Sonntag, 15. März 2015

Elisa, der Grobian

Die Geschichte von Elia und seinem Nachfolger Elisa - ach, was gäbe es darüber zu schreiben. Mal ist es die wundersame Nahrungslieferung durch Vögel, mal der Kampf gegen die Baals-Diener, der vierhundert von ihnen sterben lässt, oder die berühmte Entrückung Elias durch den feurigen Wagen. Wo auch immer solche Geschichten stehen würden, kein einziger Mensch auf dieser Welt käme wohl auf die Idee, sie für bare Münze zu nehmen und als Tatsachenberichte zu akzeptieren.

Nur weil sie in der Bibel stehen gehen jedoch Millionen Christen völlig unkritisch und naiv davon aus, dass sie genau so, wie sie da erzählt werden, auch geschehen sind. Es ist mir echt ein Rätsel, je länger ich darüber nachdenke, wie es die "Kirche" geschafft hat, eine derart gutgläubige Haltung der biblischen Überlieferung gegenüber, heran zu züchten.

Gerade was die feurige Entrückung des Elias angeht tendiere ich zu einer ganz anderen Geschichte. Der Elisa wollte endlich seine ewige Nummer 2 loswerden und hat deshalb seinen Chef, den Elias, um die Ecke gebracht. Niemand ausser ihm hat die Entrückung Elias gesehen. Der Elisa konnte also erzählen, was ihm beliebte. Der Hinweis in Vers 17 und 18, wonach fünfzig Männer drei Tage nach Elia suchten, dient nur zur indirekten Bestätigung der Entrückungsgeschichte. "Ich habe euch ja gleich gesagt, dass ihr euch die Mühe sparen könnt!" sagt Elia zu den Suchenden. "Ich hab' ihn so gut verbudelt, den findet ihr nie" hat er vielleicht im Stillen hinzugefügt.

Noch viel wahrscheinlicher aber: Die Geschichte ist von A bis Z erfunden und dient lediglich dem fortwährenden Aufbau des israelitischen Mythos. Tatsächlich gibt es ja auch für einen Christen keinen einzigen Grund, diese fantastischen Geschichten zu glauben, ausser dass sie es mehr oder weniger durch Zufall bis ins Jahr 350 n. Chr. in die endgültige Fassung der Bibel geschafft haben.

Übrigens: Dass der Elisa im Stande gewesen wäre, seinen Chef Elia umzubringen, ist nicht an den Haaren herbei gezogen. Wer freche Kinder verflucht und von einem Bären zerfleischen lässt, dem darf wohl auch der Mord an einem Vorgesetzten zugetraut werden:

Als er zur Stadt hinauf wanderte, lief ihm eine Horde kleiner Jungen entgegen. Sie machten sich über ihn lustig und riefen im Chor: »Glatzkopf, fang uns doch! Glatzkopf, fang uns doch!« Elisa blieb stehen, sah sie an und verfluchte sie im Namen des Herrn. Da kamen zwei Bärinnen aus dem Wald heraus, fielen über die Kinder her und zerrissen zweiundvierzig von ihnen. 
2. Kö. 2, 23+24

Halleluja! Gepriesen sein der Herr für seine Güte.

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