Freitag, 27. März 2015

Vielleicht hilft's dir

Vor einigen Wochen habe ich eine Kopie eines Heftchens mit dem Titel "reflexionen" erhalten. Ein christliches Heftchen. Ein dünnes, mit vielen Bildern und wenig Text. Genau die Art von Heftchen, die wohl für viele Christen entscheidenden Input liefert, wie sich ihr Glaube formt. Denn um die dicke, schwere und sprachlich nicht ganz einfache Bibel zu lesen, sind die meisten zu faul.

Heftchen wie "reflexionen" liefern da viel einfacher lesbare kleine Häppchen. Da haben andere schon über den Bibeltext nachgedacht, man kriegt das Fazit in verständlichen Portionen serviert. Formuliert in einprägenden und einleuchtenden Sätzen. Man erspart sich damit das Studium der biblischen Aussagen im Kontext und man braucht sich kaum zu fürchten vor irreführenden, seltsamen, widersprüchlichen und unpassenden Versen. Die haben die Autoren des Heftchens bereits weg reflexioniert.

Nun, ich habe dieses Heftchen erhalten, weil es - ich zitiere- mir vielleicht helfe. Wie jetzt, mir helfen?

Die Person, die mir die Broschüre in die Hand drückte, hat erst vor kurzem erfahren, dass ich "vom Glauben abgefallen" bin. Ich persönlich bevorzuge ja die Formulierung "vom Glauben geheilt", aber das verstehen sie nicht, die Gläubigen.

Nun habe ich also "reflexionen" erhalten. "Vielleicht hilft es dir." Und besonders beachten sollte ich den Beitrag von dem alten Herrn namens Siegfried H. Buchholz mit der Überschrift "Warum ich Christ bin".

Was soll ich sagen, es hat mir nicht geholfen. Es handelt sich nämlich um einen dieser Texte, die so billig oberflächlich Klischees behandeln und ihre Weisheit letztlich aus genau dem Buch beziehen, dessen Wahrheitsgehalt alles andere als zweifelsfrei ist. Ganz im Stil von 'die Bibel ist wahr weil es so in der Bibel steht'. So was hilft natürlich niemandem, ausser dem, der es gar nicht wirklich wissen will.

Darüber hinaus scheint Herr Alt-BASF-Vorstand Buchholz ein Fan von C.S. Lewis ("Pardon, ich bin Christ") zu sein, zitiert er doch schon im ersten Satz und haufenweise im ganzen Text wörtlich oder sinngemäss aus seinen Büchern. So offensichtlich, dass das bei mir schon unter Nachplappern läuft. Sympathiepunkte hat er damit bei mir schon mal nicht, denn von Lewis' Buch halte ich, im Gegensatz zu Buchholz, nicht sehr viel.

Buchholz sieht seinen Glauben auf zwei Pfeilern: Einem einzigartigen Buch und einem einzigartigen Mann. Siegfried Buchholz listet dann zu beiden einige Punkte auf, die für die Einzigartigkeit sprechen. Jedenfalls seiner Meinung nach, ich sehe das etwas anders.

Die Tatsache, dass über 40 Verfasser über Jahrhunderte an der Bibel schrieben und dabei viele kontroversen Themen behandelten ist spannend. Mehr nicht.

Alle Schreiber der Bücher würden laut Buchholz den Stoff der Bibel mit erstaunlich Übereinstimmung behandeln. Das ist einerseits nicht ganz wahr, entdeckt der aufmerksame Leser doch zahlreiche Widersprüche. Dass einigermassen ein roter Faden vorhanden ist, dürfte aber nicht überraschen. Es würde eher erstaunen, wenn dem nicht so wäre, hat sich die Kirche doch lange Zeit gelassen ehe sie bestimmt hatte, welche Bücher nun zur Bibel gehören und welche nicht.

Dass das Neue Testament der am besten dokumentierte Text der Antike ist, erstaunt auch nicht wirklich, Herr Buchholz. Man muss sich nur vor Augen führen, mit welcher Gewalt und welchem Fanatismus die frühen Christen andersgläubige verfolgten und - logischerweise - ihre Schriften vernichteten.

Auch seine Auflistung der Punkte, die Jesus zu einem einzigartigen Mann machen und letztlich die Begründung liefern sollen, das Christentum für eine besondere Religion zu halten, verlaufen irgendwo in oberflächlich-abgedroschenen Pseudo-Fakten und nehmen ihren Inhalt letztlich auch wieder nur aus der Bibel. Wer biblische Aussagen als Beweis dafür nimmt, dass Gott gross, gut, genial, liebend oder einfach super ist, der kann genau so gut behaupten, die Amis wären die Guten, weil es Hollywood in jedem Film so zeigt.

Zurück zum Anfang: Das Heftchen hat mir Stoff für einen langen Blog-Eintrag geliefert. Und damit hat es mir schon auch ein bisschen geholfen. Danke dafür. Ansonsten ist das Heft, das übrigens vom Internationalen Verband Christlicher Geschäftsleute herausgegeben wird und diesen somit auch nicht unbedingt glaubwürdig macht, eher lächerlich als lesenswert.

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