Samstag, 4. April 2015

Gott = Satan

Hach, jetzt bin ich schon viele, viele Monate dran, die Bibel nochmals von vorne bis hinten zu lesen. Und gerade erst habe ich mich darüber ausgelassen, dass das erste Buch der Chronik extrem langweilig ist, da kommt es. Völlig unerwartet: Ich lese das erste Mal von Satan.

Natürlich, Christen sagen, dass Satan schon im ersten Genesis-Kapitel in Erscheinung tritt und durch die Schlange zu Eva spricht. Das kann man da hinein interpretieren, stehen tut es jedenfalls nicht. Wenn man, wie gerade die Evangelikalen immer wieder betonen, die Bibel wörtlich zu nehmen hat, dann hat da die Schlange gesprochen. Kein Teufel.

Nun, so meine ich, taucht also tatsächlich in 1. Chronik die Figur des Widersachers, des Satans, erstmals auf. Ehrlich gesagt hätte ich ihn ja viel später erwartet, aber nun gut. Was tut er denn in der ersten Chronik?

Er ist dafür verantwortlich, dass David eine Volkszählung durchführte, die den Zorn des Yahweh (und auch den des Volkes) auf sich zog.

Und der Satan stellte sich gegen Israel und reizte David, dass er Israel zählen ließe.
1. Chronik 21, 1

Ein typischer Fall für Satan. Aktionen, die dem Willen Gottes diametral entgegen laufen oder Gott zornig machen, sind des Teufels Spezialgebiet. Erstaunlich ist hingegen, dass es sich bei dem hier geschilderten Ereignis um eine Wiederholung handelt. Ich hab's ja schon geschrieben, sozusagen die ganze Chronik ist eine einzige Wiederholung bereits erzählter Geschichten.

Die hier wurde schon in 2. Samuel erzählt im Rahmen der gesamten Geschichte von König David. Doch halt: Wenn das schon in 2. Samuel erzählt wurde, dann wäre dies hier ja nicht die erste Nennung von Satan. Ooooder? Doch!

Im 2. Samuel steht zwar die gleiche Geschichte, aber mit einem feinen Unterschied. Da war es nicht Satan, der David zur Volkszählung verleitete, sondern der HERR. Schon nicht ganz das Gleiche. Oder doch?

Und der Zorn des HERRN entbrannte abermals gegen Israel, und er reizte David gegen das Volk und sprach: Geh hin, zähle Israel und Juda!
2. Samuel 24,1

Eigentlich wollen die fundamentalistischen Christen ja gerne, dass man die Bibel wörtlich nimmt. Das lässt an dieser Stelle dann nur den einen Schluss zu: Gott und Satan sind das Gleiche. Wenn beide Verse korrekt, also wahr, sein sollen, dann bleibt doch eigentlich nur diese Möglichkeit.

Wer nicht darauf besteht, dass die Bibel wortwörtlich genommen werden soll, der hat noch ein paar Alternativen offen. So könnte man argumentieren, es handle sich um einen Übersetzungs- oder Schreibfehler. Etwas seltsam für ein Buch, das angeblich vom unfehlbaren Gott kommen sollte. Andererseits ist es auch äusserst seltsam, dass nach dem dritten Moses-Buch mit der Chronik schon wieder ein Repetitions-Buch den Weg in die Bibel gefunden hat. Muss denn alles doppelt erzählt werden?

Natürlich liesse sich noch behaupten, Gott würde Satan für seine Zwecke einspannen. Das würde allerdings ein ziemlich sadistisches Licht auf den Christen-Gott werfen. Wenn Gott Satan steuert und für seine Zwecke einsetzt, dann haben wir das Böse und Schlechte nicht Satan, sondern letztlich Gott zu verdanken. Die Behauptung, dass Satan = Gott wäre im Endeffekt auch wieder wahr.

Ich bin verdammt froh, habe ich diese unbefriedigenden und ausweichenden Erklärungsversuche der Christen hinter mir. Man steht vor Widersprüchen, Fragezeichen und Problemen und müsste sich eingestehen, dass da was faul ist. Aber statt der Sache auf den Grund zu gehen und den Tatsachen in die Augen zu sehen, flüchtet man in seltsam konstruierten Argumenten, Erklärungen und Ausreden. Diese wiederum erzählt man sich so lange, bis man sie einfach glaubt.

Dabei ist es so einfach: Satan ist genauso die Personifizierung des Bösen wie Voldemort bei Harry Potter, die Hexe bei Hänsel & Gretel oder der Joker bei Batman. In der Realität existieren sie alle nicht.

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