Freitag, 6. März 2015

Eine einzige Demonstration von Reichtum

Zahlreiche Opfer für Yahweh sowie Gold und andere wertvolle Materialien für die Stiftshütte waren schon zu Moses Zeiten üblich und alltäglich. Und ich habe auch schon einmal darauf hingewiesen, dass man die ganze Opferei durchaus als Verschwendung von Ressourcen bezeichnen kann. Doch mit Salomo, so scheint mir, wird diese verschwenderische Haltung auf die Spitze getrieben.

Einmal ging er nach Gibeon und brachte tausend Brandopfer dar, denn dort befand sich damals die wichtigste Opferstätte. 
1. Könige 3, 4

Die Bibel schweigt sich aus über die Art der Opfer. Aber egal, um was es sich handelte, tausend an der Zahl ist doch... beachtlich. Wenn nicht die Meinung, Gott würde sich mehr freuen, je zahlreicher das Opfer ist, dann wird es eine Art Demonstration der eigenen Grösse oder des eigenen Reichtums gewesen sein. Seht her, ich kann es mir leisten, tausend Opfer zu bringen. So gut geht es uns, so reich sind wir, so überlegen den anderen gegenüber.

Sie opferten so viele Schafe und Rinder, dass man sie nicht mehr zählen konnte.
1. Könige 8, 5

Mit einem großen Opferfest weihte der König und mit ihm ganz Israel den Tempel des Herrn ein. Salomo ließ 22 000 Rinder und 120 000 Schafe als Dankopfer schlachten.
1. Könige 8, 62+63


Ähnlich zu werten ist vermutlich auch prunkvolle Ausstattung und Gestaltung des Tempels, den bekanntlich Salomo während elf Jahren bauen liess und der strotzte - laut Überlieferung - vor wertvoller Innenausstattung und Dekoration. Wer will, kann das ab dem sechsten Kapitel von 1. Könige im Detail nachlesen.

Es erscheint unwahrscheinlich, dass Gott den ganzen Klimbim verlangte. Im Gegenteil: Die Bibel erzählt im Rahmen der erstaunlich detailierten Beschreibung des Innenausbaus auch, dass Salomo zwei riesige Engel (Kerubim) erstellen liess, die als eine Art Wache im Allerheiligsten gestanden haben sollen.

In der Annahme, dass Kerubim himmlische Wesen sind, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass dies unter das Bildverbot fallen müsste: Du sollst dir kein Gottesbildnis machen, das irgendetwas darstellt am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. (5. Mose 5, 8)

Doch ganz so genau nahm es auch Yahweh selber nicht mit seinem Gebot. Denn immerhin hatte er selbst Moses den Auftrag gegeben, eben solche Bildnisse herzustellen (bei der Anleitung, wie die Bundeslade zu bauen ist): Mach zwei Kerubim aus getriebenem Gold und arbeite sie an den beiden Enden der Deckplatte heraus! Mach je einen Kerub an dem einen und dem andern Ende; auf der Deckplatte macht die Kerubim an den beiden Enden! Die Kerubim sollen die Flügel nach oben ausbreiten, mit ihren Flügeln die Deckplatte beschirmen und sie sollen ihre Gesichter einander zuwenden; der Deckplatte sollen die Gesichter der Kerubim zugewandt sein. (2. Mose 25,17-20).

Da soll noch einer verstehen, was denn nun gilt...

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