umgekehrt fand das Volk über Moses Zugang zu Yahweh.

Das zog sich so durch über Josua, die Richter Gideon, Samson bis eben zu Samuel. Der gemeine Bürger konnte zwar (und musste auch) persönlich ein Opfer darbringen und damit seine Hingabe an Gott zeigen. Wirklich kommuniziert, geführt und entschieden wurde aber im vertraulichen Gespräch zu Zweit.

»Bete doch für uns zum Herrn, deinem Gott, dass wir nicht sterben! Wir haben schon so viele Sünden begangen, und jetzt haben wir es auch noch gewagt, einen König zu verlangen!«
1. Sam. 12, 19


Verse wie dieser machen das zusätzlich deutlich. Es ist das Volk, das sich etwas wünscht, aber es ist einer (hier Samuel), der zu Gott betet und den Wunsch vorbringt. Er ist es auch, der später dem Volk die Antwort Gottes mitteilt.

Vor Gott kann nicht jeder kommen. Das wurde schon zu Moses Zeiten mit dem ganzen Regelwerk rund um die Stiftshütte und der Weisung, dass nur Aaron ins Heiligtum darf. Solche Regeln machen es natürlich einfach, die Menge der Gläubigen zu täuschen, zu missbrauchen und zu manipulieren. So eine Religion kann auf Dauer nicht befriedigen, weil das Wohl der Gläubigen immer irgendwie von einem Dritten, vereinfacht gesagt dem Priester, abhängig ist. Ist der mal nicht da oder weilt im Nachbardorf, und ich habe ein Problem, habe ich... eben ein Problem.

So ist es meines Erachtens auch nicht verwunderlich, dass die Israeliten fast schon unheimlich oft sich wieder von Yahweh, dem neuen Mono-Gott, abwandten und sich wieder mit den ihnen vertrauteren Götzen wie Baal und Astarte beschäftigten.

Erst dann, wenn das Volk Israel wieder besonders litt und alles (auch ihre Götter) nichts mehr half, besann man sich direkt oder indirekt wieder auf die geheimnisvollen Wunder von Yahweh. Flugs wurde der jeweils gerade bekannte und aktive Prophet kontaktiert und das mehrmals in der Bibel erwähnte Spielchen nahm seinen Lauf:

Das Volk musste gestehen, dass es sündigte und falsche Götter anbetete. Es musste um Vergebung bitte, die Götzenbilder vernichten und Yahweh ein Opfer bringen. Damit war sozusagen der rote Teppich für Samuel & Co wieder ausgerollt und man konnte die Masse wieder für seine Zwecke einsetzen.

Im Prinzip ein ganz normaler, menschlicher Vorgang. Das geht auch heute noch vielen Menschen so: Wenn alles nichts mehr hilft, versucht man's mit Beten, Gott und der Kirche. Oder halt mit anderen Dingen, die fantastische Erfolgschancen versprechen.

Klar, laut der biblischen Erzählung hat Yahweh dann auch immer geholfen. Dafür haben die damaligen Geschichtenschreiber, die eifrig daran waren, einen Mythos der Unbesiegbarkeit aufzubauen, natürlich gesorgt. Meist gab's dann übrigens ein Blutbad unter den Feinden Israels. Rohe Gewalt scheint zumindest im Alten Testament der Ansatz zu sein, der Gott am liebsten ist.

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