Donnerstag, 30. April 2015

Die Bibel: Für jeden etwas

Gestern hatten wir Besuch von einem gläubigen Ehepaar, das uns von einem tollen Buch erzählte. Leider weiss ich Titel und Autor nicht, aber es ging im Wesentlichen darum, dass wir nicht "müssen", sondern "dürfen". Mit wir sind natürlich die Christen gemeint, womit ich also ausgeschlossen wäre.

Das Buch hätte den beiden Jesus ganz neu nahe gebracht und ihnen Mut gemacht in ihrem Glauben. Jesus hätte mit seinem Tod am Kreuz alle Gesetze aufgehoben und alles für sie getan, so dass sie eben nichts mehr müssten, nur noch sein dürften.

Ich brachte dann die Zwischenfrage, ob man demnach stehlen, morden und ehebrechen dürfte. Die Antwort war, man staune: Im Prinzip ja, weil Jesus die Sünden ja auf sich nahm. Aber ein Christ tut das vermutlich trotzdem nicht. Und Busse tun müsse man natürlich schon.

Das war mir dann so weltfremd, dass ich gar keine Lust hatte, da weiter zu bohren. Lediglich auf das Fazit der beiden, dass ihnen das besagte Buch wieder mal aufzeigte, wie befreiend der Glaube an Jesus sei, dachte ich mir, jetzt gibt's ein spannendes Gespräch und meinte:

"Sich von aller Religion loszusagen ist auch sehr befreiend. Extrem befreiend. Und das Buch, das euch so gut gefällt, zeigt doch letztlich nur, dass man sich nach Belieben alles aus der Bibel zusammen basteln kann, wie es einem gefällt. Tatsache ist ja, dass alle anderen Stellen, die für den Buchautor in diesem Fall nicht relevant waren, eben doch immer noch aus irgendeinem Grund in der Bibel stehen. Allein die Tatsache, dass man nahezu alles mit der Bibel begründen könne, zeigt doch schon, dass man das mit Zweifel geniessen sollte."

Wie gesagt, ich erwartete jetzt eigentlich, dass endlich mal ein friedliches Streitgespräch zum Thema Glauben starten würde. Doch weit gefehlt. Wie ich vor ein paar Tagen schon geschrieben habe: Ein Streitgespräch wird auch in diesem Fall gemieden. Lediglich ein allgemeiner Einwand, dass das korrekt sei, aber man das schliesslich mit jedem x-beliebigen Buch machen könne, kam. Und dann auch verzögerungsfrei der Hinweis, dass man jetzt langsam gehen sollte, weil der Junior ins Bett müsse.

Der Fall war klar: Man will nicht darüber weiter diskutieren. Wetten, dass die das Thema Glauben in Zukunft nur noch weiträumig umfahren, wenn sie mit mir zusammen sind?  Schade. Aber ich will ja auch keinen Streit provozieren.

Kommentare:

  1. "Mit wir sind natürlich die Christen nicht gemeint, womit ich also ausgeschlossen wäre."

    Ähem ... ich denke, da ist ein "nicht" zuviel?
    Wenn ja, bitte ändern
    Wenn nein, bin ich jetzt verwirrt

    Zum Rest: Einverstanden!

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  2. Oh, natürlich hast du Recht. Hab' die verwirrende Formulierung korrigiert. Danke für den Hinweis.

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