Montag, 5. Januar 2015

Yahweh als Maskottchen

1. Samuel 5: Die Philister haben bei einem Krieg gegen Israel die Bundeslade erbeutet. Statt sie feierlich zu zerstören oder irgendwo in eine Schatzkammer des Königs zu stellen, platzieren sie das Heiligtum der Israeliten im Heiligtum der Philister. Im Tempel ihres Gottes Dagon, gleich neben sein Standbild, fand die Bundeslade ihren neuen Platz. Seltsam.

Warum soll man den Gegenstand, der wie nichts anderes den Gott der eigenen Feinde symbolisiert, ausgerechnet zu seinem eigenen Gott stellen? Die Israeliten, so lesen wir an anderen Stellen, hätten im umgekehrten Fall kurzen Prozess gemacht und die Dagon-Statue eigenhändig zerstört und damit demonstriert, dass ihr Gott grösser ist als Dagon.

Wir dürfen dabei jedoch nicht vergessen, dass die Israeliten mit ihrem Gott Yahweh wohl die erste monotheistische Religion aufbauten. Selbstverständlich kann es in einer monotheistischen Religion keine anderen Götter nebenbei geben. Zwar lässt schon das Gebot von Gott, man dürfe neben ihm keine weiteren Götter haben, darauf schliessen, dass es sie eben doch gibt, doch das ist ein anderes Thema.

Im Gegensatz zu den auf Yahweh fokussierten Israeliten schienen die Philister offener zu sein für fremde Götter. Der polytheistische Glaube war damals nachweislich weit verbreitet. Man könnte das Verhalten der Philister damit erklären, dass sie sich sagten, je mehr Götter uns beiseite stehen, desto stärker werden wir.

Das Besitzen eines Gottesbildes oder eines entsprechenden Symbols - im Falle der Bundeslade war sogar der Glaube verbreitet, Gott würde zwischen den Engeln auf ihr wohnen - hiess wohl, dass man damit auch den dazugehörigen Gott "besass". So, wie abergläubische Torwarte glauben, sie würden besser spielen mit einem Maskottchen im Netz, glaubten die Philister (und vermutlich ja nicht nur sie), dass sie stärker wären im Krieg, wenn möglichst viele Götter in ihrem Tempel hausten.

Dieser Aberglaube liess die Philister davon ausgehen, dass die Israeliten deshalb so weit herum als unbesiegbar galten, weil sie ein starkes Maskottchen, einen starken Gott im Tempel haben. Nichts besser, als diesen Gott nun selber im Tempel zu haben und von seiner legendären kriegerischen Macht profitieren zu können.

Ich denke mal, so ungefähr hat das auch der Schreiber gesehen, der diese Geschichte erstmals aufschrieb oder erzählte. Ob Teile davon wahr sind oder nicht, kann man heute vielleicht nicht mehr beantworten. Oder man müsste hierfür zumindest genauer wissen, was die Archäologie an Belegen finden konnte. Da bin ich leider noch weitgehend ahnungslos.

Auf jeden Fall dürften die mysteriösen Ereignisse, die rund um die Bundeslage geschahen (Sturz der Dagon-Statue, Krankheiten bei den Bewohnern) und letztlich zur Rückgabe derselben führten, ins Reich der Legenden gehören. In diesem Zusammenhang finde ich es immer wieder amüsant, wie die Christen solche Geschichten mehr oder weniger vorbehaltlos glauben, während sie bei anderen angeblichen mysteriösen Ereignissen nicht biblischer Art von vornherein wissen, dass so etwas nicht möglich sei.

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