Montag, 9. März 2015

Salomo erkauft sich das Volk

65Vierzehn Tage lang feierten König Salomo und die Israeliten: in der ersten Woche die Einweihung des Tempels und in der zweiten Woche das Laubhüttenfest. Sehr viele Israeliten nahmen daran teil. Von weit her waren sie nach Jerusalem gekommen: vom äußersten Norden des Landes aus Lebo-Hamat bis zu dem Bach, der im Süden die Grenze nach Ägypten bildet. 66Nach diesen zwei Wochen beendete Salomo das Fest. Die Israeliten jubelten ihrem König zu und zogen wieder nach Hause. Voller Freude und Dankbarkeit dachten sie an das Gute, das der Herr seinem Diener David und seinem Volk Israel erwiesen hatte.
1. Könige 8, 65+66

Beim Lesen von Salomos Geschichte und insbesondere der Phase des Tempelbaus, den er in Jerusalem lancierte und umsetzte, fällt mir auf, wie stark Salomo die göttliche Figur Yahweh dafür verwendet, seine eigene Position zu stärken und unangreifbar zu machen.

Mehrmals verwendet Salomo in seinen Reden und öffentlichen Gebeten Formulierungen wie Ich bin als Nachfolger meines Vaters David König von Israel geworden, genau wie der Herr es vorausgesagt hat. Damit macht Salomo dem Volk weis, wer sich gegen ihn, den König auflehne, lehne sich gleichzeitig gegen den höchsten Gott auf. Da überlegt man es sich schon zweimal, ehe man den Chef wegen etwas kritisiert.

Gleichzeitig lässt Salomo einen prachtvollen Tempel bauen und gibt ihn in gewissem Sinne dem Volk. Der Tempel erweckt den Eindruck, Gott wohne darin und somit mitten unter der Bevölkerung. Wer fühlt sich schon nicht beruhigt, den grössten aller Götter in seiner unmittelbaren Nähe zu wissen.

Gleichzeitig ist der Tempel aber auch eine Macht- und Reichtumsdemonstration dem Volk, vor allem aber den benachbarten Völkern gegenüber. Reichtum, weil vieles aus edlem Holz und teurem Gold gefertigt wurde, Macht deshalb, weil zu jener Zeit äusserliche Erscheinungen (Statuen, Symbole oder eben Tempel) durchaus ein Zeichen dafür waren, wie gross der jeweilige Gott war. Ein Gott, der kein eigenes Haus besass und stattdessen in einem fernen Wolkengebilde oder einem billigen, einfachen Zelt hauste, konnte keinen grossen Respekt einflössen.

Nicht zu überlesen schliesslich die Tatsache, dass Salomo zur Einweihung des Tempels ein zweiwöchiges Fest steigen lässt. Das war vor allem anderen ein Volksfest: Vierzehn Tage lang feierten König Salomo und die Israeliten. Bestimmt floss reichlich Alkohol und mangelte es nicht an gutem Essen. Der König sorgte dafür, dass es dem Volk gut ging, es für ein paar Tage vielleicht auch über seinen Verhältnissen leben konnte. Nach dem Fest ist es deshalb nicht erstaunlich, dass das Volk ihrem König zujubelte ehe sie wieder nach Hause gingen. Der König hat sich das Volk und vor allem dessen Loyalität erkauft.

Ein simpler Trick, der bis heute funktioniert. Gib dem Volk Brot und Spiele.


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