Donnerstag, 12. März 2015

So schnell wird man Löwenfutter

Es herrscht Krieg zwischen Israel (König Ahab) und den Syrern (König Ben-Hadad). Doch auf wundersame Weise konnte Ahab mit einem Bruchteil der syrischen Soldatenzahl Ben-Hadad in die Flucht schlagen. Auch im darauf folgenden Frühling, als die Syrer laut Bibel nochmals angriffen, versprach Gott Ahab den Sieg. Die Israeliten killen an dem Tag 100'000 Fusssoldaten. Eine stattliche Anzahl Syrer, 27'000 an der Zahl, konnte noch rechtzeitig in die Stadt Afek fliehen. Doch - oh Wunder - da stürzen plötzlich die Stadtmauern ein und begraben alle unter sich.

Alle? Nicht ganz. Ausgerechnet der König kann sich in eben dieser Stadt mit seinen Vertrauten verstecken. Er stellt sich kurz darauf dem König von Israel und wird von diesem begnadigt.

Genau das war aber offenbar nicht im Sinne von Gott. Denn ein Prophet, der nicht genauer bekannt ist, teilt ihm auf dem Heimweg mit, dass er gegen Gottes Weisung verstossen und den König Ben-Hadad laufen liess statt ihn zu töten. Zur Strafe muss nun Ahab sterben und anstelle seines Volkes wird das von Ben-Hadad eine schöne Zukunft voraus gesagt.

Nun hätte man das als Prophet natürlich einfach so dem König sagen können. Doch das ist den Bibel-Autoren zu wenig dramatisch. Stattdessen lässt sich der Prophet von irgendjemandem (wir wissen das aufgrund der biblischen Überlieferung wirklich nicht spezifischer) derart verhauen, dass er glatt als Kriegsverwundeter durchgehen kann. Das erlaubt ihm, oben geschilderte, natürlich von Gott kommende Worte, dem König mit Hilfe einer Art Gleichnis mitzuteilen. Liest sich spannender, ist ansonsten aber völlig unnötig.

Und gerade deshalb ist es noch viel unnötiger, dass der arme Kerl, der den Propheten als ersten hätte verhauen sollen, sich aber weigerte, zur Strafe für seine Weigerung von einem Löwen getötet wurde.

»Sobald du von hier weggehst, wird der Herr dich dafür bestrafen, dass du seinem Befehl nicht gehorcht hast. Ein Löwe wird dich zerreißen.«
1. Kö 20, 36

Ich stelle mir grad vor, ein Priester kommt auf mich zu und fordert mich auf, ihn zu verprügeln. Obschon der Gedanke etwas Verlockendes hat, würde ich mich wohl auch weigern. Und schwupp bin ich Löwenfutter. Sehr unverständlich, so was.

Völlig verständlich hingegen der lapidare Satz zum Ende dieses Kapitels:

Zornig ging der König weiter und kam schlecht gelaunt zu Hause in Samaria an.
1. Kö 20, 43

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