Montag, 30. März 2015

Zehn Generationen

Der Ausdruck "biblisches Alter" ist heute noch da und dort zu hören und bezeichnet ein überdurchschnittlich hohes oder einfach nur hohes Alter einer Person. Das Adjektiv biblisch kommt daher, dass in der alttestamentarischen Bibel bis zur Sintflut mehrere Personen mit astronomisch hohem Alter erwähnt werden.

Das ist natürlich Quatsch bzw. gehört offensichtlich ins Reich der Mythen. Dennoch gibt es Christen, die das für wahr halten. Wenn dann aber einer so weit geht, dass er nicht einmal an solchen offensichtlichen Fantastereien wie dem Alter des Methusalem zweifelt, dann ist jede Diskussion von vornherein überflüssig. So jemand hat sich irgendwann entschieden, einfach zu glauben. Punkt. Ich sag' das aus Erfahrung.

Wie die Autoren der Bibel überhaupt auf die Idee kamen, einzelnen Personen ein derart hohes Alter zuzuschreiben, wird deren Geheimnis bleiben. Vielleicht sollte es die Wichtigkeit der Person betonen, vielleicht war's auch einfach ein Übersetzungsfehler oder ein anderes Rechensystem.

Auf jeden Fall, so scheint mir, braucht's für die Mythologie des Alten Testaments durchaus ein paar Typen, die alt wurden und zudem bis ins hohe Alter auch noch Nachwuchs zeugten. Denn gerade habe ich in den ersten Versen der 1. Chronik gesehen, dass von Adam (dem angeblich ersten Menschen) bis Noah (der mit der Sintflut) nur gerade zehn Generation vergingen.

Da musste schon fleissig gepoppt und geboren werden, damit sich so ein aufwändiges Unterfangen wie die Eliminierung aller Geschöpfe durch Wasserfluten und die Rettung einer einzelnen Familie und der Tierwelt durch ein monströses Holzschiff sich überhaupt lohnte. Irgendwie auch doof, wenn wegen ein paar hundert Nasen der Noah ein Riesenschiff bauen und Gott die ganze Welt überschwemmen musste.

Wenn wir schon bei Noah sind: Innerhalb zehn Generationen scheint es sehr unwahrscheinlich, dass wesentlich mehr als die unmittelbare Umgebung des Garten Edens bevölkert wurde. Gott konnte also die als weltweite Sintflut in die Geschichte eingegangene Strafaktion in Wahrheit geografisch ziemlich einschränken.

Vermutlich so sehr wie sich auch die jüdische Geschichte - nichts anderes ist das Alte Testament ja weitgehend - geografisch einschränkte. Da war noch kein Internet, kein Telefon und keine Globalisierung. Da war sich jeder selbst am nächsten und die Völker waren eher interessiert, eine eigene Geschichte und Kultur zu haben als ein gutes Bruttoinlandprodukt.

Noch etwas fällt mir gerade auf: Noah hatte mindestens drei Söhne: Sem, Ham und Japhet. Ham hatte unter anderem einen Sohn namens Kusch und der wiederum einen namens Nimrod. Und dieser Nimrod, der Urenkel von Noah und nach der Sintflut erst die 4. Generation Mensch auf Erden, soll der erste Herrscher gewesen sein, der andere Völker mit Gewalt beherrschte.

Moooment... Wenn der Stammbaum in der Bibel komplett sein soll, dann hatte Noah drei Söhne. Von denen hatte Jafet sieben, Ham hatte vier und Sem hatte fünf Söhne. Selbst wenn jeder, ebenfalls inklusive Noah, zehn Söhne gehabt hätte, wären zu Nimrods Zeit lediglich 1'000 Männer und vielleicht ebenso viele Frauen auf der Erde gewandelt. Wenn wir statt mit zehn Söhnen mit zwanzig rechnen, kommen wir immer noch erst auf 16'000 Menschen. Und das waren dann immer noch ziemlich eng miteinander verwandte Menschen.

Was sollen denn das für Völker gewesen sein, die Nimrod sich unterwarf? Vielleicht diejenigen, die ausserhalb der oben erwähnten geografischen Grenze lagen, ausserhalb der Geschichte der Israeliten, ausserhalb der Religion Yahwehs?

Ja, wenn man ein bisschen - wirklich, ein bisschen reicht schon - nachdenkt, merkt man, wie konstruiert der Glaube eigentlich ist, dem man angehört. Und wie wackelig das Fundament ist.

Jetzt bin ich völlig vom ursprünglichen Thema abgekommen. Aber das braucht's manchmal auch.

Kommentare:

  1. Also wenn das liebe Herrgottle den Menschen schuf nach seinem Bilde, dann müsste er längst tot sein. Der Mensch kann 100 Jahre alt werden, mit oder ohne Gott, fromm oder nicht. Leider sterben viele Menschen viel früher. Und nie ist ein Gott da, der den Armen und Bedrängten hilft, auch wenn man ihn noch so dringend braucht.

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  2. Ich hab' schon gehört, wie jemand Gott um Hilfe bat bei der Suche nach seinen Autoschlüsseln. Warum sollte Gott jemandem helfen, die Autoschlüssel zu finden, wenn er den Hundertausenden Gebeten, die um Stillung des Hungers bitten, keine Beachtung schenkt?

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