Dienstag, 24. März 2015

...und er tat, was der Herr verabscheute.

Wer in 2. Könige über die zahlreichen Könige nach David liest, stellt gewisse Wiederholungen fest. Imm wieder heisst es da in der Einleitung zur Beschreibung eines neuen Königs: "... und er tat, was der Herr verabscheute."

Dieser Satz ist dann zumeist die Einleitung für eine längere Liste von unschönen Dingen, die dem Volk Israel (deswegen) widerfuhren. Ziemlich deutlich wird die Gleichgültigkeit des Königs Gott gegenüber für das Leid des Volkes durch Kriege, Unterdrückung oder Dürren und Hungersnöte verantwortlich gemacht.

Interessanterweise ist es in der damaligen Zeit eine Selbstverständlichkeit, dass das Wohlergehen eines Volkes von seiner Beziehung zu Yahweh abhängt - diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der Schreiber dieser Geschichten. Doch trotz dieser angeblichen Verknüpfung von Gottesfurcht mit dem Wohlergehen des Volkes taten die Mehrheit der aufgelisteten Könige nicht das, was Yahweh von ihnen erwartete.

Die meisten aufgezählten Könige taten, was der Herr verabscheute. Konkret bedeutet das, sie beteten andere Götter an und brachten ihnen Opfer, förderten andere Religionen und Götzenkulte. Das waren vermutlich ja nicht einfach Neuerfindungen dieser Könige, sondern vielmehr bereits existierende Kulte von Nachbarvölkern. So werden auch immer wieder einige von ihnen, wie Baal und Aschera, namentlich in der Bibel erwähnt.

Scheinbar war den Königen nicht so ganz klar, dass ihre Treue zu Yahweh von elementarer Wichtigkeit ist für das Glück des Volkes Israel. Selbst Könige, die auf gottesfürchtige und (deshalb?) gesegnete Vorgänger zurück blicken konnten, wendeten sich immer wieder radikal von Yahweh ab. Wäre ihnen das, was der biblische Autor in diesen Kapiteln so selbstverständlich erwähnt, bewusst gewesen, hätten sie wohl nicht so leichtfertig andere Götter zugelassen oder gar aktiv gefördert.

Es sei denn, diese Wechselbeziehung wurde nur von wenig aufgeklärten Religösen verkündet oder gar erst nachträglich in die Geschichte hinein interpretiert.

Es ist ziemlich offensichtlich, dass die Religionen der Nachbarvölker zu jener Zeit deutlich stärker und einflussreicher waren als die "neue" monotheistische Alternative mit Yahweh. Religionen waren allgegenwärtig, Götter waren allgemein akzeptiert und an sich in Frage gestellt. Das Volk wählte seine Götter vermutlich aufgrund der Wahl, die der König fällte. Baal, Aschera und andere waren offenbar schon lange vor Yahweh da, denn die jeweiligen Völker waren ja auch vor dem aus Ägypten geflüchteten Volk Israel vor Ort in Palästina und mussten erst vertrieben werden.

Aus heutiger christlicher Sicht stellt sich damit die Frage, warum es ältere Religionen und damit auch ältere Götter als den christlichen Gott geben kann, wenn letzterer doch die Welt und die Menschheit geschaffen hat. Warum hat er sich erst verhältnismässig spät gezeigt mit Moses Auftritt und der anschliessenden Flucht aus Ägypten?

Das sind doch eigentlich deutliche Hinweise darauf, dass der biblische Gott einer von vielen ist, noch dazu ein verhältnismässig spät entstandener. Vor ihm waren viele Götter, allein in der Region, die für die Bibel von Bedeutung war (und die ist ja geographisch ziemlich beschränkt). Ganz zu schweigen vom antiken Europa oder fernen Asien.

Der jüdische bzw. biblische Gott hat sich später einfach besser durchgesetzt gegen seine göttlichen Alternativen. Und das nicht etwa, weil er sich in besonderer Weise hervortat, sondern weil seine Anhänger einfach erfolgreichen Krieg führten und radikaler vernichteten, was ihrer Lehre widersprach.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen