Dienstag, 31. März 2015

Jesus - Mythos und Wahrheit

Drei Theologen (!) im Studio und trotzdem ein Streitgespräch. Anregende Diskussion mit stellenweise auch gegenseitige Meinungsgleichheit, im Wesentlichen aber doch immer wieder verblüffend, wie wenig sich die Theologen untereinander schon in Kernpunkten ihrer gemeinsamen Religion uneins sind.



Montag, 30. März 2015

Zehn Generationen

Der Ausdruck "biblisches Alter" ist heute noch da und dort zu hören und bezeichnet ein überdurchschnittlich hohes oder einfach nur hohes Alter einer Person. Das Adjektiv biblisch kommt daher, dass in der alttestamentarischen Bibel bis zur Sintflut mehrere Personen mit astronomisch hohem Alter erwähnt werden.

Das ist natürlich Quatsch bzw. gehört offensichtlich ins Reich der Mythen. Dennoch gibt es Christen, die das für wahr halten. Wenn dann aber einer so weit geht, dass er nicht einmal an solchen offensichtlichen Fantastereien wie dem Alter des Methusalem zweifelt, dann ist jede Diskussion von vornherein überflüssig. So jemand hat sich irgendwann entschieden, einfach zu glauben. Punkt. Ich sag' das aus Erfahrung.

Wie die Autoren der Bibel überhaupt auf die Idee kamen, einzelnen Personen ein derart hohes Alter zuzuschreiben, wird deren Geheimnis bleiben. Vielleicht sollte es die Wichtigkeit der Person betonen, vielleicht war's auch einfach ein Übersetzungsfehler oder ein anderes Rechensystem.

Auf jeden Fall, so scheint mir, braucht's für die Mythologie des Alten Testaments durchaus ein paar Typen, die alt wurden und zudem bis ins hohe Alter auch noch Nachwuchs zeugten. Denn gerade habe ich in den ersten Versen der 1. Chronik gesehen, dass von Adam (dem angeblich ersten Menschen) bis Noah (der mit der Sintflut) nur gerade zehn Generation vergingen.

Samstag, 28. März 2015

Christen sind besser dran?

Vor lauter sprudelnder Worte habe ich gestern einen Teil komplett vergessen. Herr Buchholz kommt nämlich gegen Ende seines Textes zum - seiner Meinung nach - praktischen Nutzen des christlichen Glaubens.

Christen sind nicht bessere Menschen - sie sind nur besser dran - sie haben mehr Ressourcen.

Und, so Buchholz, es seien eben diese Ressourcen, die erfahrbar machen, dass die Botschaft der Bibel funktioniere.

Er zählt in der Folge fünf Punkte auf, die erläutern, wie bzw. wo Christen konkret besser dran wären als - ja, als wer, vermutlich alle anderen halt. Kursiv sind die fünf Punkte im Originalwortlaut.

1. Christen haben sich freiwillig an eine höchste Autorität gebunden und können jetzt (erst dadurch) akzeptable Autorität für andere sein, sie manipulieren nicht mehr. 
Damit steht die Behauptung im Raum, dass Christsein eine Grundvoraussetzung ist, um eine akzeptable Autorität zu sein und nicht zu manipulieren. Das ist schlicht überheblich und als Pauschalbehauptung eigentlich überhaupt nicht ernst zu nehmen. Meinen Sie das wirklich, Herr Buchholz? Der gesamte christliche Glaube beruht auf Manipulation, jahrhundertelang hat die Kirche die Masse der Gläubigen an der Nase herum geführt. Und sie tut das heute noch. Das Christentum ist eine der grössten Manipulationen überhaupt. Wer sich einem imaginären Wesen, für das genau so viele Beweise existieren wie für das Einhorn, und dann noch meint, er wäre gerade deswegen eine akzeptablere Autorität als Andersgläubige, ist in meinen Augen schlicht und ergreifend nicht glaubwürdig.

Freitag, 27. März 2015

Vielleicht hilft's dir

Vor einigen Wochen habe ich eine Kopie eines Heftchens mit dem Titel "reflexionen" erhalten. Ein christliches Heftchen. Ein dünnes, mit vielen Bildern und wenig Text. Genau die Art von Heftchen, die wohl für viele Christen entscheidenden Input liefert, wie sich ihr Glaube formt. Denn um die dicke, schwere und sprachlich nicht ganz einfache Bibel zu lesen, sind die meisten zu faul.

Heftchen wie "reflexionen" liefern da viel einfacher lesbare kleine Häppchen. Da haben andere schon über den Bibeltext nachgedacht, man kriegt das Fazit in verständlichen Portionen serviert. Formuliert in einprägenden und einleuchtenden Sätzen. Man erspart sich damit das Studium der biblischen Aussagen im Kontext und man braucht sich kaum zu fürchten vor irreführenden, seltsamen, widersprüchlichen und unpassenden Versen. Die haben die Autoren des Heftchens bereits weg reflexioniert.

Nun, ich habe dieses Heftchen erhalten, weil es - ich zitiere- mir vielleicht helfe. Wie jetzt, mir helfen?

Die Person, die mir die Broschüre in die Hand drückte, hat erst vor kurzem erfahren, dass ich "vom Glauben abgefallen" bin. Ich persönlich bevorzuge ja die Formulierung "vom Glauben geheilt", aber das verstehen sie nicht, die Gläubigen.

Nun habe ich also "reflexionen" erhalten. "Vielleicht hilft es dir." Und besonders beachten sollte ich den Beitrag von dem alten Herrn namens Siegfried H. Buchholz mit der Überschrift "Warum ich Christ bin".

Dienstag, 24. März 2015

...und er tat, was der Herr verabscheute.

Wer in 2. Könige über die zahlreichen Könige nach David liest, stellt gewisse Wiederholungen fest. Imm wieder heisst es da in der Einleitung zur Beschreibung eines neuen Königs: "... und er tat, was der Herr verabscheute."

Dieser Satz ist dann zumeist die Einleitung für eine längere Liste von unschönen Dingen, die dem Volk Israel (deswegen) widerfuhren. Ziemlich deutlich wird die Gleichgültigkeit des Königs Gott gegenüber für das Leid des Volkes durch Kriege, Unterdrückung oder Dürren und Hungersnöte verantwortlich gemacht.

Interessanterweise ist es in der damaligen Zeit eine Selbstverständlichkeit, dass das Wohlergehen eines Volkes von seiner Beziehung zu Yahweh abhängt - diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der Schreiber dieser Geschichten. Doch trotz dieser angeblichen Verknüpfung von Gottesfurcht mit dem Wohlergehen des Volkes taten die Mehrheit der aufgelisteten Könige nicht das, was Yahweh von ihnen erwartete.

Samstag, 21. März 2015

Bibel vs. Softwarelizenz


Übersetzung: 
Für die meisten Christen ist die Bibel wie eine Softwarelizenz. Niemand liest sie. Man scrollt bis zum Ende und klickt auf "Ich bin einverstanden". 

Es scheint eine Tatsache, dass nur wenige Christen die Bibel wirklich lesen. Man liest einzelne Verse, selten aber den ganzen Kontext oder gar alles von der ersten bis zur letzten Seite. Vielleicht irre ich mich, aber seit ich (nach zwei Jahrzehnten Christsein) selber die Bibel mal ganz durchlese, staune ich schon, wie man diese Fantasy-Geschichten vorbehaltlos glauben kann. Ich kann mir das nur damit erklären, dass die meisten das eben gar nicht lesen. 

Auf mich bezogen stimmt obige Aussage jedenfalls absolut. Stimmte, um korrekt zu sein. :-)

gesehen bei Atheist Meme Base


Mittwoch, 18. März 2015

Irrtum unser (Peter Henkel)

Hm, ich hab's ein bisschen verpennt, meine Meinung zu diesem Buch nieder zu schreiben. Deshalb muss ich jetzt grad etwas tiefer graben in meinen grauen Zellen, um einen halbwegs vernünftigen Text hinzubekommen.

Was mir noch in Erinnerung ist: Der Herr Henkel, soviel ich weiss als Journalist tätig, schreibt anspruchsvoller als Romanautoren es tun. Da gibt es schon hier und da verschachtelte Säte mit vielen Kommas und Formulierungen, die ich zweimal lesen musste.

Inhaltlich aber überaus interessant, abwechslungsreich, spannend und überzeugend. Peter Henkel kritisiert nicht einfach nur, sondern versucht zumindest zu verstehen, warum es Menschen gibt, die einer Überzeugung nachgehen, die seiner Meinung nach (und meiner auch) keinen Sinn ergibt. Gemeint ist übrigens der christliche Glaube, für die, die's noch nicht gemerkt haben.

Sonntag, 15. März 2015

Elisa, der Grobian

Die Geschichte von Elia und seinem Nachfolger Elisa - ach, was gäbe es darüber zu schreiben. Mal ist es die wundersame Nahrungslieferung durch Vögel, mal der Kampf gegen die Baals-Diener, der vierhundert von ihnen sterben lässt, oder die berühmte Entrückung Elias durch den feurigen Wagen. Wo auch immer solche Geschichten stehen würden, kein einziger Mensch auf dieser Welt käme wohl auf die Idee, sie für bare Münze zu nehmen und als Tatsachenberichte zu akzeptieren.

Nur weil sie in der Bibel stehen gehen jedoch Millionen Christen völlig unkritisch und naiv davon aus, dass sie genau so, wie sie da erzählt werden, auch geschehen sind. Es ist mir echt ein Rätsel, je länger ich darüber nachdenke, wie es die "Kirche" geschafft hat, eine derart gutgläubige Haltung der biblischen Überlieferung gegenüber, heran zu züchten.

Gerade was die feurige Entrückung des Elias angeht tendiere ich zu einer ganz anderen Geschichte. Der Elisa wollte endlich seine ewige Nummer 2 loswerden und hat deshalb seinen Chef, den Elias, um die Ecke gebracht. Niemand ausser ihm hat die Entrückung Elias gesehen. Der Elisa konnte also erzählen, was ihm beliebte. Der Hinweis in Vers 17 und 18, wonach fünfzig Männer drei Tage nach Elia suchten, dient nur zur indirekten Bestätigung der Entrückungsgeschichte. "Ich habe euch ja gleich gesagt, dass ihr euch die Mühe sparen könnt!" sagt Elia zu den Suchenden. "Ich hab' ihn so gut verbudelt, den findet ihr nie" hat er vielleicht im Stillen hinzugefügt.

Donnerstag, 12. März 2015

So schnell wird man Löwenfutter

Es herrscht Krieg zwischen Israel (König Ahab) und den Syrern (König Ben-Hadad). Doch auf wundersame Weise konnte Ahab mit einem Bruchteil der syrischen Soldatenzahl Ben-Hadad in die Flucht schlagen. Auch im darauf folgenden Frühling, als die Syrer laut Bibel nochmals angriffen, versprach Gott Ahab den Sieg. Die Israeliten killen an dem Tag 100'000 Fusssoldaten. Eine stattliche Anzahl Syrer, 27'000 an der Zahl, konnte noch rechtzeitig in die Stadt Afek fliehen. Doch - oh Wunder - da stürzen plötzlich die Stadtmauern ein und begraben alle unter sich.

Alle? Nicht ganz. Ausgerechnet der König kann sich in eben dieser Stadt mit seinen Vertrauten verstecken. Er stellt sich kurz darauf dem König von Israel und wird von diesem begnadigt.

Genau das war aber offenbar nicht im Sinne von Gott. Denn ein Prophet, der nicht genauer bekannt ist, teilt ihm auf dem Heimweg mit, dass er gegen Gottes Weisung verstossen und den König Ben-Hadad laufen liess statt ihn zu töten. Zur Strafe muss nun Ahab sterben und anstelle seines Volkes wird das von Ben-Hadad eine schöne Zukunft voraus gesagt.

Nun hätte man das als Prophet natürlich einfach so dem König sagen können. Doch das ist den Bibel-Autoren zu wenig dramatisch. Stattdessen lässt sich der Prophet von irgendjemandem (wir wissen das aufgrund der biblischen Überlieferung wirklich nicht spezifischer) derart verhauen, dass er glatt als Kriegsverwundeter durchgehen kann. Das erlaubt ihm, oben geschilderte, natürlich von Gott kommende Worte, dem König mit Hilfe einer Art Gleichnis mitzuteilen. Liest sich spannender, ist ansonsten aber völlig unnötig.

Montag, 9. März 2015

Salomo erkauft sich das Volk

65Vierzehn Tage lang feierten König Salomo und die Israeliten: in der ersten Woche die Einweihung des Tempels und in der zweiten Woche das Laubhüttenfest. Sehr viele Israeliten nahmen daran teil. Von weit her waren sie nach Jerusalem gekommen: vom äußersten Norden des Landes aus Lebo-Hamat bis zu dem Bach, der im Süden die Grenze nach Ägypten bildet. 66Nach diesen zwei Wochen beendete Salomo das Fest. Die Israeliten jubelten ihrem König zu und zogen wieder nach Hause. Voller Freude und Dankbarkeit dachten sie an das Gute, das der Herr seinem Diener David und seinem Volk Israel erwiesen hatte.
1. Könige 8, 65+66

Beim Lesen von Salomos Geschichte und insbesondere der Phase des Tempelbaus, den er in Jerusalem lancierte und umsetzte, fällt mir auf, wie stark Salomo die göttliche Figur Yahweh dafür verwendet, seine eigene Position zu stärken und unangreifbar zu machen.

Mehrmals verwendet Salomo in seinen Reden und öffentlichen Gebeten Formulierungen wie Ich bin als Nachfolger meines Vaters David König von Israel geworden, genau wie der Herr es vorausgesagt hat. Damit macht Salomo dem Volk weis, wer sich gegen ihn, den König auflehne, lehne sich gleichzeitig gegen den höchsten Gott auf. Da überlegt man es sich schon zweimal, ehe man den Chef wegen etwas kritisiert.

Freitag, 6. März 2015

Eine einzige Demonstration von Reichtum

Zahlreiche Opfer für Yahweh sowie Gold und andere wertvolle Materialien für die Stiftshütte waren schon zu Moses Zeiten üblich und alltäglich. Und ich habe auch schon einmal darauf hingewiesen, dass man die ganze Opferei durchaus als Verschwendung von Ressourcen bezeichnen kann. Doch mit Salomo, so scheint mir, wird diese verschwenderische Haltung auf die Spitze getrieben.

Einmal ging er nach Gibeon und brachte tausend Brandopfer dar, denn dort befand sich damals die wichtigste Opferstätte. 
1. Könige 3, 4

Die Bibel schweigt sich aus über die Art der Opfer. Aber egal, um was es sich handelte, tausend an der Zahl ist doch... beachtlich. Wenn nicht die Meinung, Gott würde sich mehr freuen, je zahlreicher das Opfer ist, dann wird es eine Art Demonstration der eigenen Grösse oder des eigenen Reichtums gewesen sein. Seht her, ich kann es mir leisten, tausend Opfer zu bringen. So gut geht es uns, so reich sind wir, so überlegen den anderen gegenüber.

Dienstag, 3. März 2015

Wenn...

Wenn du so lebst, wie es mir gefällt, wenn du mir gehorchst und meine Gebote befolgst wie dein Vater David, dann werde ich dir auch ein langes Leben schenken.«
1. Könige 3, 14

Eine schöne Verheissung, die Salomo da von Yahweh erhalten hat (wenn auch nur im Traum). Auf den ersten Blick zumindest. Denn in diesem Versprechen schwingt unheilvoll auch eine Drohung mit, die unantastbar mit der Verheissung verknüpft ist.

Gott verspricht Salomo ein langes Leben. Aber nur, wenn... Wie gesagt, es handelte sich hierbei lediglich um einen Traum. Doch der Text hat es in die Bibel geschafft, Traum hin oder her. Und er bildet mir eine gute Brücke zu etwas, das mir kürzlich in einem Gespräch auffiel.