Donnerstag, 30. April 2015

Die Bibel: Für jeden etwas

Gestern hatten wir Besuch von einem gläubigen Ehepaar, das uns von einem tollen Buch erzählte. Leider weiss ich Titel und Autor nicht, aber es ging im Wesentlichen darum, dass wir nicht "müssen", sondern "dürfen". Mit wir sind natürlich die Christen gemeint, womit ich also ausgeschlossen wäre.

Das Buch hätte den beiden Jesus ganz neu nahe gebracht und ihnen Mut gemacht in ihrem Glauben. Jesus hätte mit seinem Tod am Kreuz alle Gesetze aufgehoben und alles für sie getan, so dass sie eben nichts mehr müssten, nur noch sein dürften.

Ich brachte dann die Zwischenfrage, ob man demnach stehlen, morden und ehebrechen dürfte. Die Antwort war, man staune: Im Prinzip ja, weil Jesus die Sünden ja auf sich nahm. Aber ein Christ tut das vermutlich trotzdem nicht. Und Busse tun müsse man natürlich schon.

Das war mir dann so weltfremd, dass ich gar keine Lust hatte, da weiter zu bohren. Lediglich auf das Fazit der beiden, dass ihnen das besagte Buch wieder mal aufzeigte, wie befreiend der Glaube an Jesus sei, dachte ich mir, jetzt gibt's ein spannendes Gespräch und meinte:

Samstag, 25. April 2015

Niemand spricht mit mir über den Glauben

Seit Monaten ist meiner Familie und meinem freundschaftlichen Umfeld bekannt, dass ich mich vom christlichen Glauben entfernt und losgesagt habe. Mit vielen Menschen, die ich früher hauptsächlich am Sonntag in der Kirche traf, hatte ich seither natürlich keinen Kontakt mehr. Einige meiner engeren Freunde stammen aber auch aus diesem Umfeld und mit denen treffe ich mich nach wie vor regelmässig. Richtige Freundschaften definieren sich halt auch nicht (nur) über den religiösen Glauben.

Interessant finde ich aber, dass in den vergangenen Monaten der Glaube nie ein Thema war. Mit zwei Personen diskutiere ich immer wieder darüber, mit der grossen Mehrheit aber gar nie. Und dies obschon es sich manchmal fast aufdrängte, die Sache zu thematisieren. Es scheint mir dann aber jeweils, als bewusst ein Bogen um dieses Thema gemacht würde. Ich sehe dafür drei mögliche Gründe.

Mittwoch, 22. April 2015

Psalm 1: Zu schön, um wahr zu sein

Ich bin bei den Psalmen angelangt. Die Psalmen sind, so verstehe ich das, eine Ansammlung von Gedichten und Liedern. In der heutigen Kirche werden sie zwar nur noch selten gesungen - und wenn, dann in adaptierten Textversionen - und auch nicht als Gedicht vorgetragen, aber in der Zeit ihrer Entstehung dürften sie das gewesen sein. Entstanden sind sie übrigens, so vermutet man, gut fünfhundert Jahren vor Jesus und damit auch vor der neutestamentlichen Zeit. Es ist also zu erwarten, dass Satan, die Hölle und das ewige Leben darin keine Rolle spielen. Denn die wurden meiner Vermutung nach erst später erfunden.

Nun können aber natürlich Liedtexte und Gedichtesammlungen nicht zwingend mit gleichen Massstäben geprüft werden wie Texte, die angeblich historische Fakten wieder geben. In Anbetracht der Tatsache, dass die Psalmen in den heutigen Kirchen, insbesondere Freikirchen, aber gerne als Mutmacher verwendet werden und somit ihrem Inhalt nach auch wahr sein müssten oder zumindest als wahr angenommen werden, erlaube ich mir, auch die Psalmen kritisch zu betrachten.

Der erste Psalm ist schon mal unten durch.

Sonntag, 19. April 2015

Gottlose Schweiz

Die Gratis-Zeitung 20min berichtet heute unter dem Titel "Noch nie war die Schweiz so gottlos" von der kontinuierlichen Abnahme der Religiosität in Helvetien. So sollen sich gemäss einer (mir unbekannten Umfrage) 2005 noch 71 % der Bevölkerung als religiös bezeichnet haben während es 2014 gerade mal noch 38 % sind. Das ist gut so.

Der Gründe gibt es wohl zahlreiche, wie auch 20min festhält. Die Tatsache, dass heute weniger religiös erzogen wird, ist der Hauptgrund. Die Zahlen bestätigen das, nimmt die Religiosität gemäss der Umfrage vor allem bei der jungen Bevölkerung stark ab.

Nebst der nicht-religiösen Erziehung spielt aber auch das aufgeklärte Denken eine Rolle und sicherlich nicht zu vernachlässigen: Wir Schweizer leben in einem reichen Land mit guter Schulausbildung. Wem es an nichts Lebensnotwendigem mangelt, ist man vermutlich weniger dazu verführt, an übernatürliche Figuren zu glauben, die einem irgendwie helfen und es schon richten.

Ich hoffe, die kirchlichen Vertreter liegen falsch wenn sie behaupten, dass die Menschen immer noch nach dem Sinn des Lebens suchen und ihre Spiritualität lediglich weniger öffentlich ausüben. Ich hoffe vielmehr, dass die Schweizer aufgeklärter werden und schlicht die Existenz eines übernatürlichen Gotteswesen nicht in Betracht ziehen.

Quelle: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/24349893

Donnerstag, 16. April 2015

Nochmals kurz Hiob

Ich habe mir gerade nochmals ein bisschen Gedanken gemacht zum gestrigen Beitrag über Hiob. Und dabei fragte ich mich: Wie doof ist das eigentlich?

Die Geschichte Hiobs will uns weismachen, dass der, der auf Gott vertraut, alles mehrfach zurück erhält. Das mag ja hinhauen, wenn es um materielle Werte geht oder eine Schafherde. Doch Hiob soll gemäss der Geschichte auch alle seine zehn Kinder (sieben Söhne und drei Töchter) auf ein Mal verloren haben.

Mein lieber Gott, selbst zwanzig neue Kinder wären für mich kein Ersatz und keine angemessene Entschädigung für den Verlust auch nur eines meiner Kinder. Was für ein seltsames Weltbild und Familiendenken, das damals offenbar vorherrschte.

Da werden Knechte, Mägde und gar die eigenen Kinder von Gott auf eine Art und Weise ersetzt wie ich meinem Nachbarn eine neue Schneeschaufel kaufe, wenn mir bei der alten der Stiel abbricht.

Mittwoch, 15. April 2015

Hiob

Ich bin heute erschrocken, wie schlecht ich das Buch Hiob kenne. Natürlich, als evangelikaler Christ kennt man die Geschichte in groben Zügen: Gottesfürchtiger Mann wird von Satan versucht, verliert alles, bleibt aber Gott treu und gewinnt am Ende alles doppelt wieder. So weit, so gut. Doch der Hauptteil des Buches Hiob ist nicht der Schilderung dieser Geschichte gewidmet, sondern den anklagenden Reden von Hiobs Freunden sowie seiner Gegenrede. Und die ziehen sich in vier Runden wahnsinnig schleppend voran.

Zum Nachlesen verlinke ich hier mal auf eine etwas kurzweiligere Variante in Reimform. Wer den richtig anstrengenden Bibeltext zu Gemüte führen will, der findet ihn sicherlich problemlos.

Interessant, dass bis hierhin im Alten Testament Satan gerade mal ein, zwei Mal vorgekommen ist und bisher keine wirklich grosse Bedeutung hatte. Hier taucht er aber als Haupt-Nebenfigur auf, als eigentlicher Verursacher dieser Geschichte durch seine Initialisierung einer Wette mit Gott, Hiob vom „rechten Weg“ abbringen zu können.

Offenbar geht der Geschichtenschreiber davon aus, dass Satan freien Zugang zu Gott hat, seine Nähe aufsuchen und mit ihm ein Gespräch führen kann. Die Wette, die er und Gott abschliessen lässt den Leser mehr an einem Stammtisch im Gasthof erinnern als an übernatürliche oder gar göttliche Wesen.

Montag, 13. April 2015

Gott sei Dank?!

Ich krieg' grad mächtig Krämpfe. Da postet jemand aus dem freikirchlichen Umfeld auf Facebook das Bild seiner Tochter, die beinahe gestorben wäre, ein paar Tage im Koma lag und nun nach zwei Wochen auf dem Weg zur Besserung ist.

Die Freude über die Besserung gönne ich sowohl Vater wie Tochter. Aber ich muss mich wahnsinnig zusammen reissen, um auf einige Kommentare nicht bissig zu antworten. 'Praise the Lord', Ehre sei Gott, GOTT sei Dank (wobei Gott versal geschrieben wird, um deutlich zu machen, dass es nicht als salopp gesagte Redewendung zu verstehen ist) und der dankbare Verweis auf Gebete werden erwähnt.

Ich bin leider kein Mediziner und kann nicht im Detail schildern, was mutmasslich die letzten Wochen um dieses Mädchen gelaufen ist. Aber es dürften etliche Personen, darunter Chirurgen, Ärzte und anderes Fachpersonal, damit beschäftigt gewesen sein, dass die Kleine erst gerettet und dann bald wieder auf den Beinen ist. Schläuche und Kabel dürften verlegt worden sein, Infusionen, Medikamente und Eingriffe. Das waren alles Menschen, die am Lebenserhalt dieses Mädchens gearbeitet haben. Doch gedankt wird Gott?

Was hat er denn gemacht, Gott? Sich anständig zurück gehalten, damit die Ärzte ihren Job machen können? Oder hat er die Infusion gesteckt, die Werte gemessen oder die richtige Therapie verordnet? Wo war er denn?

Da nimmt man Millionen teure Infrastruktur und über Jahrzehnte oder Jahrhunderte erarbeitetes Wissen in Anspruch, um hinterher einer verstaubten und äusserst fragwürdigen Fantasy-Figur die Lorbeeren aufzusetzen? Echt lächerlich, so was.

Freitag, 10. April 2015

Rückkehr aus Babylon

Die Chronikbücher sind geschafft. Bin ich froh. Am ende werden nur noch - mit jeweils wenigen Versen - Könige aufgezählt und ob sie nun taten, was dem Herrn gefiel oder was er verabscheute. Die meisten missfielen mit ihren Taten dem Yahweh und so ist es nicht verwunderlich, dass der Geschichtenerzähler die Chroniken abrundet mit dem aufgezwungenen Exil nach Babylon.

Ich bin jetzt diesbezüglich nicht ins Detail gegangen, meine aber, dass das babylonische Exil zumindest im Wesentlichen historisch belegt ist. Ins Exil deportiert wurde aber nach babylonischem Brauch nur die Oberschicht der eroberten Völker. Was wollte man auch mit den anderen anfangen? Es ging vor allem darum, dem eroberten Land die militärische und akademische Führung zu nehmen. So ist heute auch weitgehend belegt, dass die Israeliten damals nicht etwa als typische Sklaven in Babylon zu Arbeit gezwungen wurden, sondern sich grösstenteils frei eingliedern konnten. Natürlich wurde das später dem Daheimgebliebenen anders erzählt, sonst wären die noch auf die Idee gekommen, nach Babylon zu ziehen.

Dienstag, 7. April 2015

Warnungen, die nicht überzeugen

Diese Chronikbücher... so was von langweilig, echt. Aber gerade fiel mir mal wieder etwas auf. Nichts Weltbewegendes, aber immerhin.

Der Herr warnte Manasse und sein Volk, aber niemand hörte darauf.
2. Chronik 33, 10

Manasse war der Sohn von Hiskia (der alles recht machte) und kam mit 12 auf den Thron.

Man fragt sich, wie Gott denn gewarnt hat. Da hat heute ja jeder Papst mehr Überzeugungskraft. Auch der kann nicht alle überzeugen, ja sogar nur eine Minderheit. Aber die ist doch recht gross.

Hiskia war ja noch keine Ewigkeit her, da gehorchten alle dem Herrn, folgten ihm, dienten ihm, brachten ihm Opfer dar.

Dann kommt ein zwölfjähriger Schnösel und bringt plötzlich alles wieder durcheinander. Echt jetzt?!

So weit, so gut. Doch dann schlagen noch alle die Warnungen Gottes in den Wind? Hallo?

Sehr überzeugend konnten diese Warnungen oder die Art, wie sie überbracht wurden, nicht sein.

Samstag, 4. April 2015

Gott = Satan

Hach, jetzt bin ich schon viele, viele Monate dran, die Bibel nochmals von vorne bis hinten zu lesen. Und gerade erst habe ich mich darüber ausgelassen, dass das erste Buch der Chronik extrem langweilig ist, da kommt es. Völlig unerwartet: Ich lese das erste Mal von Satan.

Natürlich, Christen sagen, dass Satan schon im ersten Genesis-Kapitel in Erscheinung tritt und durch die Schlange zu Eva spricht. Das kann man da hinein interpretieren, stehen tut es jedenfalls nicht. Wenn man, wie gerade die Evangelikalen immer wieder betonen, die Bibel wörtlich zu nehmen hat, dann hat da die Schlange gesprochen. Kein Teufel.

Nun, so meine ich, taucht also tatsächlich in 1. Chronik die Figur des Widersachers, des Satans, erstmals auf. Ehrlich gesagt hätte ich ihn ja viel später erwartet, aber nun gut. Was tut er denn in der ersten Chronik?

Er ist dafür verantwortlich, dass David eine Volkszählung durchführte, die den Zorn des Yahweh (und auch den des Volkes) auf sich zog.

Und der Satan stellte sich gegen Israel und reizte David, dass er Israel zählen ließe.
1. Chronik 21, 1

Mittwoch, 1. April 2015

Das Buch der Chronik

Laut Wikipedia wird das erste Buch Chronik auch das Buch der Auslassungen genannt, weil es angeblich vieles erwähnt, was in den Königs- und Samuelbüchern "vergessen" ging.

Beim Lesen erscheint es mir aber eher, als wäre es das Buch der Wiederholungen. Und damit übelst langweilig. Ich überfliege kapitelweise Geschichten, die schon in früheren Büchern erzählt wurden, und verpasse damit vermutlich die paar Auslassungen.

Egal. Scheissegal. Gähn.