Samstag, 21. Februar 2015

Davids Gott war ein Kriegsgott

Als Christ kannte ich König David natürlich als eine der grössten biblischen Figuren. Doch mit Erstaunen habe ich bei der Lektüre der beiden Samuel-Bücher festgestellt, dass ich eigentlich kaum etwas über ihn wusste. Wird er im kirchlichen Umfeld gerne als grosser Held, Führer Israels und Vorfahre Jesu gepriesen, schildert ihn die Bibel eigentlich schlicht als egoistischen, gewalttätigen und machtsüchtigen Tyrannen.

Und Yahweh, der laut biblischer Erzählung ja prächtig mitspielte, hat sich in meinen Augen eindeutig als typischer Kriegsgott gezeigt. Natürlich gibt es die eine oder andere Erzählung, die Gottes Rache, Zorn oder Gnade ausserhalb des Schlachtfelds erzählt. In den meisten Fällen geht es aber darum, dass Gott an den israelitischen Kriegsschauplätzen den Sieg schenkt.

Das widerspiegelt sich auch in dem Text, der als Davids Dankgebet in der "Hoffnung für Alle" abgedruckt ist. Darin sind einige Zitate, die fleissig und gerne als fromme Motivationssprüche auf Kalendern und Buchzeichen Platz finden:

Der Herr ist mein Fels, meine Festung und mein Erretter, mein Gott, meine Zuflucht, mein sicherer Ort. Er ist mein Schild, mein starker Helfer, meine Burg auf unbezwingbarer Höhe.
2. Sam. 22, 2+3

Oder der hier ist sehr beliebt:
Mit dir, mein Gott, kann ich über Mauern springen.

Auf besagten Kalendern, Buchzeichen oder Losungen wird hingegen gerne auf den Teilsatz verzichtet, der da vorausgeht. Eigentlich heisst es in Vers 30 nämlich:

30Mit dir kann ich die Feinde angreifen; mit dir, mein Gott, kann ich über Mauern springen.

Das korrespondiert dann doch nicht so ganz mit der neutestamentlichen Idee, man solle seinen Nächsten lieben wie sich selbst.

Überhaupt erkennt der aufmerksame Leser rasch, dass David hier hauptsächlich militärische Ereignisse schildert, vor denen ihn Gott gerettet oder in denen er brillieren konnte.

15Er schoss seine Pfeile ab, und die Feinde stoben auseinander. Grelle Blitze zuckten und verwirrten das feindliche Heer.

35Er lehrt mich, die Waffen zu gebrauchen, und zeigt mir, wie ich auch den stärksten Bogen noch spannen kann.

38Ich jagte meinen Feinden nach und überwältigte sie, ich kehrte erst um, als auch der Letzte von ihnen gefallen war. 39Mit Wucht schlug ich sie nieder, bis sie nicht mehr aufstehen konnten und tot zu meinen Füßen lagen. 40Du, Herr, hast mir die Kraft für diesen Kampf gegeben, du hast mir zum Sieg über meine Gegner verholfen.

44b: Sogar Völker, die ich nicht kannte, haben sich mir unterworfen.

49b: Du gabst mir den Sieg über meine Feinde, von diesen brutalen Menschen hast du mich befreit.

Wobei nochmals erwähnt werden muss, dass gerade David sicherlich keinen Grund hatte, sich über die Brutalität anderer Menschen zu beklagen, war er doch selber wohl gerade seiner Brutalität wegen gefürchtet.

Zum Abschluss dieses Postings noch ein Vers aus diesem Kontex, der die Frage aufwirft, wo Gottes Nase und Mund sein mögen.

9Schwarzer Rauch quoll aus seiner Nase, aus seinem Mund loderten Flammen, und glühende Kohlen wurden herausgeschleudert.

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