Freitag, 27. Februar 2015

Salomo manipuliert von Anfang an

Weil David erfuhr, dass mal wieder ein Familienmitglied - diesmal war es ein Halbbruder des bereits als Rebellen gestorbenen Absaloms - am Stuhl, pardon Thron sägt, lässt er leicht überstürzt seinen Batseba-Sohn Salomo zum König salben. Kaum von der Salbung zurück, preist er Gott:

›Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Heute hat er einen meiner Söhne als meinen Nachfolger auf den Thron gesetzt. Ich preise den Herrn, dass ich diesen Augenblick noch erleben darf!‹
1. Könige 1, 48

Schon hier fällt auf, dass dem Leser suggeriert wird, Gott hätte den Nachfolger Davids ernennt, Gott hätte ihn auf den Thron gesetzt, Gott hätte seine Hand im Spiel. Tatsächlich lässt die Erzählung aber annehmen, dass Gott gerade eben gar nichts gemacht hat. Es war David, der vor längerer Zeit entschied, Salomo zu seinem Nachfolger zu machen. Es war David, der jetzt spontan Priester und Prophet aufbot und Salomo zum König salben liess. Es war David, der damit einen seiner Söhne auf den Thron hievte.

In der weiteren Handlung - es geht da Schlag auf Schlag - bringt Salomo seinen Halbbruder Adonjia aus fadenscheinigen Gründen um und begründet das unter anderem mit folgendem Satz:

Dienstag, 24. Februar 2015

Die Bibel berichtet: Yahweh ist nicht gerecht

Wenn man behauptet, der Gott, der laut christlichem Glauben für Gerechtigkeit schlechthin steht, sei nicht gerecht, dann läuft man wohl Gefahr, mindestens verbal eine Tracht Prügel zu bekommen.

Bevor jetzt aber jemand auf mich eindrischt (sündige nicht in deinen Gedanken, liebe Leserin, lieber Leser), lasst mich bitte erklären, was ich meine.

Erstens mal beziehe ich mich auf Gerechtigkeit, wie wir sie heute im Allgemeinen sehen und anerkennen. Gut möglich, dass vor dreitausend Jahren ein anderer Sinn für Gerechtigkeit herrschte. Aber wenn man sich auf diese Möglichkeit abstützt, sollte man gleichzeitig nicht vergessen, dass die Bibel das Wort Gottes sein soll. Warum sollten dann Dinge drinstehen, die wir heute nicht mehr so ohne weiteres deuten und verstehen können?

Zweitens stimmt meine im Titel genannte Behauptung natürlich nur, wenn der nachfolgende, aus der Bibel zitierte Text der Wahrheit entspricht. Da ich persönlich das nicht so sehe, meine ich auch nicht allen Ernstes, Yahweh wäre ungerecht.*

Nun aber zum Text aus 2. Samuel 24

Samstag, 21. Februar 2015

Davids Gott war ein Kriegsgott

Als Christ kannte ich König David natürlich als eine der grössten biblischen Figuren. Doch mit Erstaunen habe ich bei der Lektüre der beiden Samuel-Bücher festgestellt, dass ich eigentlich kaum etwas über ihn wusste. Wird er im kirchlichen Umfeld gerne als grosser Held, Führer Israels und Vorfahre Jesu gepriesen, schildert ihn die Bibel eigentlich schlicht als egoistischen, gewalttätigen und machtsüchtigen Tyrannen.

Und Yahweh, der laut biblischer Erzählung ja prächtig mitspielte, hat sich in meinen Augen eindeutig als typischer Kriegsgott gezeigt. Natürlich gibt es die eine oder andere Erzählung, die Gottes Rache, Zorn oder Gnade ausserhalb des Schlachtfelds erzählt. In den meisten Fällen geht es aber darum, dass Gott an den israelitischen Kriegsschauplätzen den Sieg schenkt.

Das widerspiegelt sich auch in dem Text, der als Davids Dankgebet in der "Hoffnung für Alle" abgedruckt ist. Darin sind einige Zitate, die fleissig und gerne als fromme Motivationssprüche auf Kalendern und Buchzeichen Platz finden:

Der Herr ist mein Fels, meine Festung und mein Erretter, mein Gott, meine Zuflucht, mein sicherer Ort. Er ist mein Schild, mein starker Helfer, meine Burg auf unbezwingbarer Höhe.
2. Sam. 22, 2+3

Donnerstag, 19. Februar 2015

6 Finger?

Einmal kam es bei Gat zum Kampf. Einer der Philister, ein Nachkomme Rafas, war sehr groß. An jeder Hand hatte er sechs Finger und an jedem Fuß sechs Zehen. Er machte sich über die Israeliten lustig, doch Jonatan, ein Sohn von Davids Bruder Schamma, tötete ihn. Diese vier Riesen waren Nachkommen Rafas und kamen aus Gat. Sie wurden von David und seinen Soldaten umgebracht.
2. Sam 21, 20-22

Irgendwie hab' ich mich jetzt grad an den Song Burli von der EAV erinnert. "An jeder Hand zehn Finger und Hände hat er vier, keiner spielt so schnell Klavier". Zu König Davids Zeit gab's aber wohl noch keine Kernkraftwerke und somit auch keine atomaren Zwischenfälle. Woher kommen dann die Riesen. Und woher kommen die sechs Finger?

War dieser Riese eine Missgeburt? Oder ist er schlicht eine Erfindung? Wurde die Geschichte mit diesen vier Riesen gedichtet, um den Goliath-Mythos von David zu festigen und vom einmaligen Ereignis sozusagen zur Gewohnheit werden zu lassen?

Vielleicht liest diesen Blog-Post mal jemand, der sich über diese und ähnliche Geschichten schon mehr Gedanken gemacht hat als ich. Dann freue ich mich, wenn diese Person hier ihren Kommentar abgibt. Danke.

Bis dahin wundere ich mich einfach, wie viele Seiten die Bibel schlanker sein könnte, wenn man das Morden, Schlachten und Kriegen weg gelassen hätte.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Menschenopfer besänftigen Gott

Unter Davids Führung herrschte für drei Jahre Hungersnot in Israel. Irgendwie erfuhr David (von Gott), dass dies auf die unfaire Behandlung der Gibeoniter unter König Saul zurück zu führen ist. Als David sich bei denen erkundigte, wie er sie wieder zufrieden stellen könnte, antworteten diese:

»Saul plante unseren Untergang, er wollte uns vernichten, damit es in ganz Israel niemanden mehr von uns gibt. 6Darum liefere nun sieben männliche Nachkommen Sauls an uns aus. Wir wollen sie aufhängen, um den Zorn des Herrn abzuwenden, und zwar in Gibea, der Heimatstadt Sauls, den der Herr damals als König erwählt hat.«
2. Sam. 21, 5+6

Die Idee der Gibeoniter, wie sie das Dilemma zu lösen gedenken, verwirrt. Noch viel verstörender ist aber die Tatsache, dass David angeblich auf den Deal einging und wirklich sieben Männer von Sauls Nachkommen auslieferte.

Er übergab sie den Gibeonitern. Alle sieben wurden am selben Tag auf dem Berg bei Gibea aufgehängt, um den Zorn des Herrn abzuwenden.
2. Sam. 21, 9

Es folgen ein paar Befehle Davids, nachdem die sieben erhängt wurden, ehe der Text mit Vers 14 und dem Ende der Hungersnot schliesst:

Als alle Befehle Davids ausgeführt waren, erhörte Gott die Gebete für das Land und machte der Hungersnot ein Ende.

*************

Ich bin froh, glaube ich nicht mehr an einen Gott, der Tausende Menschen mit einer Hungersnot bestraft und damit erst aufhört, wenn sieben spezifische Menschen, die zufällig Nachkommen eines Tyrannen waren, gehängt werden. Diese sieben hatten sich sicherlich nicht freiwillig gemeldet, sondern sich gegen den Entscheid mit Händen und Füssen gewehrt. Vermutlich hatten sie Familien, von denen sie sich Hals über Kopf verabschieden mussten und die kurz darauf mit ansehen mussten, wie ihr Ehemann und Vater erhängt wird.

Dieser Text - egal, ob er wahr oder erfunden ist - gibt uns aber einen Einblick in die damalige Denkweise der Menschen.

Ursache für Umweltereignisse
Wenn eine Hungersnot nicht durch menschliche Misswirtschaft entstanden ist, dann ist sie wohl die Folge von Wetterverhältnissen, die der Landwirtschaft nicht zuträglich sind. Ein Landwirt, der ich nicht bin, könnte hier sicherlich ziemlich genau erklären, dass es nicht einmal an Regen und Sonne mangeln muss, sondern selbige lediglich in falschen Mengen und zu falschen Zeiten kommen. Und während die heutigen Bauern mit ihren 500 PS-Maschinen auch kurzfristig auf Wetterverhältnisse reagieren können, war damals vermutlich schon mehr Vorlauf nötig, um rechtzeitig zu pflügen, säen oder ernten.

In der damaligen Zeit war es jedoch üblich, dass es andere Gründe für Wetterkapriolen oder deren Folgen gab. Eben zum Beispiel die in diesem Text erwähnte politische Altlast. Es spielt gar keine Rolle, ob der Text wahr ist oder erfunden. Allein die Tatsache, dass die Geschichte so da steht, zeigt, dass so etwas in der Zeit der Niederschrift nicht unüblich war.

Menschenopfer
Ebenso wenig fremd schien in der damaligen Zeit das Opfern von Menschen. Dass für die Besänftigung der Götter bzw. in diesem Fall des einen Gottes ein Opfer nötig war, ist hin längst bekannt und so oft in der Bibel erwähnt und beschrieben, dass man es nicht überlesen kann. Im Glaube der Israeliten (und wohl nicht nur in diesem) muss Blut fliessen, wenn in irgend einer Form Unrecht geschah und man sich wieder mit Gott versöhnen wollte. Auch dies muss damals, zur Zeit Davids, so sehr zum gesellschaftlichen Leben gehört haben, dass wir in den überlieferten Texten kein Wort der Entrüstung vernehmen. Selbst Yahweh, der Schöpfer der Menschheit, schien dem Glauben des Autoren nach, nichts gegen diese Machenschaft gehabt zu haben. Im Gegenteil, Yahweh hat diese Aktion geradezu begrüsst, sich dadurch gnädig stimmen lassen und die Hungersnot beendet.

Wohl könnte man an dieser Stelle noch lange weiter schreiben. Ich halte das einfach mal für mich fest in der leisen Erwartung, dass irgendwann der Tag kommt, an dem ich hierhin verweise.


Sonntag, 15. Februar 2015

Eine Vergewaltigung ist doch nicht so schlimm

Absalom und Amnon sind Halbbrüder (Söhne König Davids, jedoch unterschiedlicher Mütter). Tamar ist die Schwester von Absalom und somit die Halbschwester von Amnon. Eines Tages vergewaltigt Amnon Tamar. Das dürfte er natürlich nicht. Und schon gar nicht dürfte er sie danach nicht als Frau annehmen.

Nun wissen wir, dass damals ziemlich irritierende Regeln bestehe zum Thema Vergewaltigung. Und von einem König wie David, der selbst Mörder von ihm feindlich gesinnten Königen hinrichten lässt und auch sonst mit Sündern nicht zimperlich umging, würde man in dieser Situation einiges erwarten. Jedenfalls nicht das, was er tatsächlich tut:

Als König David davon erfuhr, wurde er sehr zornig. Doch er brachte es nicht übers Herz, Amnon zu bestrafen, denn er war sein ältester Sohn, und David liebte ihn besonders.
2. Sam 13, 21

Donnerstag, 12. Februar 2015

Wenn David Gefangene macht...

...dann hatten die in der Regel nichts zu lachen. Oft machte er ja nicht mal welche, sondern tötete was sich ihm in den Weg stellte. Doch nach seinem fragwürdigen Aufstieg zum König über Israel kriegte er gegen Philister und Moabiter. Und 2. Samuel 8, 2 berichtet, wie er mit seinen Gefangenen verfuhr.

Die Gefangenen mussten sich alle nebeneinander auf den Boden legen. Dann ging David mit einer Messschnur an der Reihe entlang. Er maß jeweils zwei Schnurlängen ab, und alle, die innerhalb dieses Bereiches lagen, wurden hingerichtet. Dann maß er jeweils eine Schnurlänge ab, und diese Gefangenen durften am Leben bleiben.

Glücklich, wer eher klein war.

Heute würde wohl alle Welt, und allen voran die Kirche, ein solches abscheuliches, brutales Verhalten aufs Schärfste verurteilen. Zu Zeiten Davids schien das ok zu sein. Und wenn man das Einverständnis der damaligen Bevölkerung noch halbwegs verstehen kann, so wundert es mich doch, dass scheinbar auch der Liebe Gott im Himmel damit keine Probleme hatte. Einwände sind jedenfalls keine vermerkt.

Montag, 9. Februar 2015

Gottes Weg führt über den Bürgerkrieg

David, oder mittlerweile König David, ist eine biblische Schlüsselfigur. Von ihm, so die biblische Überlieferung, soll später Jesus Christus abstammen. Doch so makellos, wie sich das anhört, war David bei weitem nicht. Ein bisschen was über seine Allüren und Schwächen, insbesondere für Gewalt, habe ich vor ein paar Tagen schon notiert.

Auch die Art und Weise, wie David König wurde, ist alles andere als über jeden Zweifel erhaben. Dass er König werden würde, hat ihm ja Gott angeblich verheissen. Es ist dann schon leicht irritierend, wenn er sich dann dennoch mit Gewalt zum König machen muss.

Nur der Stamm Juda stand hinter David.
2. Sam. 2, 10

Alle anderen Stämme nicht. Und das führte zu einem blutigen Brüderkrieg unter den Stämmen von Gottes Volk, der sich über lange Zeit hinzog. Nach und nach gewann David die Oberhand.

Nun begann ein langer Krieg zwischen den Anhängern von Sauls Sohn Isch-Boschet und Davids Anhängern. Mit der Zeit wurde David immer stärker und mächtiger, während die andere Seite an Macht und Ansehen verlor. 
2. Sam 3, 1

Einen entscheidenden Einfluss hat am Ende der gegnerische Heerführer Abner, der sozusagen zum Verräter wird, sich auf Davids Seite stellt und andere ebenfalls dazu überredet.

Yahweh scheint einen seltsamen Sinn für Humor zu haben, wenn er innerhalb seines auserwählten Volkes einen Brüderkrieg ausbrechen und über lange Zeit wüten lässt, damit derjenige, den er als König auserwählt, auch wirklich an die Macht kommt.

Vielleicht war es anders rum: David behauptete, er hätte von Gott eine Verheissung und legitimierte seinen Anhängern gegenüber damit den Krieg gegen die anderen Stämme. Oder noch mehr andersrum: Die Geschichte(n) wurden später erfunden um David wichtiger (oder echter) zu machen, als er tatsächlich war. Zumindest die Tatsache, dass die Samuelbücher erst deutlich später die darin geschilderten Ereignisse nieder geschrieben wurden, lässt letzteres vermuten.

Freitag, 6. Februar 2015

Sauls Suizid: Hat er oder hat er doch nicht?

Ich habe es schon mehrfach erwähnt: Wenn man davon ausgeht, dass die Bibel Gottes heiliges Wort sei, dann darf man nach meiner Meinung auch mit einer grösseren Erwartungshaltung an die Lektüre. Dass schon einfachste Ereignisse in widersprüchlichen Versionen erzählt werden, obschon die beiden Erzählungen gerade mal eine dünne Bibelseite trennt, ist nicht gerade vertrauenserweckend.

Es geht um das Lebensende von Saul, wie er auf dem Schlachtfeld stirbt. Die erste Variante finden wir im letzten Kapitel von 1. Samuel. Sie erzählt, dass der Waffenträger, also ein Diener Sauls, sich weigerte, den König zu ermorden und er deshalb zum Suizid gezwungen wurde.

4Da flehte er seinen Waffenträger an: »Zieh dein Schwert, und töte mich! Sonst bringen mich diese unbeschnittenen Heiden um und treiben ihren Spott mit mir.« Doch der Waffenträger weigerte sich. Er wagte es nicht, den König umzubringen. Da nahm Saul selbst sein Schwert und stürzte sich hinein. 5Als der Diener sah, dass sein Herr tot war, ließ auch er sich in sein Schwert fallen und starb zusammen mit dem König. 
1. Sam. 31, 4-5

Blättern wir eine Seite weiter, lesen wir die gleiche Begebenheit, wie sie ein Amalekiter erzählt. Der zufolge erschien selbiger sozusagen aus heiterem Himmel auf dem Schlachtfeld und wurde von dem schwer verwundeten Saul gebeten, ihm den Gnadenstoss zu geben. Der Amalekiter kam dem Wunsch nach, so erzählt er bzw. der Schreiber von 2. Samuel.

Dienstag, 3. Februar 2015

König David: Was ich bisher nicht so richtig wusste

Bei der Lektüre von 1. Samuel, mit der ich jetzt eben fertig wurde und an die 2. Samuel nahtlos anknüpft, fällt mir zum ersten Mal auf, was der spätere König David eigentlich für ein Typ war.

Dass der für scheinbar längere Zeit ein Anführer einer Truppe von Gesetzlosen und Aussteigern war, wusste ich noch gar nicht.

Bald scharten sich noch andere um ihn: Menschen, die sich in einer ausweglosen Lage befanden, die Schulden hatten oder verbittert waren. Schließlich war es eine Gruppe von etwa 400 Mann, und David wurde ihr Anführer.
1. Sam. 22, 2

Wenn man Davids Bitten nicht nachkam, konnte man sich Ärger einhandeln. Ziemlich grossen Ärger. Endgültigen Ärger, um genau zu sein. Als einmal ein Farmer namens Nabel den Boten Davids keine Lebensmittel überlassen wollte, machte sich dieser flugs mit einer Hundertschaft an Kriegern auf um nicht nur Nabel, sondern dessen ganze Belegschaft umzubringen.