Mittwoch, 18. Februar 2015

Menschenopfer besänftigen Gott

Unter Davids Führung herrschte für drei Jahre Hungersnot in Israel. Irgendwie erfuhr David (von Gott), dass dies auf die unfaire Behandlung der Gibeoniter unter König Saul zurück zu führen ist. Als David sich bei denen erkundigte, wie er sie wieder zufrieden stellen könnte, antworteten diese:

»Saul plante unseren Untergang, er wollte uns vernichten, damit es in ganz Israel niemanden mehr von uns gibt. 6Darum liefere nun sieben männliche Nachkommen Sauls an uns aus. Wir wollen sie aufhängen, um den Zorn des Herrn abzuwenden, und zwar in Gibea, der Heimatstadt Sauls, den der Herr damals als König erwählt hat.«
2. Sam. 21, 5+6

Die Idee der Gibeoniter, wie sie das Dilemma zu lösen gedenken, verwirrt. Noch viel verstörender ist aber die Tatsache, dass David angeblich auf den Deal einging und wirklich sieben Männer von Sauls Nachkommen auslieferte.

Er übergab sie den Gibeonitern. Alle sieben wurden am selben Tag auf dem Berg bei Gibea aufgehängt, um den Zorn des Herrn abzuwenden.
2. Sam. 21, 9

Es folgen ein paar Befehle Davids, nachdem die sieben erhängt wurden, ehe der Text mit Vers 14 und dem Ende der Hungersnot schliesst:

Als alle Befehle Davids ausgeführt waren, erhörte Gott die Gebete für das Land und machte der Hungersnot ein Ende.

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Ich bin froh, glaube ich nicht mehr an einen Gott, der Tausende Menschen mit einer Hungersnot bestraft und damit erst aufhört, wenn sieben spezifische Menschen, die zufällig Nachkommen eines Tyrannen waren, gehängt werden. Diese sieben hatten sich sicherlich nicht freiwillig gemeldet, sondern sich gegen den Entscheid mit Händen und Füssen gewehrt. Vermutlich hatten sie Familien, von denen sie sich Hals über Kopf verabschieden mussten und die kurz darauf mit ansehen mussten, wie ihr Ehemann und Vater erhängt wird.

Dieser Text - egal, ob er wahr oder erfunden ist - gibt uns aber einen Einblick in die damalige Denkweise der Menschen.

Ursache für Umweltereignisse
Wenn eine Hungersnot nicht durch menschliche Misswirtschaft entstanden ist, dann ist sie wohl die Folge von Wetterverhältnissen, die der Landwirtschaft nicht zuträglich sind. Ein Landwirt, der ich nicht bin, könnte hier sicherlich ziemlich genau erklären, dass es nicht einmal an Regen und Sonne mangeln muss, sondern selbige lediglich in falschen Mengen und zu falschen Zeiten kommen. Und während die heutigen Bauern mit ihren 500 PS-Maschinen auch kurzfristig auf Wetterverhältnisse reagieren können, war damals vermutlich schon mehr Vorlauf nötig, um rechtzeitig zu pflügen, säen oder ernten.

In der damaligen Zeit war es jedoch üblich, dass es andere Gründe für Wetterkapriolen oder deren Folgen gab. Eben zum Beispiel die in diesem Text erwähnte politische Altlast. Es spielt gar keine Rolle, ob der Text wahr ist oder erfunden. Allein die Tatsache, dass die Geschichte so da steht, zeigt, dass so etwas in der Zeit der Niederschrift nicht unüblich war.

Menschenopfer
Ebenso wenig fremd schien in der damaligen Zeit das Opfern von Menschen. Dass für die Besänftigung der Götter bzw. in diesem Fall des einen Gottes ein Opfer nötig war, ist hin längst bekannt und so oft in der Bibel erwähnt und beschrieben, dass man es nicht überlesen kann. Im Glaube der Israeliten (und wohl nicht nur in diesem) muss Blut fliessen, wenn in irgend einer Form Unrecht geschah und man sich wieder mit Gott versöhnen wollte. Auch dies muss damals, zur Zeit Davids, so sehr zum gesellschaftlichen Leben gehört haben, dass wir in den überlieferten Texten kein Wort der Entrüstung vernehmen. Selbst Yahweh, der Schöpfer der Menschheit, schien dem Glauben des Autoren nach, nichts gegen diese Machenschaft gehabt zu haben. Im Gegenteil, Yahweh hat diese Aktion geradezu begrüsst, sich dadurch gnädig stimmen lassen und die Hungersnot beendet.

Wohl könnte man an dieser Stelle noch lange weiter schreiben. Ich halte das einfach mal für mich fest in der leisen Erwartung, dass irgendwann der Tag kommt, an dem ich hierhin verweise.


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